Beilagensalat wird es bestimmt geben…

Ein Familienessen steht vor der Tür. Verwandtschaft hat sich für den Abend angekündigt und die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Heute Abend soll es in eine Gaststätte gehen – traditionelle Küche, schließlich möchte mensch den entfernten Verwandten ein wenig regionale “Kultur” näherbringen. Bayerische Küche…Weißwürste mit Senf oder Leberkas…ein Großteil der jungen Generationen weiß vermutlich noch nicht mal mehr, welche Tiere für diese Kultur zu Tode kommen. Ist doch naheliegend, dass mensch etwas als Kultur bezeichnet, von dem die jungen Generationen gar nicht mehr genau wissen, was sich genau darin verbirgt, oder etwa nicht?

Beilagensalat oder Pommes?

“Beilagensalat wird es bestimmt geben…”. Veganer_innen kommt dieser Satz bestimmt bekannt vor, ob von Familie und Freund_innen als Zusicherung oder beim Einreden eines kleinen Hoffnungsschimmers vor einem wichtigen Geschäftsessen. Beilagensalat oder Pommes, mehr gibt es in vielen regionalen Gaststätten nicht für Veganer_innen auf der Karte. Lediglich die italienischen und asiatischen Restaurants bieten einiges an Auswahl, die vegetarisch-veganen Lokalitäten mal ausgenommen. Bei diesen wird meist schnell von der Verwandtschaft abgeblockt – zu öko, zu vegan, zu anders. Kein Wunder also, dass auch heute noch viele Menschen das Bild eines salatknabbernden Hungerhaken vor sich haben, wenn sie auf Veganer_innen angesprochen werden. Denn etwas anderes gab es auf den Karten einiger Lokale einfach nicht für die Liebhaber_innen der pflanzlichen Küche.

Ginge das auch ohne Käse/Sahne/…?

Sitzt mensch nun in besagter Gaststätte und bekommt die Speisekarte in die Hand gedrückt, wird vorsichtig schon mal ein Blick auf den*die Kellner_in geworfen, um einzuschätzen, ob mensch wohl wieder einen netten Kommentar zur Wahl der Ernährungsweise auf den Lebensweg mitbekommt. Während die restlichen Anwesenden gefühlt Stunden rätselnd in die Karte starren und abwägen, wen sie heut wohl verspeisen wollen, wird die Karte bei Veganer_innen meist nach wenigen Momenten schon wieder zugeklappt. Frühstück…brauchen wir nicht um diese Uhrzeit. Vorspeisen…Salat mit Geschnetzelten: nein, Salat mit Fetakäse: nein, Beilagensalat: Hallo, mein Freund. Tipp an alle frischgesprossenen Veganer_innen: Immer “mit Essig und Öl” oder “ohne Joghurtdressing” dazusagen, sonst seid ihr auch nach Erhalt des Salates nicht viel glücklicher. Hauptspeisen…Fleischgerichte: keine Chance, Geflügel: ähm…Unterschied zu “Fleischgerichten”?, Fischgerichte: ebenfalls keine Option…bleiben die vegetarischen Gerichte. Rahmschwammerl, Käsespätzle…auch diese sind wohl kaum in veganer Variante vorrätig. Es wird beschlossen, die Kellner_innen nach Nudeln mit Tomatensoße oder Reis mit gebratenem Gemüse zu fragen, an welche sich manchmal nach einem Gespräch von besonders wagemutigen Köch_innen für die veganen Spezialfälle herangewagt wird. Jahrelange Kochausbildung und doch scheint es für manche Köch_innen eine Herausforderung zu sein, die pflanzliche Vielfalt zu “bändigen”.

Willkommen im 21. Jahrhundert!

Glücklicherweise ist hier besonders in den Großstädten eine Veränderung deutlich spürbar: Verschiedenste Gemüse- und Pastavarianten sind mittlerweile in den meisten “eingefleischten” Lokalen zu finden. Langsam scheint auch bei den kleinen Läden in der Stadt anzukommen, dass Nachfrage nach pflanzlichen Optionen im 21. Jahrhundert besteht. Aber auch ländlichere Restaurants probieren sich immer öfter an tierleidfreien Leckereien. Was sind eure Erfahrungen? Was sind eure Beobachtungen in der Stadt und auf dem Land? Gibt es markante Unterschiede?

 



Julia

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Du mußt dein Ändern leben. (Rainer Maria Rilke)
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