Zirkus & Bildung ?
Kinder müssen wilde Tiere kennen lernen, ihren Lebensraum und ihre Lebensweise erleben können. Das geht doch hier nur im Zirkus, oder?
So denken viele Eltern über die Erziehung und Bildung ihrer Kinder.
Auch das Kennenlernen von (wilden) Tieren wird oft als förderlich in der Entwicklung eines Kindes angesehen.
Allerdings ist der Zirkus nicht die richtige Lösung, um seinem Kind ein wildes Tier näher zu bringen. Wilde Tiere, wie beispielsweise der Tiger, haben meist einen großen Bewegungsdrang und sie lassen, in ihrem natürlichen Lebensraum, einige Kilometer täglich hinter sich. Das natürliche Revier von Großkatzen umfasst mehrere hundert Quadratkilometer.
Im Zirkus müssen sich laut Zirkusrichtlinie zwei Raubkatzen 12m2 Platz teilen. Hinzu kommt ein Außengehege von 50m2, das sich fünf Tiere teilen müssen. Sind die Tiere nicht daran gewöhnt? Nein, denn sie sind nicht domestiziert wie etwa Hunde. Hunde sind Tiere, die seit Generationen vom Menschen gehalten werden. Der Prozess, sie an ein Leben mit dem Menschen anzupassen, hat tausende von Jahren gedauert. Mit ihren ursprünglichen Artgenossen, den Wölfen, haben sie daher heute wenig gemein.
Anders ist das eben bei Raubkatzen. Diese sind nicht domestiziert. Das heißt: Sie haben alle ihre natürlichen Instinkte, zum Beispiel den Jagdinstinkt oder den Bewegungsdrang. Diesen nicht nachgehen zu können, führt bei den Tieren nachweislich zu Stress und Verhaltensauffälligkeiten.
Dazu kommt, dass viele Tiere einen anderen Lebensrhythmus haben als wir Menschen. Tiger sind zum Beispiel nachtaktiv und müssen im Zirkus aber trotzdem regelmäßig tagsüber “arbeiten” und “trainieren”.
Wilde Tiere leben in ihrem natürlichen Lebensraum auf großen Gebieten, sie wechseln nicht alle paar Tage einfach den Ort, ohne dies selbst zu bestimmen, und sie machen schon gar nicht irgendwelche Kunststücke oder lassen sich dressieren, nur um uns Menschen Unterhaltung zu bieten. Auch der enge Kontakt mit Menschen ist für wilde Tiere sehr unnatürlich.
All diese Fakten und Informationen zeigen, dass ein Zirkusbesuch nicht die Lösung ist, um Kindern wilde Tiere und ihre Lebensweise näher zu bringen. Tiere im Zirkus leben und verhalten sich nicht wie in ihrem natürlichen Lebensraum und somit lernen Kinder falsche Verhaltensweisen der Tiere kennen.
Und nicht nur den Tieren geht es dabei schlecht. Nein, sogar die Kinder können Nachteile von einem Besuch bei einem Zirkus mit Wildtieren erfahren: Die Teilnahme an einer Aufführung mit wilden Tieren kann die normale Entwicklung der Empathie eines Kindes behindern. Sie verbinden so Freude und Vergnügung mit unnatürlichem Verhalten, Unwohlsein und Bestrafung von Tieren.
Aber: Man muss Kindern Zirkusbesuche nicht komplett vorenthalten! Besuch stattdessen mit deinen Kindern lieber einen Zirkus mit Akrobat:innen, Clowns, Magier:innen, Popcorn und Musik.
Besuche keinen Zirkus mit Tieren. So kannst du etwas für die Tiere einfach und aktiv tun.


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