Tag der Kuh? Oder Tag der Milchmaschine?

Was für ein besonderer Tag, der 10 Juli 2020, denn es ist weltweit der Ehrentag der Kuh. Die Kuh erhält an diesem Tag eine besondere Wertschätzung für die erbrachte Leistung als Nutztier.

In Deutschland werden etwa 11,6 Millionen Rinder gehalten, 4 Millionen davon sind Milchkühe. Deutsche Milchkühe geben schätzungsweise 33,1 Millionen Tonnen Milch ab – fast ein Viertel der Gesamtmenge in der EU.

In den USA hat die EX-93 eingestufte Holsteinkuh Ever-Green-View My Gold-ET einen neuen nationalen Rekord mit fast unglaublichen, vom US-Holsteinzuchtverband jedoch bestätigten, 35’144 kg Milch geliefert. Hier zeigt sich deutlich die Messlatte der Landwirte!
Doch wie muss eine Kuh leben, um so eine ehrenwerte Leistung zu bringen?

Rinder sind als Nutztiere eher sparsam gesetzlich geschützt, nur für Kälber gibt es bestimmte Anforderungen. Ein Großteil der Kühe, ca. 72%, müssen in Laufställen leben. Der Stall ist in Fress-/Liege- und Melkbereiche aufgeteilt. Zur Fortbewegung dienen die sogenannten Verkehrs-/Laufgänge. Richtige Auslaufflächen, wo die Kühe sich Stundenweise oder Halbtags aufhalten können, sind eher selten aufzufinden. Der Futtergang ist in der Mitte des Stalls, um ihr Fressen aufnehmen zu können müssen die Kühe ihren Kopf durch die Fressgitter stecken. Liegeboxen sind nur wenige Schritte davon entfernt und sind mit Gummimatten oder Einstreu versehen. Die Boxen sind mit Metallbügeln von einander abgegrenzt, so können sich die Kühe nicht quer hinlegen. Weitere Liegeboxelemente verhindern, dass die Tiere zu weit in die Box treten können und auf die Liegefläche koten. Nicht selten kommt es durch solche Elemente zu Verletzungen.
Im Stall besteht der sogenannte Verkehrsbereich aus Beton und nicht selten aus Spaltenboden. Der Boden ist durch Kot und Urin so stark verdreckt, dass eine Fortbewegung der Kühe erheblich erschwert ist. Sie bewegen sich eher vorsichtig oder sehr selten. Nicht selten kommt es bei der Fortbewegung vor, dass die Kühe in den Fäkalien ausrutschen und sich verletzten. Um der Verdreckung Herr zur werden haben die Landwirte Schieber in die Laufgänge gestellt. Die automatische Entmistungsanlage reinigt den Boden ohne Gnade, denn geschwächte Tiere oder Kälber die unbemerkt zur Welt gekommen sind werden in Richtung Gülleabfluss geschoben und dabei verletzt. Von außen betrachtet sehen Ställe riesig aus, aber im Verhältnis ist es für die Kühe winzig. Die Enge kann zu Aggressionen und zu Rangordnungsproblemen führen, durch die nicht vorhandene Ausweichmöglichkeit.

Eine weitere Form der Haltung ist die Anbindehaltung. Rund ein Viertel der Milchkühe in Deutschland werden immer noch in der Anbindehaltung gehalten und sind in ihrer Bewegung stark eingeschränkt. Die Kühe werden mittels Ketten, Halsrahmen oder Gurte fixiert im sogenannten Anbindestand. Die Fixierung verhindert fast vollständig natürliche Verhaltensweisen wie Bewegungs-/sozial- und Komfortverhalten. Die Kühe werden entgegengesetzt ihres natürlichen Verhaltens gezwungen an dem gleichen Platz zu fressen, zu Liegen und sich zu entleeren. Auf Höhe des Kopfes befinden sich der Futtertrog und eine Tränkanlage. Niedrig angebrachte Tröge begünstigen die Entwickelung der chronischen Muskel-Überdehnung beim Fressen und eine Fehlstellung der Vordergliedmaßen, eine zusätzliche Belastung für die angebundenen Tiere. Am Ende des Anbindestands fließen die Exkremente über einen Mistgang/Gitterrost in einen darunter liegenden Güllekanal.
Die Anbindestände sind häufig zu klein für die Kuh, dies hat zur Folge, dass die Hinterbeine in dem vollgeschissenen Gitterrost stehen müssen. Wenn sie sich hinlegen, ist das Elend das Gleiche! Das Tier liegt mit seinem Körper auf mit dem von Fäkalien übersäten Boden. Anbindehaltung bedeutet auch mit etwa 2 Stunden Auslauf am Tag Freiheitsberaubung unter starken Schmerzen.

Die Weidehaltung nehmen in den Sommermonaten etwa nur 42% der Bauern als Haltung an. Allerdings ist der Begriff Weidehaltung nicht klar geklärt, denn der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft(WBA beim BMEL) stellte fest, dass möglicherweise schon der alleinige Zugang zu einem Laufhof als Weidehaltung angegeben wird. Die intensive Milchproduktion und das Verlangen nach Mehr hat zur Folge, dass sich die Stallhaltung leider mehr durchsetzt als die Weidehaltung. Es bleibt völlig unbeachtet, dass sich Kühe draußen wohler fühlen als drinnen im Stall. Sie können ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben und soziale Kontakte pflegen. Nicht zu vergessen ist das Grasen, dies dient nicht nur der Nahrungsaufnahme sondern auch als Beschäftigung.

Die natürliche Lebenserwartung einer Kuh beträgt etwa 30 Jahre. Was erwartet die Kuh noch im Leben neben dem Freiheitsentzug? Eine Kuh wird mit etwa 27 Monaten das erste mal vergewaltigt (besamt) und kalbt nun etwa einmal im Jahr bis zur Schlachtung mit 5-6 Jahren. Kurz nach der Geburt wird das Kalb der Mutter entrissen und in einen Iglu gesperrt. Von nun an wird die Kuh zweimal am Tag gemolken in einem Melkstand mit Hilfe einer Melkmaschine. Damit die Kuh immer mehr Milch produzieren kann, wird im Stall das Licht nicht ausgehen. Die Landwirte erklären dies mit mehr Wohlbefinden für die Kuh. Der Stoffwechsel steigt und die Hormone werden beeinflusst durch die Dauerbelichtung im Stall. So erzielen die Landwirte eine erhöhte Milchleistung von bis zu 15%. Das ganze Prozedere wiederholt sich so lang, bis der Transporter kommt und die total abgemagerte und ausgemärgelte Kuh zum Schlachten abholt.

Dieser Ehrentag muss wirklich genannt werden um das elendige, barbarische und qualvolle Leben einer Kuh widerzuspiegeln. Was für ein Glück für den Verbraucher, dass die Kuh so ein friedliches Lebewesen ist und von seinen täglichen Leiden nicht selbst berichten kann.

Diese Qualen sind nicht nötig und es wird erst dann zu einem Ehrentag für die Kuh, wenn der Konsument endlich versteht, dass pflanzenbasierte Milch die tierfreundlichste Alternative ist!

Quellen
https://www.schweizerbauer.ch/tiere/milchvieh/weltrekord-35144-kilo-milch-33364.html https://www.topagrar.com/mediathek/fotos/rind/wieviel-milch-gibt-eine-kuh-11667503.html https://www.schweizerbauer.ch/tiere/milchvieh/weltrekord-35144-kilo-milch-33364.html



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