Das grausame Business um Pferde
Nach dem Fußball ist das Reiten -Dressur, Springen, Vielseitigkeit aber vor allem Pferderennen- die beliebteste Sportart in Deutschland. Auf großen Reitevents wie bspw. dem jährlich abgehaltenen CHIO in Aachen werden Reiter und Jockeys mit großen Besucherzahlen, viel Jubel und hohen Wetteinsätzen belohnt (international mehrere Milliarden pro Jahr). Pferde, die sich auf der Rennbahn oder beim Dressurreiten bewährt haben, werden für teilweise zweistellige Millionenbeträge verkauft.
Doch was bedeuten besonders die Rennen für die hochsensiblen Tiere?
Pferde sind Herden- und Fluchttiere. Sie brauchen soziale Kontakte, knüpfen enge Freundschaften untereinander und sind stets wachsam, um sich sicher zu fühlen. Ihr starker Geruchssinn und großes Sichtfeld helfen ihnen dabei Fressfeinde schon früh zu bemerken, damit sie rechtzeitig Reißaus nehmen können. Schnelles Galoppieren in einer Gruppe ist für die Tiere also oft mit Angst vor dem Gefressenwerden gleichzusetzen. In Anbetracht dessen ist es kaum verwunderlich, dass viele Pferde sich vor einem Turnier weigern in ihre Startboxen, die sie gedanklich mit dem unangenehmen Rennen verknüpft haben, zu treten. Oft werden sie mit Hilfe von Gewalt oder Augenbinden hineingezwungen. Außerdem ist es in Deutschland trotz Tierschutzgesetz noch immer erlaubt sein Pferd während des Rennens fünfmal mit der Peitsche anzutreiben, obwohl dies das Tier erwiesenermaßen nicht schneller laufen lässt.
Das Nutzen von Sporen, spitzen Absätzen an Reiterstiefeln, die dem Pferd zum gefügig machen in den Bauch gerammt werden und grausamen Trainingsmethoden wie der Rollkur, bei der der Kopf des Pferdes mit Hilfe der Zügel an seine Brust gezogen wird, sind im Reitsport Gang und Gäbe. Über die Rollkur gibt es bereits zahlreiche Studien, die belegen, dass sie äußerst schlecht für die Tiere ist. Die Methode ruft chronische Verspannungen, Gelenkschäden und Durchblutungsstörungen hervor, Dauerstress wird durch das zwanghafte Senken des Kopfes und die damit einhergehende Einschränkung des Sichtfelds verursacht. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung verurteilt die Rollkur zwar, trotzdem sieht man sie noch häufig auf Trainingsplätzen vor großen Turnieren. Magengeschwüre, psychische Störungen, etc. sind das Resultat all dieser Faktoren und der nicht artgerechten Haltung.
Die Pferde stehen den Großteil des Tages in engen, isolierten Boxen ohne den Kontakt zu anderen Tieren und dürfen diese meist nur für ein anstrengendes Training verlassen. Zudem werden sie bereits mit 1 bis 2 Jahren in den Hochleistungssport gedrängt, sind also noch im Wachstum. Eine zu hohe Belastung in diesem jungen Alter führt oft zu bleibenden Gelenkschäden und seelischen Problemen.

Alternativen zum Turnierstress

Aber die Qual der Pferde ist nicht der einzige Weg zum Erfolg und Spaß mit den Tieren. Ein Gegenbeispiel dazu ist unter anderem die schonende Pferdebeschäftigung Bodenarbeit. Es geht darum, die Beziehung zwischen Mensch und Pferd zu verbessern, Vertrauen zu stärken und die Psyche des Tieres zu verstehen, um das Zusammenspiel von Mensch und Tier für das Pferd so angenehm und natürlich wie möglich zu gestalten. Es wird ohne Druckmittel wie Sporen oder Peitsche gearbeitet und der Mensch befindet sich neben dem Pferd.
Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass konventionelle Pferdeturniere den Tieren Schaden zufügen, werden diese aus Unterhaltungs- und finanziellen Gründen trotzdem regelmäßig und international durchgeführt. Im Sinne der Pferde ist es wichtig, dass in Zukunft mehr auf alternative und pferdefreundliche Beschäftigungen gesetzt wird.
Danke an unsere Schülerpraktikant_innen Nina und Ilija, die diesen Artikel verfasst haben!


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