Grundsätzliches Umsteuern der Nutztierhaltung

Der Ethikrat bezieht Stellung zum Interessenskonflikt „Tierwohl & Konsum“

Der Ethikrat hat jüngst die systemimmanente Perfidie hinsichtlich der Nutztierhaltung beleuchtet und deren Kohärenz bzgl. der ungezügelten Fleischeslust der Gesellschaft verdeutlicht und moniert.

Er verlange ein „grundsätzliches Umsteuern in der Nutztierhaltung“. „Das Tierwohl setzte den Nutzungsinteressen des Menschen Grenzen, erklärte das Gremium in der Vorstellung seiner Stellungnahme „Tierwohlachtung – Zum verantwortlichen Umgang mit Nutztieren.“ Diese Grenzen würden nicht geachtet und permanent überschritten.

„Ich kenne kein einziges Rechtsgebiet, in dem so heuchlerisch vorgegangen wird, wie im Tierschutzrecht.“, so der Sprecher der Arbeitsgruppe „Tierwohl“ im Deutschen Ethikrat, Steffen Augsberg, der bezüglich der systeminduzierten Nachlässigkeit hinsichtlich der konsequenten Durchsetzung tierschutzrelevanter Gesetzlichkeiten, klare Worte findet.

Auch die Einräumung von Übergansphasen, diverse tierschutzkonforme industrielle Angleichungen betreffend, werden deutlich moniert:
„Als Beispiel für eine mangelhafte Umsetzung gesetzlicher Vorgaben nannte die Ethikratsvorsitzende Alena Buyx das Kükenschreddern. In Deutschland ist das Kükentöten in der Legehennenzucht nur noch für eine Übergangszeit zulässig, wie das Bundesverwaltungsgericht 2019 entschieden hatte. Die Praxis darf aber vorerst weitergehen., bis den Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechterbestimmung schon im Ei zur Verfügung stehen. Solche langen Übergangsphasen seine abzulehnen, sagte Buyx.“

„Auch die Kastenstandhaltung von Sauen, in der sich die Tiere nicht bewegen können, widerspreche geltendem Recht, kritisierte das Gremium.“

Man spreche sich zwar nicht gänzlich gegen Nutztierhaltung und Massentierhaltung aus, „mit dem Leben der Tiere müsse aber „achtsam und sparsam“ umgegangen werden.“

Die konsequente Achtung des Tierwohls würde unweigerlich zu einer Minimierung der Tierdichte in deutschen Ställen führen, was den Fleischpreis resultierend anheben würde.
Das alleinige Appellieren an den Konsumenten reiche nicht, erklärte der Ethikrat. „Die Politik müsse einen Strukturwandel hin zu einer ethisch vertretbaren Nutztierhaltung in Gang setzen und alle Betroffenen einbinden.“

Eine Konfrontation zwischen Verbrauchern und Bauern sei nicht zielführend. Vielmehr bedarf es Regelungen, welche Landwirten die Möglichkeiten eröffnen, das Tierwohl unter Einbezug der wirtschaftlichen Konditionen zu berücksichtigen. „Dazu zähle auch, dass es für eine Umstellung von Betrieben Unterstützung geben müsse.“

https://www.tagesschau.de/inla…/ethikrat-nutztiere-101.html…

Auch wenn unsere Vorstellung von einer ethisch vertretbaren Tierhaltung eine andere ist bzw. wir uns gänzlich gegen eine solche positionieren, so ist es doch erfreulich, dass das Thema Tierwohl immer mehr Gehör erfährt und Hauptthema eines Diskurses wird, der zumindest im Ansatz Reflexionsvermögen vorzuweisen hat.



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