Alle 17 Jahre wieder – von der Realisierung des “Tierschutzes”

Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP werden landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland im Durchschnitt lediglich alle 17 Jahre kontrolliert. In Bayern liegt das Kontrollintervall sogar bei erschreckenden 48,1 Jahren – die funktionierende Durchsetzung des Tierschutzgesetzes sieht anders aus.

Veterinärämter – versagende Exekutivorgane des “Tierschutzes”

Dass Veterinärämter als Exekutivorgane des “Tierschutzes” in vielen Facetten versagen, ist keine Neuigkeit. Fehlender Idealismus, Personal- sowie Zeitmangel und die daraus folgende Minimierung der Handlungsmöglichkeiten führen dazu, dass tierausbeutende Betriebe freie Hand haben. Im Jahr 2017 wurden nur ca. 5% der 640.000 Betriebe in Deutschland von Veterinären kontrolliert. Von dieser geringen Zahl wurden jedoch in 20% der Betriebe Mängel in der “Haltung” festgestellt. Es ist erschreckend, sich auszumalen, wie viele deutliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz hinter verschlossenen Türen stattfinden und nicht geahndet werden – bis in 17 Jahren die nächste Kontrolle kommt.

Wäre alles gut, wenn es regelmäßige Kontrollen gäbe?

Zweifellos ist es zwingend notwendig, dass Veterinärämter endlich zu funktionierenden Kontrollorganen werden, mehr Personal erhalten und somit in kurzen Zeitintervallen Betriebe prüfen können. Doch derzeit sind Kontrollen, auch wenn sie stattfinden, nicht zwingend wirksam. Schon die Statistik zeigt: In 6.127 Betrieben kam es zu Beanstandungen, doch nur in 1.220 Fällen wurde sofort ein Ordnungswidrigkeits- oder ein Strafverfahren eingeleitet. Beim Rest kommt es nur zur Aufforderung, den tierschutzwidrigen Zustand in einem bestimmten Zeitraum zu korrigieren. Diese Ermahnungen laufen leider nur zu oft ins Leere, wie der “Horror-Hof” Oettingen exemplarisch zeigt. Amtsveterinär_innen sind meist selbst Freund_innen der tierischen Landwirtschaft, lassen Missstände wissentlich zu, arbeiten träge oder sehen bewusst weg. Nützlich sind Kontrollen erst, wenn sie von Menschen durchgeführt werden, denen es tatsächlich am Herzen liegt, die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern, doch diese werden nur zu oft massiv ausgebremst und in ihrer Arbeit behindert.

Dass seitens vieler Politiker_innen Tierrechtler_innen, die investigativ tätig sind, lediglich als Kriminelle diffamiert werden, zeitgleich aber kaum wirkliche Bemühungen zu erkennen sind, die Veterinärämtern mehr Durchschlagkraft geben könnten, zeigt: “Tierschutz” steht nicht im Fokus der Agrarpolitik und tierischen Landwirtschaft, sondern Profit und optimale Tierausbeutung. Jede_r Einzelne von uns ist daher an der Reihe: Würden wir weniger bzw. keine tierlichen “Produkte” konsumieren, gäbe es weniger Betriebe und im Umkehrschluss könnten die wenigen Veterinärämter einen höheren Anteil kontrollieren – wir können Tiere also generell vor einer trostlosen Existenz als “Nutztier” bewahren und zeitgleich den noch ausgebeuteten Tieren eine Hilfe sein.

Veterinärämter als Stütze der Tierausbeutung?

Letztendlich sind (auch funktionsfähige) Veterinärämter Strukturen, die zwar im Optimalfall das Tierschutzgesetz realisieren, aber somit die Tierausbeutung in ihren Grundfesten stützen. Es ist absurd, von “Tierschutz” zu sprechen, wenn empfindsame Subjekte zu anonymisierten “Produkten” degradiert werden, sie ihr gesamtes Leben lang unter widrigsten Bedingungen “gehalten” und für Milch und Eier sowohl psychisch als auch physisch massivsten Belastungen ausgesetzt werden. An diesen Tatsachen ändert auch die qualifizierteste Veterinärkontrolle nichts. Ausbeutung bleibt Ausbeutung – statt “besser” auszubeuten sollten wir damit beginnen, nichtmenschliche Tiere als das zu erkennen, was sie sind: empfindsame Subjekte, die eine Würde besitzen und es wert sind, respektiert zu werden.

Zwar kann die maximale Zuspitzung von Tierquälerei von funktionierenden Veterinärbehörden verhindert bzw. aufgehalten werden – Grundprinzipien der tierischen Landwirtschaft sind und bleiben trotzdem Ausbeutung und Gewalt. Bei allen 640.000 Betrieben in Deutschland müsste ein Strafverfahren eingeleitet werden, denn “niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“. Auch beim schönsten, idyllischen Bio-Hof bedeutet die Schlachtung kein sanftes Streicheln in den schönen Tod. Zu glauben, dass das Argument “weil es schmeckt” in der Waagschale von Gewalt und Tötung ein vergleichbares Gewicht hätte, ist naiv und barbarisch. “Genuss” ist kein vernünftiger Grund.

 



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
Laura

Sag was dazu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht