Wesen eigenen Rechts

Eine philosophische Erläuterung

Der Philosoph Bernd Ladwig erläuterte jüngst in einem Interview der „taz“, die, aus seiner Sicht unumgängliche Notwendigkeit der Installation von Tierrechten und zieht einleitend Parallelen hinsichtlich der Kulminierung von Tierqual innerhalb der Schlachtmaschinerie und human bedenklichen Arbeits-Konditionen in den Schlachthöfen.

„Es gibt einen ganz bestimmten Punkt, an dem sich Menschen- und Tierrechtsverletzungen überschneiden und sogar gegenseitig verstärken. Die Ausbeutung der Arbeiter führt dazu, dass zum Leid durch die Schlachtung noch zusätzliche Qualen hinzukommen. So wissen wir heute, dass mit der zunehmenden Akkordarbeit auch die Anzahl der Fehlbetäubungen zunimmt.“

Bezüglich der Inkonsequenz in der speziesübergreifenden Überwachung und Einhaltung des Tierschutzgesetzes, erkenne der Philosoph ursächlich eine Kategorisierung und Objektivifizierung der Tiere innerhalb industrieller Prozesse, die vornehmlich den menschlichen Nutzen intendieren.

„Weil alles auf den Rahmen ankommt, in den man diese an sich wohlklingende Bestimmung „Staatsziel Tierschutz“ einbettet. Derzeit sind viele Tiere nur dazu da, um als Ressourcen für unsere Zwecke zu dienen. Tierschutz wird daher in unserem System so verstanden, dass die Nutzung der Tiere nur reguliert werden müsse und es eines „vernünftigen Grundes“ bedürfe, sie in ihren Grundbedürfnissen einzuschränken. Wenn man hingegen den Schluss zöge, dass Tiere Wesen eigenen Rechts sind, die um ihrer selbst willen auf der Welt sind, hätte man einen ganz anderen Rahmen. Da könnte man auch über Grundrechte für Tiere als empfindliche Lebewesen nachdenken.”

Bernd Ladwig sehe eine eklatante Gleichwertigkeit im tierischen und menschlichen Empfinden. Mentale Vulnerabilität und Bewusstseinsweite seien von ähnlicher Qualität.

„Wir alle leiden, wenn wir rücksichtslos behandelt werden. Darin sind uns viele Tiere sehr ähnlich. Da man, moralisch gesehen, gleiche Fälle gleich behandeln sollte wäre es willkürlich, wenn wir Tiere weiterhin allein ihrer Artangehörigkeit geringer beachten würden. Mit vielen Tieren eint uns, dass sie subjektiv Schaden empfinden können.“

Das Nähe- und Distanzverhältnis zu einzelnen Tierarten, müsse dabei irrelevant sein.

„Das Verständnis, in dem wir etwa zu sogenannten Haus- oder Nutztieren stehen, kann Auswirkungen darauf haben, was wir ihnen schulden. Aus einer Beziehung entstünden dann besondere Pflichten, wie wir sie zum Beispiel bei Eltern gegenüber ihrem Kind kennen. Doch der Anspruch auf moralische Beachtung selbst besteht unabhängig von der Art der Beziehung.

In seinem just erschienenen Grundlagenwerk, thematisiere Ladwig den Tierrechts-Ansatz- warum er diesen favorisiert und als sinniger erachtet, als den gängigen Tierschutz-Ethos.

„Ich würde das gern an einem Gegensatz verdeutlichen: Aus utilitaristischer Sicht bedeutet Moral, ganze Weltzustände und nicht Individuen in den Mittelpunkt zu rücken. Rechte hingegen bieten jedem Einzelnen Schutz. Sie markieren eine Grenze gegenüber dem Handeln anderer und zugleich gegenüber der Verwirklichung des Gemeinwohls. Das scheint schon unter Menschen unverzichtbar. Denn Grundrechte jedes einzelnen Menschen gelten auch dort, wo mitunter ein kollektiver Nutzen für etwas anderes spricht. Es ist mir sehr wichtig, dass auch Tiere als Subjekte einen solchen Schutz genießen sollten.

Seine Tierrechts-Vision schließe eine symbiotisch basierte Mensch-Tier Beziehungen, unter Beachtung domestikationsinduzierter Gegebenheiten, nicht aus…

„Mein Ideal ist nicht, dass wir alle Tiere befreien müssen. Das hieße, dass wir garnicht mehr mit ihnen in einer institutionalisierten Ordnung zusammenlaben oder -arbeiten könnten. Ich stelle mir vor, dass man mit bestimmten Tieren eine gerechte Form der Kooperation finden könnte. Das bezieht sich auf jene, die durch ihre Domestikation – ich nenne zum Beispiel Hunde – schon auf ein Zusammenleben mit Menschen eingestellt sind.“

Um eine solche Vision zu realisieren, bedürfe es eines kollektiven Umdenkens.

„Ich denke, der zivile Ungehorsam wäre eine Option. Er ist dazu imstande, einen breiteren Bewusstseinswandel in der Bevölkerung anzustoßen. Damit meine ich eine kulturelle Revolution in unserer Einstellung zu Tieren. Ich kann mir neben herkömmlichen Mitteln zur Interessensbekundung wie Wahlen auch Tierbefreiungsaktionen vorstellen, und zwar solche, in denen man Tiere vor evidenten Rechtsverletzungen bewahrt. Allerdings muss man hier aufpassen, dass man durch solche Aktionen nicht das große Ziel der Bewegung vereitelt. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Tierrechtler Fanatiker wären.“

zum ganzen Artikel
https://taz.de/Philosoph-ueber-Schlachtung-von-Ti…/!5694803/



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