Bundesregierung enttäuscht mit einseitiger Bewertung veganer Ernährung

“Vegane Ernährung kann Risiken haben” – so lautet der Titel einer kürzlich veröffentlichten Erklärung der Bundesregierung. Ist also von einer solchen pflanzenbasierten Ernährungsform abzuraten? Der Anreiz des Veganismus erstreckt sich über vielerei Dimensionen – von ethischen über ökologische bis zu gesundheitlichen. Zu Letzterer gibt die Bundesregierung nun sogar offiziell ihre Stellungnahme ab. Zunächst spricht sie dabei von ausgewogener Ernährung, welche viele Menschen durch Vegetarismus und in den den letzten Jahren verstärkt auch durch Veganismus zu erreichen versuchen. Deshalb weichen bei der Bevölkerung zunehmend tierische Produkte pflanzlichen Lebensmitteln, so dass sich derzeit schätzungsweise 0,1 bis 1 Prozent der Deutschen vegan ernähren. Wie wirkt sich diese Ernährungsform auf die Gesundheit aus?

Veganismus = Verzicht?

Im Originaltext wird dabei von “Verzicht” auf tierische Produkte gesprochen. Nicht gerade objektiv, denn die_der Durchschnittsveganer_in würde das wahrscheinlich nicht so ausdrücken. Schließlich verbannt sie_er vorsätzlich und gewollt tierische Produkte aus ihrem_seinem Leben, weil sie_er diese beispielsweise für unethisch und schädlich hält. Ansonsten müsste ich von mir behaupten, ich würde darauf “verzichten”, krebserregende Tierkörper zu verzehren und Kälber umbringen zu lassen, um die eigens für sie existierende Muttermilch selbst zu konsumieren. Normalerweise “verzichtet” mensch auf etwas, was einem Freude bereitet, wie soll das hier zutreffen können?

Nährstoffdefizite?

Welche Auswirkungen auf die Gesundheit hat also das VERBANNEN tierischer Lebensmittel? Die Bundesregierung stützt sich dabei auf eine Publikation der Organisation „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“, kurz DGE. Diese stellt fest, dass vor allem die Versorgung mit Vitamin B12 bei der veganen Ernährung erschwert wird. Das ist tatsächlich so, aber gilt nicht ausschließlich für Veganer_innen (mehr dazu findet ihr hier). Weitere kritische Nährstoffe, die bei der veganen Ernährung angeblich zu kurz kommen können, sind unter anderem Vitamin D, Riboflavin, Calcium, Eisen, Jod und Zink. Die DGE rät daher von veganer Ernährung für Bevölkerungsgruppen ab, bei welchen ein erhöhter Nährstoffbedarft besteht, nämlich für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende. Allen anderen sich vegan ernährenden Menschen werden bewusste Lebensmittelauswahl und Ernährungsergänzungen empfohlen. Dauerhafte vegane Ernährung scheint so ja schwer realisierbar. Komisch eigentlich, gleich im nächsten Abschnitt heißt es „Veganer leben oft gesünder“.

Vegan trotzdem gesünder, was denn jetzt?

Tatsächlich ergibt sich aus vielerlei Studien, dass Pflanzenköstler_innen gesünder sind. Ganz klar ist der Konsum vollwertiger, pflanzlicher Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreideprodukten förderlich für die Gesundheit. Desweiteren scheinen diese Teile der Bevölkerung generell einen gesunden Lebensstil zu pflegen, mit erhöhter körperlicher Aktivität und verminderten Konsum gesundheitsschädlicher Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol. Trotz dieser Resultate legt die Bundesregierung den Fokus im Titel und Text ihrer Erklärung auf die Risiken veganer Ernährung.

Mein Fazit

Das ist natürlich die sicherste Variante, denn falls es sich zeigen sollte, dass die Risiken veganer Ernährung doch nicht überwiegen, hat mensch auf diese Weise zwar nichts Gutes aber auch keine Verschlechterung des Ist-Zustands erreicht. Sollte sich herausstellen, dass die Risiken doch im Vordergrund stehen, kann die Politik getrost auf diese Erklärung verweisen. In keinem der beiden Fälle kann sie also an den Pranger gestellt werden. Verstärkt nur die negative Seite einer Medaille zu beleuchten, um auf der sicheren Seite zu sein, anstatt es objektiv mit beiden Seiten zu tun, ist absolut nicht das, was ich mir von unserer Bundesregierung erwarte. Ja mensch muss Vorsicht walten lassen, wo es um gesundheitliche Aspekte geht, aber umfassende Bildung und Aufklärung halte ich diesbezüglich für sinnvoller, so dass jede_r Bürger_in auf Basis einer ausgewogenen Informationslage selbst entscheiden kann, ob sie_er den Schritt zu einer gesünderen (und vorallem ethischere) Ernährung wagt und wie sie_er dabei die eigene Nährstoffzufuhr kontrollieren kann. Der Originaltext der DGE äußert sich insgesamt etwas objektiver und informativer zu dieser Thematik, wenn auch nicht viel. Im Moment klingt die Haltung der Bundesregierung für mich leider eher so:

Eigentlich leben Veganer_innen gesünder, aber in Einzelfällen ist die ausreichende Nährstoffaufnahme gefährdet, die sich zwar korrigieren ließe, aber lieber nimmt mensch mehr Nährstoffe zu sich, inklusive mehr ungesunde, als die schädlichen zu reduzieren und ein Auge auf die wertvollen zu haben, weil dafür ist der Mensch ja zu beschränkt, da raten wir mal lieber davon ab.

Womöglich steht einer objektiveren Bewertung veganer Ernährung in Wirklichkeit auch die Verstrickung zwischen Politik und Wirtschaft im Weg, wie das so oft, nicht nur hierzulande, im Verborgenen geschieht. Schließlich hängt ein großer Wirtschaftsektor an der Tierausbeutung sowie an der medizinischen Betreuung der durch ungesunde Ernährung hevorgerufenen Zivilisationskrankheiten, wie zum Beispiel Herz-/Kreislaufbeschwerden oder Krebserkrankungen.



Lena

„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!“ (Philip Rosenthal)

wiemandieweltauchsehenkann.wordpress.com
Lena

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