Bald wieder Primatenversuche an Schweizer Uni?

Wieder einmal musste mensch zum Ende des vergangenen Jahres von einem geplanten, massiven Rückschritt in der Geschichte der Menschheit und Forschung lesen. Eigentlich werden am Institut für Neuroinformatik der Universität und ETH Zürich seit sechs Jahren keine Tierversuche an Primaten mehr durchgeführt. Doch nun möchte der Neurowissenschaftler Valerio Mante den präfrontalen Cortex im Gehirn an drei Primaten erforschen. Dieser ist für Entscheidungsprozesse wichtig und ermöglicht es, Reize kontextbezogen einzuordnen und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Diese Fähigkeiten sind bei psychisch Kranken oft gestört. Die Studie soll Erkenntnisse über psychische Krankheiten wie z.B. Schizophrenie liefern, was aber eher eine äußerst vage “Hoffnung” ist.

Für das Experiment wird den Affen ein Elektrodenarray ins Gehirn implantiert. Anschließend werden sie stundenlang in einem Primatenstuhl fixiert, sodass sie den Kopf nicht bewegen können. Angeblich werden sie darauf trainiert und machen dies freiwillig. Tatsächlich aber bekommen sie lange Zeit nichts zu trinken, erst wenn sie die Versuche mitgemacht haben, bekommen sie „zur Belohnung“ ein wenig Flüssigkeit. Das Veterinäramt hat den Versuch bewilligt, drei Mitglieder der Tierversuchskommission haben Einspruch erhoben, der vom Regierungsrat abgewiesen wurde. Tierschutzvertreter_innen aus der Tierversuchskommission möchten jedoch vor das Verwaltungsgericht ziehen. Laut ihnen sind die Versuche gesetzeswidrig. Die Würde des Tieres muss berücksichtigt werden, der Nutzen für den Menschen müsse das Leiden der Tiere klar überwiegen. All das sei hier nicht der Fall. Die Versuche sind der höchsten Schweregradstufe zuzuordnen und bedeuten eine starke, langfristige Beeinträchtigung für die Affen, obwohl es sich bei ihnen nur um Grundlagenforschung handelt.

Nun fragt mensch sich natürlich, ob es überhaupt sinnvoll ist, Tierversuche durchzuführen. Bringen diese überhaupt nützliche Erkenntnisse? Da Affen (also nichtmenschliche Affen) dem Mensch ähnlicher sind als andere Tierarten, gelten Affenversuche als besonders „wertvoll“. Allgemein unterscheiden sich verschiedene Tierarten anatomisch und physiologisch voneinander, was Tierversuche sehr ungenau macht. Oft werden in der Hirnforschung Rhesusaffen verwendet. Sie stimmen zu 93,5% genetisch mit dem Menschen überein, was aber nichts heißen muss, denn mit dem Fadenwurm stimmen wir beispielsweise zu 75% überein. Und der unterscheidet sich doch sehr von uns. 2004 ergab eine amerikanische Studie, dass über 90% der Medikamente, die in Tierversuchen bestehen, für den Menschen wirkungslos oder gefährlich sind und nicht zugelassen werden. Über 80% des Wissens über Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer stammen aus menschenorientierter Forschung. Doch obwohl sogar Tierversuchsforscher_innen zugeben, dass Tierversuche nicht garantiert auf den Menschen übertragbar sind, wird leider nach wie vor an ihnen festgehalten. Auch für die geplanten Versuche gäbe es Alternativen. So wäre eine Kombination aus verschiedenen Untersuchungsmethoden an Menschen deutlich sinnvoller. Durch Magnetenzephalographie erhält mensch z.B. direkte neurophysiologische Messungen des menschlichen Gehirns.

Bleibt nur zu hoffen, dass die drei Mitglieder der Tierversuchskommission Erfolg haben werden und die Affenversuche noch abwenden können. Denn schon die eigene Logik sagt, dass erkrankte Menschen zu untersuchen sinnvoller ist, als gesunde Affen, um Krankheiten am Menschen zu verstehen und zu erforschen.


In Käfige gesperrt, künstlich krank gemacht, vergiftet und verstrahlt, verbrannt und verbrüht, ertränkt, mit Elektroschocks gequält und in den Weltraum geschossen: Nur ein paar der grausamen Versuche, denen jährlich Millionen Kleintiere, Katzen, Hunde, Affen und andere Tiere ausgesetzt werden. Tierversuche sind kein nötiges Übel, dem wir unseren medizinischen Fortschritt verdanken – ein Irrglaube, denn viele der wichtigsten Errungenschaften im Gesundheitswesen sind Studien an Menschen zuzuschreiben. Tierversuche spielten hierbei keine Rolle. Hauptkritikpunkt ist die fehlende Übertragbarkeit auf den Menschen. Moderne tierversuchsfreie Forschung schützt besser vor Nebenwirkungen, ist effizienter, günstiger und rettet die Leben unzähliger unschuldiger Tiere! Informiert euch & andere!



Sandra

Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt. (Christian Morgenstern)
Sandra

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