Jungvogel gefunden? Das kannst Du tun!

Vielerorts ist die Brutphase bereits in vollem Gange… Nicht selten kann es da passieren, dass Jungvögel aufgefunden werden, die offenbar ihrem schützenden Nest entfallen- bzw diesem durch ein Raubtier entrissen worden sind.

Auch kann es, aufgrund von diversen Störfaktoren, gelegentlich zu einer gänzlichen Brutaufgabe durch die Elterntiere kommen.
Auch adulte (ausgewachsene) Tiere können bspw. rauen Witterungsbedingungen zum Opfer fallen.

Doch was tun, wenn es zu einem Jungvogelfund kommt? Und braucht wirklich jeder augenscheinlich hilflose Piepmatz unsere Hilfe?

Definition der relevanten Begrifflichkeiten:

ÄSTLINGE sind voll befiederte Jungvögel, die alle 30-60 Minuten von den Eltern angeflogen und gefüttert werden.

NESTLINGE sind nackig, beflaumt oder unterschiedlich stark befiedert. Das zum Flattern und Fliegen benötigte Federkleid ist noch nicht ausgebildet. Man sieht viele Federhülsen, nackte Stellen und der Vogel wirkt vom Gesichtsausdruck her eher zerknautscht und mürrisch. Nestlinge stehen auf dem Bein und stehen nicht auf den Zehen. Sie wirken unbeholfen und stolpern herum, wenn sie fliehen.

WER braucht Hilfe?

– Kaum gefiederte Vögel außerhalb des Nests. Diese werden von den Elterntieren nicht mehr versorgt.
– Ästlinge und adulte Vögel die nicht fliehen können. Gesunde Ästlinge flattern davon, wirken munter und wach. Kalte, nasse, verklebte, apathische und entfederte Vögel hingegen, sind dringend auf Hilfe angewiesen.
– Verletze Vögel und solche, die bspw. von einer Katze gebracht werden, benötigen eine Antibiose-Behandlung und sollten umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden. Auch unverletzt wirkende Vögel können durch bloßen Katzenspeichel-Kontakt binnen 24-48 Stunden versterben.
– Jungvögel, die sich in gefährlicher Umgebung befinden oder gefangen sind- Straßen, Kellerschächte, Dachböden, Regentonnen und Gartennetze werden oft zur Todesfalle.
– Nestflüchter wie Enten, Gänse, Teichhühner- allerdings nur, wenn diese nicht durch die Elterntiere versorgt werden.
– Mauersegler, die nicht aus eigener Kraft in die Luft abheben können.
– Nester und Nistkästen aus welchen ein lautes Rufen der Jungtiere ertönt und welche nicht mehr durch die Elterntiere angeflogen werden, dürfen begutachtet- die Jungtiere zum Zwecke lebensrettender Intervention entnommen werden.

WIE kann ich helfen?

Erstversorgung:
Fundtier in der Hand oder in einem künstlichen Nest aufwärmen. Gerade Nestlinge sind meist ausgekühlt und fast leblos. Die Wärme einer hohlen Hand und etwas warmer Atem kann hier oftmals Leben retten.
Nicht füttern oder tränken! Ein Tier, das unterkühlt und nicht auf „Betriebstemperatur“ ist, ist nicht in der Lage, Eingeflößtes abzuschlucken und droht zu ersticken!
Auf Verletzungen untersuchen und SOFORT einen (vogelkundigen) Tierarzt aufsuchen.
Auffangstationen oder kompetente Personen kontaktieren, die sich des Tieres annehmen können.

Erstunterbringung:
Hier eignet sich ein kleiner Karton oder eine Transportbox, welche mit einer Wärmflasche bestückt wird (max. 40 Grad heiß). Um die Wärmflasche ein Nest aus einem Handtuch formen und dieses mit Zellstoff auslegen. Um für ausreichend Luftfeuchtigkeit zu sorgen, legt man eine Schale mit einem feuchten Tuch dazu. Jungvögel trocknen sehr schnell aus!
Da das Tränken bei Vögeln, aufgrund anatomischer Gegebenheiten, sehr schnell zum Erstickungstod führen kann, sollte dies, falls nötig, in jedem Fall von einer vogelkundigen Person durchgeführt werden!
Auch bei der Fütterung kann ein Laie oft eher schaden als helfen, da die Wahl des Futters immer auf die jeweilige Vogelart abgestimmt werden muss.

WAS muss ich unbedingt beachten?

Da die Versorgung und Aufzucht von Wildtieren, insbesondere Vögeln eine äußerst komplexe Angelegenheit ist, welche eines hohen Maßes an Erfahrung und Fachwissen bedarf, ist in erster Instanz in jedem Fall eine vogelkundige Person zu Rate zu ziehen!
Jeder Wildvogel, sei er verletzt oder unterversorgt, muss von Gesetzes wegen nach gelungener Genesungs- bzw. Aufzuchtphase unverzüglich wieder in die freie Natur entlassen werden!



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