Als Meeresbiologin in Thailand #1

Das ist es nun also, das absolute „Traumleben“: leben in den Tropen, mit täglichem Meeresblick und Sonnenschein, umgeben von unberührtem Tropenwald und friedlichen Dschungelgeräuschen… Das ist zumindest das Bild, das viele Menschen von einem Leben auf einer tropischen Insel haben. Die Realität sieht wie so oft anders aus.

Leben zwischen Palmen und Plastik

Tourismus und Wirtschaftswachstum haben dem Land in wenigen Jahren enormen Reichtum gebracht, mit verheerenden Folgen für Natur und Tierwelt. Besonders der Verbrauch von Plastik hat extrem zugenommen, die Auswahl an Produkten aus Plastik ist unerschöpflich. Geschirr, Wäschekörbe, Strohhalme, Plastiktüten in allen Größen…Thailand liebt dieses praktische Material. Die richtige Entsorgung des anfallendes Mülls funktioniert nur teilweise; der Großteil landet auf riesigen Müllkippen und natürlich im Meer. Müllteppiche an den Küsten und Stränden sowie in scheinbar unberührten Waldregionen sind keine Seltenheit. Auch giftige Abwässer von Hotelanlagen und Industrie werden großteils ungefiltert in nahegelegene Gewässer geleitet. Die Folge ist ein immenses Artensterben an Land und unter Wasser. War Koh Phangan vor einigen Jahren noch ein beliebtes Brutgebiet für Meeresschildkröten, gibt es heute kaum noch Sichtungen. Die Fischpopulationen gehen durch die Verschmutzung, Überfischung und umweltschädigende Fangmethoden stark zurück.

Umwelt- und Tierschutz in Thailand

Für die meisten thailändischen Bürger_innen ist Umweltschutz bis heute ein Fremdwort. Nicht, weil es Ihnen egal ist, sondern weil es Ihnen einfach niemand beigebracht hat. Nur den Wenigsten ist klar, welche Folgen die Verschmutzung für Mensch und Natur hat.
Mit dem Tierschutz sieht es nicht viel besser aus. Vor allem das berühmte Elefantenreiten wird in vielen Regionen als Touristenattraktion angeboten und bedeutet für die Tiere ein Leben in Angst und Qual. Auch Affen, Schlangen und sogar Krokodile werden zur Belustigung von Tourist_innen gefangen gehalten und mit brutalen Mitteln gefügig gemacht.

Finally – the good news!

In den letzten Jahren scheint sich der Umgang mit Natur und Tier jedoch zu ändern. Immer mehr ausländische und thailändische Organisationen setzen sich für den Natur- und Tierschutz ein, oft unterstützt von der thailändischen Regierung. Schulklassen säubern während der Unterrichtszeit Strände oder belegen Kurse über Artenschutz in Ihrer Region. Die Regierung versucht mit Gesetzen und Verordnungen zum Schutz der Natur die Zerstörung aufzuhalten, und die Polizei greift bei öffentlichen Tierquälereien inzwischen streng durch.

Wie geht es weiter?

Seit zwei Jahren arbeite ich als Meeresbiologin eng mit der Regierung zusammen. Wie oft ich nur den Kopf schüttle, wenn ich sehe, was Natur- und Tierschutz hier bedeutet, kann ich gar nicht mehr zählen. Trotzdem sehe ich eine positive Veränderung in diesem schönen Land, und ich bin guter Dinge, dass Thailand in Sachen Umweltschutz in naher Zukunft Vorreiter für andere asiatische Länder sein wird. Warum ich das denke, werde ich Euch in meinen nächsten Beiträgen näher bringen!

Kob khun kha! Liebe Grüsse aus Koh Phangan



Susanne

Susanne

Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt. (Mahatma Gandhi)
Susanne

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