Die Bauernschaft offenbart ihr Alleinstellungsmerkmal

Die Zeiten, in der Kühe auf der Weide standen, in der Schweine sich in der Suhle wälzten, in der Hühner über den Hof liefen und Gänse jagten – alles dass ist nur noch selten zu sehen, vielmehr hat die industrielle Tierhaltung mit Megaställen die Bauernschaft erobert.

Die größten Haltungen betreffen die Rinderhaltung auf Platz 3 mit 12.000.000 Tieren, gefolgt von der Schweinehaltung mit 27.000.000 Tieren. Unbestritten auf Platz 1 liegt die Geflügelhaltung mit 173.000.000 Tieren!!
Viele dieser Tiere, deren Zahlen schon erschreckend hoch erscheinen, erleben nicht einmal ihr erstes Lebensjahr, so dass die Zahl der im Jahr pro Betrieb gelebten Tiere noch ein vielfaches höher ist, so z.B. bei Hähnchen, die i.d.R. nach 33 Tagen ihr Schlachtgewicht erreicht haben.

Während die Zahlen der Rinder und Schweine in den letzten 20 Jahren relativ konstant blieb entwickelte sich der Geflügelbereich dramatisch.

Hier nun kommen wir auf agrarheute zu sprechen.

Letzte Woche strahlte BR24 einen Beitrag auf Tierschutzunterricht an Schulen aus.

Hier der Beitrag des Magazins “Unser Land”

https://www.br.de/…/unser-land-landwirtschafts-magazin-wald…

Dieser wird durch ausgebildete Tierschutzpädagogen gehalten, die die Situationen der Tiere (Haus-, Wild- und Nutztiere) den Kindern erklären. Diese Fachkräfte gehen hierfür auf eine entsprechende Akademie um dieses inhaltlich neutral und kindgerecht vermitteln zu können. Dieser Aspekt ist sehr wichtig, denn viele Kinder wissen so gut wie nichts über die Herkunft ihrer tierischen Nahrungsmittel.

Jahrzehntelang war es üblich, dass Kindergärten und Grundschulen Bauernhöfe besuchten, die durch kleine Viehdichte und vorbildlicher Haltung glänzten, um den Kindern einen falschen Eindruck der eigentlichen Branche zu vermitteln. Die besuchten Höfe wurden jedoch nicht von pädagogisch geschulten Bauern geführt, sondern durch branchenbeeinflusste Personen.

Nun also berichtete der BR 24 über das Schulprojekt und stellte auch die Fachkompetenz der Tierschutzpädagogen in den Vordergrund. Die Landfrauen Bayerns sind tief erschüttert und sprechen in dieser Sendung von Ideologien fern aller Fakten, verwiesen auf ihre Höfe mit geringem Tierbestand und forderten die Landesregierung auf, solche Unterrichte zu untersagen, jedoch wollten sie weiterhin ihr Alleinstellungsmerkmal festigen und die Kinder weiterhin auf ihren Hoftouren manipulieren.

Nehmen wir nun noch einmal obige Zahlen zu den Viehbeständen und führen uns vor Augen, dass das Lebensalter bei Milchkühen von gut 20 Jahren Ende der 1970er / Anfang der 80er, auf annährend 5 Jahre gesunken ist, somit ist nach Adam Riese, trotz fast stabiler Viehbesatzdichte, ein gewaltiger Zuwachs an Tieren entstanden.

In den 1950er gab es in der damaligen Bundesrepublik Deutschland 2 Millionen Bauernhöfe, 2017 waren es nur noch 270 Tsd., also 13,5% bei gleicher Besatzstärke bei Rind und Schwein. Wer glaubt allen Ernstes die Mär, von dem Bauernhof „um die Ecke“, welche der Bauernverband und die bayrischen Landfrauen den Kindern – wider besseren Wissens – vermitteln möchten?
Hier betreibt der Bauernverband Lobbyarbeit im gefährlichen Stil.

Seit Jahrzehnten lügt uns die Marketingabteilung der Bauernschaft an, deren häufig idyllischen Illustrationen von bäuerlichen Landwirtschaften bei Milchprodukten irritieren Verbraucher und treffen keinerlei Aussage über das reale Haltungssystem der Kühe.
Der billige Preis dieser Milch lässt erahnen, dass sich der geringe Wert für einen Liter Milch auf die Haltungsbedingungen und das Wohlbefinden der Tiere auswirkt.
Ein Drittel der deutschen Milchkühe wird noch in Anbindehaltung gehalten, viele davon auch im Sommer. Diese Kühe können sich nur extrem eingeschränkt bewegen, nicht umherlaufen oder umdrehen, lediglich stehen und liegen.

Die Agrarheute jedoch spricht von Ideologien der Tierschützer, die 6.Klässler (also 12 Jahre plus) unterrichten und vergleicht sie mit Reichsbürgern und fundamentalistischen Imanen. Die Form der Polemik spricht für sich und mangelnde Argumente, die selbst ein „Fachblatt“ wie Agrarheute offensichtlich nicht liefern kann.

In den letzten Jahren erreichen immer öfters Aufnahmen aus Bauernhöfe die verstörte Öffentlichkeit, weil solche Bilder nicht mit denen konform gehen, welche die Bauernverbände uns gerne vermitteln. Welche Bilder sind jedoch richtig?
Fakt ist, dass die veröffentlichten Bilder immer wieder als „Einzelfälle“ und „Momentaufnahmen“ deklariert werden, jedoch distanziert sich der Bauernverband in keinster Art und Weise von solchen Betrieben, so dass wir davon ausgehen müssen, dass dieses nicht nur toleriert wird, sondern in vielen Betrieben auch gängige Praxis darstellt. Die vielen Aufnahmen lassen die Einzelfallbehauptung auf alle Fälle nicht mehr zu.

Die Forderung, den ausgebildeten Tierschutzpädagogen keinen Raum mehr zu bieten und die Aufklärung ausschließlich ausgewählten Vorzeigebetrieben ohne ausgebildete Pädagogen zu überlassen ist hanebüchen, denn dass wäre Manipulation im gefährlichen Rahmen. Wir fordern nicht nur die Beibehaltung der Tierunterrichtsprojekte, sondern diese als Pflichtfach einzuführen mit der gleichzeitigen Erweiterung einer Führung auf sowohl Geflügelmastbetrieben, Schweinezüchtereien und Milchviehbetrieben der konventionellen Haltungsform! Das würde einehrliches Bild ergeben.

Link zum Agrarheute Artikel

https://www.facebook.com/152897127443/posts/10157399856857444/



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