Anna – Das „Leben“ einer Milchkuh

Wenn eine Kuh ein Kalb gebärt, gibt sie Milch und kann gemolken werden. Hört mensch nicht auf, sie täglich zu melken, gibt sie einfach immer weiter Milch. Oder? Zugegeben, das hab ich früher lange gedacht. Leider ist es ganz anders. Mach dich gefasst, auf eine anschaulich bewegende Geschichte. Eine Geschichte über die Milch und wer eigentlich dahinter steckt. Eine Geschichte über das Leben einer „Milchkuh“.

Die Befruchtung

Nehmen wir als Beispiel eine Kuh aus der Intensivtierhaltung und nennen sie „Anna“. Im jungen Alter von 7-8 Monaten wird Anna das erste Mal in ihrem Leben vergewaltigt. Ja, richtig gelesen. Anna ist bei der „Besamung“ entweder angebunden oder wird festgehalten. Während ein Arm bis zum Ellenbogen in ihrem Anus steckt, wird ihr eine 45 cm lange Besamungsspritze in die Scheide durch den Gebärmutterhals bis in den Uterus geschoben. Dann wird Sie „befruchtet“, indem das Sperma – das vorher einem Bullen durch einen simulierten sexuellen Akt (aber das ist eine andere grauenvolle Geschichte) abgenommen wurde – durch die Spritze in ihre Gebärmutter geleert wird. Anna hat dabei keine Möglichkeit, dieser Prozedur auszukommen.

Laut der „Bundeszentrale für Bildung“ ist Vergewaltigung „die Nötigung zum Beischlaf oder zu ähnlichen sexuellen Handlungen, die das Opfer besonders erniedrigen, wobei diese mit Gewalt, durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer dem Täter schutzlos ausgeliefert ist, erfolgen kann“. Wenn das mal nicht vollstens zutrifft.

Schwangerschaft & Geburt

Nun wird Anna schwanger. 9 lange Monate und 9 Tage wächst in ihr ein gesundes Kalb heran. Genau, wie wir Menschen und jedes andere (Säuge-)Tier, hat sie in dieser Zeit eine große Bindung zu dem kleinen Lebewesen aufgebaut, das da in ihrem Bauch gedeiht. Nach einer kräftezehrenden Geburt mit schmerzhaften Eröffnungs- und Presswehen, sieht sie das Kalb zum ersten Mal. Ihr Kalb. Erschöpft aber glücklich leckt Anna ihr Neugeborenes trocken. Schon eine halbe Stunde bis Stunde nach der Geburt macht das Kalb die ersten neugierigen Steh- und Gehversuche, um von der wichtigsten Mahlzeit am Beginn seines Lebens zu kosten, der Biestmilch seiner Mama. Aber stopp! Anna darf keinesfalls auch nur einen Tropfen ihrer kostbaren Milch an ihr Kind „verschwenden“, denn wir Menschen brauchen ja die Milch für unseren Kaffee, den Käse, die Eiscreme und das Milchpulver, das wir einfach überall hinein mischen, wo es uns gerade passt. Und überhaupt, brauchen wir die Milch nicht zum Überleben? Nun, diese Frage lässt sich recht leicht beantworten. Bist du ein Kalb? Nein? Tja, siehe da, dann brauchst du auch keine Kuhmilch. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Verlust

Der Bauer kommt, um Anna schnell ihr Kalb zu stehlen, bevor es auf die Idee kommt, seine natürlichen Instinkte zu nutzen. Anna findet das überhaupt nicht witzig. Sie mag ihr Kalb und es ist doch noch so klein, es braucht seine Mama und die Milch. Obwohl sie noch müde von der Geburt ist, stellt sie sich, von ihrem Mutterinstinkt geleitet, vor ihr Baby, um es zu verteidigen. So leicht gibt eine Mutter ihr Kind eben nicht her. Doch jeder Verteidigungsversuch ist zwecklos. Nachdem Anna durch den Schlag mit einer Mistgabel auf den Rücken kurz verwirrt ist, sieht sie, wie ihr Neugeborenes in eine Schubkarre geworfen und davon gerollt wird, in ein Schicksal, das nicht besser aussehen wird als das seiner_ihrer Mama. Tagelang noch ruft sie ihrem Kalb traurig hinterher. Eine Antwort bekommt sie jedoch nie.

Wahre Muttermilch wird das Kalb in seinem „Boxen-Laufstall“, wo es ab sofort lebt, niemals schmecken. Stattdessen gibt es ein Gemisch aus Milchpulver und warmem Wasser. Wenn Annas Kalb ein Mädchen ist, blüht ihr dieselbe Zukunft, wie ihrer Mutter. Ist es ein Junge, wird er entweder ein paar Tage nach der Geburt umgebracht oder, nachdem er ein paar Wochen bis Monate gemästet wurde, als Kalbfleisch serviert. Männliche Kälber sind in der Milchindustrie quasi wertlos, da sie viel schwächer und magerer sind als die hochgezüchteten Fleischrassen.
Ab dem Tag, an dem Anna ihr Kalb verliert, wird ihr bewusst, dass sie für den Menschen keine Kuh ist. Sie ist nicht mehr und nicht weniger als eine Maschine, eine Produktionseinheit. Zwei Mal am Tag muss Anna in den Melkstand. Dort wird jede ihrer vier Zitzen mit einem Zitzenbecher bestückt, der sich durch ein Vakuum anhaftet und dann die Milch aus dem Euter saugt. Leider sind die Becher nicht immer ganz sauber, darum entzündet sich Annas Euter manchmal. Das macht das Melken sehr schmerzhaft, denn gemolken wird auch mit Entzündung. Viel mehr macht Anna den ganzen Tag über nicht. Das Essen bekommt sie serviert – ein kleiner Teil Raufutter, ein großer Teil Kraftfutter, damit unnatürlich große Milchmengen erreicht werden. In der Natur würde sie allein 10 Stunden nur mit dem Grasen auf Wiesen verbringen, während sie sich mehrere Kilometer fortbewegt.

Aber nach Laufen ist Anna sowieso nicht wirklich zumute. Im Stall kann sich zwar jede Kuh frei bewegen, doch sind noch so viele andere da, dass jede vom Platz her nur ein paar Schritte in alle Richtung gehen kann. Der harte Spaltenboden ist durchgehend nass und rutschig von Urin und Kot, wodurch sich auch noch die Klauen entzünden. Da die Klauen so beweglich sind, weil sie für Wiesen und Weiden gemacht sind, kommt es wegen der hohen Belastung oft zu Verletzungen der Gelenke und Deformationen. Überhaupt wäre in der Natur alles ganz anders. Anna gibt am Tag etwa 25 Liter Milch, mit jeder Schwangerschaft wird es mehr werden, bis sie 50 Liter oder mehr am Tag gibt. Das ist doppelt bis vier Mal so viel, wie ihr Kalb überhaupt hätte trinken können.

Alles von vorne

Sieben Wochen nach der Geburt ihres ersten Kalbes, wird Anna erneut vergewaltigt. Eine Pause vom Melken gibt es nur in den letzten 2 Monaten vor der nächsten Geburt. Und so beginnt der Kreislauf immer wieder von neuem. Geburt, Verlust des eigenen Kindes, Unmengen Milch geben, Vergewaltigung, Unmengen Milch geben, Melkpause, Geburt, usw. Es ist nachvollziehbar, dass Annas Körper und auch ihre Psyche solch unwürdigen Lebensbedingungen nicht lange mitmachen können. Unter normalen Umständen könnte sie 20 bis 30 Jahre alt werden. Doch in der Intensivtierhaltung ist sie nach 5 Jahren so ausgelaugt, dass sie als „Milchmaschine“ nichts mehr taugt. Die Erlösung des unfassbaren Leids, das Anna ihr „Leben“ lang ertragen musste und das Ende als Nahrungsmittelproduzent statt als Lebewesen, bedeutet den Gang zum Schlachter.

Muss das sein?

Ist es diesen Leidensweg eines Individuums wirklich wert, nur damit wir Milch, Käse, Joghurt, Butter oder Eiscreme haben, obwohl es doch schon so viele tierleidfreie pflanzliche Alternativen gibt?

Du entscheidest jeden Tag, ob ein soziales, fühlendes Lebewesen vergewaltigt wird, ob du einer Mutter ihr Kind wegnimmst, ob du dafür verantwortlich seien willst, dass eine Milchkuh, nach einem würdelosen Dasein, ihr Leben lassen muss. Entscheide weise, denn Mitleid ist zu wenig!



Milli

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Wo wären wir jetzt, wenn jeder sagt: "Ich kann sowieso nichts ändern"?
Milli


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