“Artgerechte” Hinrichtung Unschuldiger? Unmöglich.

Die Exekution straffällig gewordener Menschen ist nach wie vor in verschiedenen Ländern erlaubt. Eine archaische “Auge um Auge – Zahn um Zahn”-Mentalität scheint auch noch im 21. Jahrhundert vertretbar zu sein. Schon zuhauf gab es Zwischenfälle bei denen die Hinrichtung zu einem langanhaltenden Todeskampf geworden ist. Statt die Abschaffung der Todesstrafe voranzutreiben wird an neuen Tötungsmethoden gearbeitet. So zum Beispiel im U.S. Bundesstaat Oklahoma, in dem in Zukunft Menschen mit der erzwungenen Inhalation von Stickstoff getötet werden sollen. Eine Verfahrensweise, die zwar noch nicht am Menschen erprobt wurde, doch bei der Tötung von “Nutz”tieren zu den etablierten Praktiken gehört. Die Verwendung von Stickstoff gilt hier als Betäubung – mindert diese Methode Schmerz und Leid? Kann ein unschuldiges Tier “artgerecht” hingerichtet werden?

“Tierschutzgerechte” Schlachtung dank Betäubung?

Gemäß der Tierschutz-Schlachtverordnung “sind Tiere so zu betäuben, dass sie schnell und unter Vermeidung von Schmerzen oder Leiden in einen bis zum Tod anhaltenden Zustand der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit versetzt werden”. Diese Verordnung ist jedoch nur eine Wunschvorstellung und hat mit der Realität wenig gemein. Zahllose Tiere werden bei vollem Bewusstsein getötet. Doch auch wenn die Betäubung “erfolgreich” durchgeführt wird, ist das kein zu bejubelnder Gewinn – denn die meisten “Betäubungs”methoden fordern selbst bereits Leid und Schmerz.

Betäubung mit Kohlenstoffdioxid – sanftes Einschlafen oder verzweifelte Erstickungsangst?

Werden (menschliche) Tiere einer hohen Kohlenstoffdioxid-Konzentration ausgesetzt, tritt ein Sauerstoffmangel in Blut, Gehirn und weiteren lebenswichtigen Organen ein. Je nachdem wie lange das Tier dem Gasgemisch ausgesetzt ist, stirbt es oder wird lediglich betäubt. Zum Beispiel werden hierfür Schweine in eine Kohlendioxidgrube gedrängt und fallen anschließend betäubt heraus – auf den ersten Blick scheinen sie sanft eingeschlafen zu sein. Da die Exposition unter fünf Minuten dauert, gehört diese Methode zu den “reversiblen Betäubungen”. Der Tötungsprozess ist folglich noch nicht vollständig eingeleitet und die Tiere können vor oder beim Ausbluten wieder zu Bewusstsein kommen – was nicht selten der Fall ist. Bei Schweinen liegt bei dieser Methode der Anteil von “Fehlentblutungen” zwischen 0,4 und 2,5 Prozent, d.h. von im Jahr 2016 40 Millionen per CO2 betäubten und getöteten Schweinen, verblutete bis zu eine Million der Tiere bei Bewusstsein.

Noch schockierender ist, was in den Momenten vor der Betäubung geschieht: Die Betäubung setzt nicht sofort ein, sondern folgt erst nach 15-20 Sekunden, in denen das Tier beklemmender Atemnot, stechenden Schmerzen und Muskelkrämpfen ausgesetzt ist.  Das Leben zahlloser Hühner und Schweine wird auf diesem Wege gewaltsam beendet.

Elektrobetäubung, Bolzenschuss & Co. – etwa besser?

In die Reihe der Betäubungsmethoden gehören auch die Elektrobetäubung sowie der Bolzenschuss – sind diese Praktiken besser? Beim Bolzenschuss wird ein ca. 10 Zentimeter langer Bolzen mit einem Zentimeter Dicke in den Kopf des Tieres geschossen. Ist dieser korrekt gesetzt, entstehen irreversible Hirnschäden, die zu einer tiefen Bewusstlosigkeit führen. Bei der Elektrobetäubung soll nicht nur eine Immobilisation bei erhaltener Wahrnehmungsfähigkeit, sondern eine vollkommene Betäubung stattfinden. Nach einer Stromflusszeit von 300 Millisekunden tritt ein generalisierter zerebraler Anfall ein und somit die Bewusstlosigkeit. Trotz des schnellen Vorgangs ist die Einleitungsphase der Elektrobetäubung mit starken Schmerzen verbunden.

Zwar bieten diese beiden Praktiken Beispiele für eine “schnelle” Betäubung – doch auch wenn der Schmerz kurz ist, bleibt es Schmerz. Außerdem ist die korrekte Durchführung nur der Optimalfall und keineswegs die Regel. Bei extremer Akkordarbeit, die die Betäubung mehrerer Hundert Tiere pro Stunde fordert, gehören Fehlbetäubungen zur Tagesordnung.

“Leidfreie” Betäubungsmethode machen den Fleischkonsum vertretbar?

Anlässlich der Grausamkeit der Kohlendioxidbetäubung forscht der Veterinärmediziner Prof. Klaus Troeger an “besseren” Betäubungsmethoden. So soll die Heliumbetäubung weder Atemnot noch Schmerz verursachen, sondern ein tatsächlich friedliches Einschlummern der Tiere gewährleisten. Gibt uns die Möglichkeit, ein Tier “ohne Leid” zu töten etwa die Berechtigung dies auch wirklich zu tun? Es gibt keinen “schönen Tod”. Wenn ihm die Wahl gelassen würde, würde kein Tier seinen Tod wünschen, um anschließend verzehrt zu werden. Jede Schlachtung ist ein Akt der Gewalt und widerstrebt der ethischen Verantwortung sowie dem Mitgefühl. Wir haben nicht das Recht das Leben von Individuen auszulöschen um lediglich unseren “Genuss” auszuleben. Es gibt etliche kulinarische Möglichkeiten, die nicht nur den Tieren sondern auch uns und der Umwelt helfen – mensch muss sich nur von der archaischen Gewohnheit tierische Produkte zu verzehren loslösen und stattdessen einen Schritt in die Zukunft wagen. In unserer Gesellschaft ist die Todesstrafe von Menschen verboten – zum Glück. Ironisch, dass es immer noch vertretbar zu sein scheint  unschuldige Individuen zu töten.

 

 

 



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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