Vorwürfe gegen Milchviehbetrieb in Syke

Einstellung des Verfahrens und Widerspruch AZ 937 Js 21243/20 Staatsanwaltschaft Verden

Die Tierrechtsorganisation MgT e.V. ( Metzger gegen Tiermord ) veröffentlichte Anfang dieser Woche brisantes Bild- und Videomaterial, welches sowohl erkrankte Tiere eines Hofes in Syke zeigten, wie auch Material, die Misshandlungen eines Jungtieres dokumentierten.

In den Stellungnahmen des Landkreises wurden Vorwürfe gegenüber den Tierschützern geäußert, dass diese angeblich weder Bild-, noch Videomaterial den Behörden zur Verfügung gestellt hätten und erst 6 Wochen später dieses der Öffentlichkeit vorgestellt hatten.

Diese Aussage ist nicht richtig.
ANIMALS UNITED e.V. hat direkt nach Erhalt des belastenden Materials reagiert und die Behörden informiert. Insbesondere wollten wir die Behörden unverzüglich um Mithilfe bitten, damit es eben nicht heißt, die Tierschützer würden Material zurückhalten.
Telefonisch wurde dem Veterinäramt Diepholz in einem längeren Gespräch mitgeteilt, was uns aus den vorliegenden Materialien ersichtlich war. Neben Ohrenmarken und Zuständen der Tiere wurde auch eine detaillierte Ortsangabe mitgeteilt.
Der Zustand des Jungrindes, die Umfangserweiterung wurden thematisiert, ebenso wurden die Klauenprobleme angeführt.
Noch am selben Tag wurde eine schriftliche Anzeige mit diesen Vorwürfen über ANIMALS UNITED e.V. angefertigt und verschickt.
Der Landkreis hat sowohl die Hinweise bestätigt, wie auch die eingegangene Strafanzeige. Hier halten wir fest, dass die schriftliche Anzeige definitiv vorgelegen hatte.
In dieser Anzeige haben wir schriftlich mitgeteilt, dass Bild- und Videomaterial bei uns angefordert werden kann, davon hat weder das Veterinäramt, noch die Staatsanwaltschaft Gebrauch gemacht.
Am 16.04.2020 führten wir von ANIMALS UNITED e.V. nochmals ein Telefonat mit dem zuständigen Veterinäramt und wurden schroff an die Staatsanwaltschaft verwiesen. Wir erklärten deutlich, dass wir Material hätten, welches für die Untersuchung von größter Bedeutung wäre und wurden hiermit wieder an die Staatsanwaltschaft verwiesen.

Wenn nun Frau Antje Tittmann, Amtstierärztin und Fachtierärztin für Tierschutz der Kreisverwaltung, in der Kreiszeitung wie folgt zitiert wird:
„Warum, zum Teufel, stellen die uns das Material nicht direkt zur Verfügung? Warum sechs Wochenspäter und mit so einem Brimborium?“ sollte die Frage richtig lauten:
„Warum verweigerte das zuständige Veterinäramt die Zusammenarbeit und das angebotene Material? Warum rief die Staatsanwaltschaft bis heute dieses noch nicht ab?“

In den Verlautbarungen des Landkreises heißt es, dass alle Tiere noch am selben Tag kontrolliert worden seien, dieses ohne Befund. Wir sprechen von 300 Tieren, setzen wir eine Untersuchung von 2 Minuten pro Tier voraus, dann wäre die Begutachtungsdauer 2 Minuten á 300 Tiere, also 600 Minuten oder 10 Stunden. Wie realistisch dieses ist mag sich jeder selber beantworten.

Die Frage bzgl. der Tiermisshandlung konnte gar nicht ohne Abruf des vorliegenden Materials erfolgen, von daher sind wir sehr erstaunt, dass die zuständige Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat, ohne zuvor das angebotene Material angefordert zu haben. Das gestern in München eingetroffene Schreiben datiert auf den 07.05.2020 und wurde am 13.05.2020 abgestempelt.

Hierzu bestätigt Frau Tittmann laut Kreiszeitung wie folgt: „Natürlich ist das mißhandelt worden! Die entscheidende Frage wird da sein: War das Vorsatz oder Fahrlässigkeit?“
In der Strafanzeige schilderten wir ein Hängen in der Beckenklammer, wobei die Hinterläufe den Boden nicht berührten, von gut 30 Minuten. Wir schilderten ein Aufhängen am Vorderlauf und auch ein „Umbetten“ mittels einer Futterschaufel.

Wir erkennen hier ein systembedingtes Nichthandeln der Behörden, die ihr eigenes Versagen nun den Tierschützern in die Schuhe schieben möchten. Wenn nun die Politik immer wieder äußert, dass Kontrollen dem Staat unterliegen, so stimmen wir dem zu, doch dann sollte der Staat auch dieser Aufgabe gerecht werden und nicht nur alle 21 Jahre (Bundesdurchschnitt laut kleiner Anfrage der FDP aus dem Jahr 2019) Kontrollen durchführen. Ferner erwartet man dann auch, dass die Behörden so deutlich beschrieben Meldungen auch im Sinne der Tiere untersuchen. Hier zeigt sich wieder deutlich, dass die Ämter augenscheinlich nur reagieren, wenn tatsächlich öffentlich derartige Zustände dokumentiert werden.

Die Einstellung der Ermittlung wurde begründet, dass die noch am gleichen Tag durchgeführte Kontrolle des Veterinäramtes Diepholz die Vorwürfe nicht bestätigen konnte. Wieviel Zeit tatsächlich für die Kontrolle verwendet wurden müsste geklärt werden. Wir behalten uns vor juristisch gegen alle beteiligten Personen vorzugehen.
Wir, von ANIMALS UNITED e.V., haben bis heute keine Anforderung der Unterlagen erhalten. Wir werden auf alle Fälle diesen Fall weitere juristisch verfolgen und auch eine Wiederaufnahme der Ermittlung beantragen.



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