Viel „Zisch“ um nichts – Die Ringelnatter

„Natrix natrix“ oder auch „die Schwimmerin“, so der wissenschaftliche Name der wasserliebenden Sonnenanbeterin im dunkelgrauen Schuppenkleid, deren Hinterkopf zwei unverkennbare halbmondförmige gelb- bis orangefarbene Flecken zieren.

Ihr vermeintlich „giftiger Blick“, brachte der Ringelnatter in der Vergangenheit so manch schlechten Ruf ein… In seinem „Buch der Natur“, schrieb Conrad von Megdeburg im 14. Jahrhundert: „Die Menschen tötet sie allein durch ihren giftigen Blick“ und unterstellte dem eleganten Reptil böse Absichten. Da Misthaufen unter anderem ihre bevorzugte Kinderstube sind, verlieh der Volksmund ihr einst den Namen „Kuhschlange“. Selbst als Protagonistin in einer Sagen-Reihe der Gebrüder Grimm, wurde die „Hausunke“, so der damalige Name der Ringelnatter, charakterisiert.

Die Ringelnatter (Natrix natrix) ist eine Schlange aus der Familie der Nattern. Verbreitet ist sie in großen Teilen Europas und Asiens. Sie bevorzugt feuchte Habitate mit größeren und kleineren Gewässern. Männliche Tiere erreichen im Durchschnitt eine Gesamtlänge von 75 cm, wogegen die Weibchen bedeutend größer werden- und eine Maximallänge von bis zu 152 cm erreichen können.

So böse, giftig und bedrohlich die Ringelnatter auch anmuten mag, so ist sie doch eine äußerst friedfertige und harmlose Zeitgenossin, die sich vornehmlich von Amphibien und Fischen ernährt und dabei nicht einmal über Giftzähne verfügt. Allein ein übelriechendes Sekret, welches sie bei Gefahr aus einer Postanaldrüse absondert, dient ihr als Abwehrmittel gegen Mensch und Tier. Fühlt sich die Natter bedrängt oder belästigt, stellt sie gerne mal ihren Kopf auf, zischt scharf und mimt dabei die aggressive Giftschlange. Auch den klassischen Totstellreflex, zählt sie zu ihrem Abwehr- und Schutz-Repertoire.

Leider wird die geschuppte Schönheit, aufgrund ihrer leeren Drohungen und ihres imposanten Erscheinungsbildes, nicht selten missverstanden und aus heimischen Teichen und Gärten vertrieben oder gar getötet, was angesichts der voranschreitenden Populationsdezimierung mehr als dramatisch ist.

Vor allem ihre kontrastreichen ökologischen Präferenzen werden der eleganten Natter zum Verhängnis. So bevorzugt sie nicht nur verwachsene Feuchtgebiete, sondern ebenso benachbarte freie und trockene Areale als „Sonnenstation“. Aufgrund großflächiger Denaturierung, Bewirtschaftung und Brachlegung, fällt dieser fundamentale Facettenreichtum vielerorts weg, was die Ringelnatter, in zahlreichen Teilen Deutschlands, bereits zur traurigen Rarität verkommen ließ.

Nicht selten sucht das schöne Reptil in seiner Not daher menschennahe Gärten und Teiche auf, die ihre naturgegebenen Ansprüche bedienen. Da die Angst vor Schlangen in vieler Menschen Köpfe tief verwurzelt ist, greifen betroffene Garten- und Teichbesitzer leider regelmäßig zu gewaltsamen Mitteln und erschlagen die harmlosen Tiere, die von Gesetzes wegen weder belästigt, vertrieben, noch getötet werden dürfen.

Solltest Du also solch eine züngelnde Schöne antreffen, freue dich über die besondere Begegnung und wahre etwas Distanz, damit die scheue harmlose Natter sich nicht bedrängt fühlt und ungezwungen ihrer Wege kriechen kann.



Sag was dazu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht