Afrikanische Schweinepest: Startschuss für kopflose Jagd

Das Problemtier Wolf ist total 2017 – Jäger und Ministerien haben im neuen Jahr ein neues Steckenpferd: das Wildschwein. Die Afrikanische Schweinepest breitet sich von Osteuropa Richtung Westen aus. Klingt wohl derart bedrohlich, dass 70% der Wildschweine in Deutschland geschossen werden sollen. Hierbei soll mit schonungsloser Härte vorgegangen werden: Verschiedene Landesregierungen bemühen sich Schonzeiten auszusetzen, staatliche Abschussprämien zu entrichten und sogar Muttertiere töten zu lassen. Doch ist der ganze Aufruhr tatsächlich legitim?

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Ihren Namen erlangte diese Virusinfektion, als sie in Afrika erstmals durch Übertragung von Lederzecken auftrat. Bis nach Europa schaffte es das Virus durch kontaminierte Produkte oder Fahrzeuge. Es bricht lediglich bei Wild- und Hausschweinen aus und wird auch nur innerhalb dieser Spezies übertragen – für den Menschen ist es folglich harmlos und in keinster Weise ansteckend.

Wozu dann der ganze Trubel?

Den Menschen bedroht diese Seuche lediglich in zwei tief in der Psyche verankerten “Grundbedürfnissen”: Zum einen die Profitmaximierung, zum anderen den tagtäglichen “Genuss” von Fleisch. „Der Markt für Schweinefleisch würde zusammenbrechen“, so ein hessischer Kreislandwirt. Gelangt das Virus nämlich in die großen Schweinemastbetriebe, so hätte dies zur Folge, dass die Schweine gekeult werden müssten und somit nicht zum Verkauf stehen würden. Es stände weniger Fleisch zu Verfügung und obendrein würden finanzielle Verluste entstehen. Hier fällt es wohl schwer, Mitleid mit diesen Menschen zu empfinden – denn die wahren Opfer sind nicht sie, sondern die Haus- und Wildschweine.

Bejagung ist nicht der Königsweg

Auch innerhalb der Jäger besteht bezüglich der Lockerung der Jagdvorschriften kein Konsens. Massenhaftes Jagen, ohne Beachtung der eigentlich bestehenden Verbote, wird nicht von allen unterstützt. Zum Beispiel das Töten von Bachen mit Jungtieren sei gegen die Jagdethik. Stattdessen klagen diese an, dass die Reduktion des in den letzten Jahrzehnten stark angewachsenen Wildschweinbestands nicht genügend ernst genommen wurde. Es würde, ihnen zufolge, zu spät gehandelt. Mensch hätte schon viel früher die Bestände kontinuierlich minimieren sollen. Doch wird das Ganze einmal gänzlich überdacht, so kommt ein anderer Gedanke in den Sinn: Weder eine kontinuierlich starke noch eine akute extreme Bejagung sind der Königsweg. Eine aktuelle Studie belegt sogar, dass die Bejagung die Ausbreitung von Krankheiten nicht eindämmt, sondern viel mehr fördert – Jagd ist folglich in diesem Fall kontraproduktiv.

Ein Nicht-Eingreifen sollte trotz aller Widrigkeiten in Erwägung gezogen werden

Erinnert mensch sich an den Biologieunterricht, so zeigt sich, dass sich Bestände selbst regulieren. Futterknappheit oder Seuchen bringen eine Population wieder ins Gleichgewicht, sobald dieses durcheinander geraten ist. Futtermittel gibt es genügend, deshalb sollte eine Seuche eigentlich “willkommen” geheißen werden. In Anbetracht der Tatsache, dass zum klinischen Verlauf der Afrikanischen Schweinepest Fieber, Blutungen, Apathie und Organschäden gehören, fällt es freilich schwer ein Nicht-Eingreifen in Betracht zu ziehen. Doch langfristig betrachtet, würde ein Aussetzen der Jagd hierbei eine “natürliche” Populationsreduktion hervorrufen und dem Ausschleichen der künstlichen Eingriffe des Menschen wäre somit ein erster Weg geebnet. Langfristig betrachtet, könnte somit die Jagd ausgeschlichen und die Wildtierpopulation wieder zurück in die Hand der Natur gegeben werden – doch diese Idee scheitert wohl daran, dass Jäger_innen ihren eigenen Berufszweig erhalten wollen. Außerdem wird sich die Seuche wohl kaum so stark ausbreiten, dass mindestens 70% der Wildschweinpopulation (wie die von Verbänden geforderte Abschussquote) daran sterben wird – Ein Ausbleiben der Jagd würde folglich vorerst weniger Opfer fordern.

Was ist mit den Hausschweinen in der Intensivtierhaltung? Gemessen daran, dass diese ohnehin eine Existenz geprägt von mangelnder Hygiene, Krankheit, Rivalität, Leid und Schlachtung erleben, macht eine Infektion und anschließende Keulung nicht sehr viel Unterschied. Allerdings gilt zu beachten, dass die Übertragung nicht primär über die lebenden Wildschweine vonstatten geht. Wahrer Überträger ist der Mensch, zwar nicht unbedingt sein Organismus, aber sein Handeln fördert die Ausbreitung. Kontaminierte Produkte, Schuhsohlen, Lkw-Kabinen – an all diesen Orten und Gegenständen kann sich das Virus längere Zeit halten und durch menschliches Zutun weiter übertragen werden. Der Sprecher des deutschen Jagdverbands, Torsten Reinwald, betont stattdessen: “Es muss versucht werden zu verhindern, dass verunreinigte Wurst, also Rohware und geräucherte Rohware nach Deutschland kommt.” “Auch ein weggeworfenes Wurstbrot, das vielleicht in Weißrussland geschmiert worden ist, kann für einen Ausbruch in Deutschland sorgen”, so Agrarminister Schmidt Wird vorsichtig mit Importen umgegangen und in den Betrieben auf Hygiene Acht gegeben, so ist auch eine Ausbreitung der Seuche in Mastbetrieben einzudämmen. Denn wann gelangt denn bitte ein Wildschwein in eine Schweinemastanlage?



Laura

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"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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