Aschheimer Großschlachthof – Schlachten ja, aber nicht bei uns?!

Im Aschheimer Gewerbegebiet ist ein Großschlachthof in Planung, der die Gemüter der Anwohner_innen erregt. Denn diese befürchten zukünftige Geruchsbelästigung und weitere negative Folgen, wie beispielsweise die Abschreckung anderer Unternehmen, die dort potentiell ansässig werden könnten. Auf Facebook haben sie deshalb eine Gruppe „Aschheimer gegen Schlachthof“ gegründet, um sich gegen dieses Vorhaben einzusetzen, mit bereits mehr als 600 Anhänger_innen. Die Medien berichten kontinuierlich über das Bauvorhaben sowie den Widerstand. Die SZ benennt Schlachthöfe dabei als Negativgewerbe. Dem stimme ich vollstens zu. Es ist nämlich nichts anderes als ein Negativgewerbe, welches Blut, Leid und Tod beherbergt.

Was das im Konkreten bedeutet, hat Tanya Reymann in ihrer Doktorarbeit untersucht. Sie hat 20 große Schlachtbetriebe in Bayern überprüft, wobei – welch Wunder – etliche Verstöße gegen das geltende Tierschutzrecht festgestellt wurden. So kann es laut der Recherche passieren, dass verletze Tiere bei Ankunft im Schlachthof nicht sofort geschlachtet werden, sondern zunächst im Wartestall platziert werden (nachdem sie bereits stundenlang auf engstem Raum transportiert wurden!). Während der langen Wartezeiten vor dem Schlachten kommt es vor, dass den Tieren keine Tränken zur Verfügung stehen, unverträgliche Tiere gemeinsam untergebracht sind oder einige Tiere klare Kälteempfindung aufweisen, um nur einige wenige der vorhandenen Probleme aufzuzählen. Es kommt außerdem zum hektischen Treiben der Tiere mit Gewalteinwirkung, wie beispielsweise Stöße in den Rücken mit harten Gegenständen wie dem Herunterjagen einer Treibgangtür. Vor der Betäubung werden manche Tiere mit einem Wasserschlauch am Kopf abgespritzt, ganz ohne Sinn und Zweck. Anschließend verrutschen die Elektroden zur Betäubung der Schweine manchmal, vor allem wenn die Tiere zu Boden gehen aufgrund der zugeführten Stromstöße. Oft ist die Betäubungstechnik schlecht gewartet und den Benutzer_innen fehlt das Wissen der nötigen Details, wie die Geräte fachgerecht zu bedienen wären. Dadurch kommt es dann gerade bei der Entblutungsstrecke zu dramatischen Szenen, Tiere werden bei vollem Bewusstsein aufgeschnitten und zum Verbluten aufgehängt, weil die Betäubung nicht ordentlich ausgeführt wurde oder schon zu viel Zeit dazwischen vergangen ist. Die vorgesehene Beobachtung der Entblutungsstrecke, um solche Tiere zu entdecken, wird auch nicht immer durchgeführt. Die Liste ist nahezu endlos, dies war nur ein kleiner Auszug der Tierschutzvergehen. Wichtig zu betonen: Es handelt sich in der Untersuchung um Standard-Schlachtbetriebe. Mensch stelle sich nun mal vor, wie es im Groß-Schlachthof von Aschheim zugehen wird, wo deutlich größerer Zeitdruck herrscht.

Erfreulicherweise erkennt die Gesellschaft derartige Betriebe zunehmend als Negativgewerbe. Und ich wünsche der Aschheimer Protestbewegung gegen den Schlachthof absolut Erfolg, aber das allein reicht bei Weitem nicht aus. Denn das Problem ist mit der Blockade lediglich aufgeschoben und nicht aufgehoben. Irgendwo muss ja geschlachtet werden, wenn jede_r ständig Fleisch essen möchte. Meine allergrößte Hoffnung ist daher, dass in Zukunft immer mehr Menschen, anstatt die Schlachthöfe nur an unsichtbare Orte verbannen zu wollen, den logischeren Weg gehen und diesem Negativgewerbe ein endgültiges Ende setzen. Präventiv. Sprich: Tierische Lebensmittel wie Fleisch und Milchprodukte von ihren Speiseplänen zu streichen, da diese mit unendlich viel Leid verbunden und noch dazu gesundheitsschädlich sind (rotes Fleisch wurde von der WHO als krebserregend eingestuft, in die Gruppe 1, in der sich auch Asbest und Tabak befinden!). Außerdem ächzt unser Klima unter den Treibhausgasen und dem Wasser- und Ressourcen-Verbrauch der “Nutztierhaltung”. Es gibt also weitaus mehr Probleme als die Geruchsbelästigung und Abschreckung anderer Unternehmen, die behoben wären, wenn jede_r die eigene Macht als Konsument_in erkennt und handelt, auch die Aschheimer_innen. Probleme muss mensch anpacken, nicht wegschieben, das sollte den Meisten von uns bewusst sein. Vielleicht bräuchten wir dafür gläserne Haustüren, oder wie Paul McCartney einst sagte: „Wenn Schlachthöfe Glaswände hätten, wäre jeder Vegetarier“. Es ist Zeit, diesem sinnlosen Leiden ein Ende zu bereiten!


Jedes Jahr werden über 60 Milliarden sogenannter „Nutz“tiere getötet, um sie zu verzehren. Hinzu kommen Milliarden Fische und andere Meeresbewohner_innen. Die meisten dieser Tiere finden einen grausamen Tod nach einer kurzen und meist qualvollen Existenz – denn ein Leben ist es nicht. Dabei steht längst fest, dass der Konsum tierischer Produkte Tier, Mensch und Natur schadet. Knapp 100 Tiere rettet jährlich, wer sich für eine vegane Ernährung entscheidet. Jede_r hat die Wahl – jeden Tag am Supermarktregal! Probiert rein pflanzliche (vegane) Lebensmittel – für Tier, Mensch, Natur und euch! Informiert euch & andere!



Lena

„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!“ (Philip Rosenthal)

wiemandieweltauchsehenkann.wordpress.com
Lena

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