“Das Glück dieser Erde” ist nicht das der Pferde

Pferde – Wenn ich an diese Tiere denke oder sie mir grasend auf einer Koppel anschaue, dann kommt mir immer sofort ein Gedanke: “Was für wunderschöne, elegante Tiere.” Jede Bewegung, jeder Muskel, der sich spannt, sieht edel und schön aus. Jede natürliche Bewegung – und nicht das, was Pferden im Profi-Reitsport abverlangt wird. Da sieht mensch diese wunderbaren Tiere in unnatürlicher Haltung, in Gangarten und Schrittfolgen, die die Natur nicht für diese Wesen vorgesehen hat. Sie springen über Hindernisse, die sie in freier Wildbahn lieber kilometerweit umlaufen würden, als freiwillig darüber springen zu müssen. Und wozu das alles? Weil der Mensch irgendwann einmal entschieden hat, dass das Pferd kein Lebewesen sondern ein Sportgerät ist.

Aber nicht nur heute werden diese sensiblen Tiere missverstanden, falsch behandelt und gequält. Zu früheren Zeiten wurde das Pferd z. B. auch als Kriegswaffe eingesetzt. Schon im 16. Jahrhundert wurden Pferde für den Einsatz im Gefecht ausgebildet. Und viele Figuren, die mensch heute noch in der Spanischen Hofreitschule sehen kann, wurden zum Einsatz an der Front gelehrt. Eine lange Zeit also, in der das Pferd dem Menschen “treuer Gefährte”, “Partner” und “Untertan” ist. Seit etwa 5000 Jahren werden Pferde domestiziert. Und vieles, was wir diesen sensiblen Geschöpfen seit dieser Zeit angetan haben, ist nur möglich, weil Pferde nicht schreien können. Sie verfügen über keinen Schmerzlaut!

Wenden wir den Blick nun mal auf die so beliebten Pferderennen. Frauen mit schicken Hüten und einem Glas Champagner in der Hand stehen an der Bande und feuern “ihre” Pferde an, auf die, zuweilen, eine Menge Geld gesetzt wird. Aber auch hier lohnt der genaue Blick. Denn was bedeutet ein Pferderennen für die Tiere? Wenn Menschen sich dazu entscheiden Sprinter_innen zu werden, dann tun sie das aus eigenem Antrieb und Willen. Pferde werden dazu gezwungen. Sie werden mit Gerten von Jockeys angetrieben und rennen oft bis zur vollkommenen Erschöpfung. Häufig sind die Pferde noch sehr jung, teilweise starten sie bereits mit ca. zwei Jahren, obwohl ein Pferd in diesem Alter noch lange nicht ausgewachsen ist. Die Konsequenzen des elitären Vergnügens sind für die Pferde schwere Verletzungen, körperliche Erschöpfung und oftmals auch ein früher Tod. Auch findet mensch oft Magengeschwüre, ausgelöst durch den massiven Stress. Das Lebewesen Pferd wird bis zum Maximum und nicht selten darüber hinaus getrieben, um Profit zu machen.

Dressurvorführungen gehören zu beliebten Sportveranstaltungen. Schicke Reiter mit Zylinder und Frack sitzen auf edlen Pferden und vermitteln den unwissenden Zuschauer_innen ein Gefühl der absoluten “Einheit”. Der tief nach unten genommene Kopf, bei dem die Nüstern fast auf der Brust aufliegen, erscheinen vielen Menschen als Inbegriff der “Eleganz”. Die Tatsache, dass diese Haltung für Pferde extrem unnatürlich ist und nur durch die sogenannte “Rollkur” erzeugt werden kann, trübt ganz massiv dieses schöne Bild. Stellt euch doch einmal vor, wie es für euch wäre, wenn mensch euch eine Metallstange in den Mund packt, jemand euren Kopf mit dem Kinn auf eure Brust schnallt und nun von euch verlangt, so herumzulaufen. Keine besonders angenehme Vorstellung, nicht wahr? Mittlerweile wird die Rollkur ebenfalls von vielen Expert_innen strikt abgelehnt, aber leider ist sie noch allzu oft an der Tagesordnung und wird weiterhin praktiziert. Und auch hier ist es wieder nur möglich, soweit zu gehen, weil die Pferde ihren Schmerz nicht in die Welt schreien können.

Es gibt noch viele weitere Disziplinen, in denen das Pferd eingesetzt wird, wie z. B. das Springreiten, bei dem sich regelmäßig Pferde Beine brechen, was unweigerlich zum Tod der Tiere führt, das Vielseitigkeitsreiten, bei dem oft so schlimme Unfälle passieren, dass nicht nur die Pferde, sondern auch die Reiter_innen ihr Leben lassen und das Fahren – vor der Kutsche oder dem Sulky eingespannte Pferde. Kutschunfälle, auch in Großstädten, haben schon so manches Pferd das Leben gekostet, weil sie z. B. absolut erschöpft auf offener Straße zusammenbrechen.

Es wird Zeit, dass der Mensch dahin kommt, wo er schon lange nicht mehr ist: Zum Verständnis, das Tiere keine Maschinen ohne Gefühle, Schmerzen und Emotionen sind. Pferde leiden unter dem, was der Mensch ihnen antut. Und trotzdem gehen sie für diesen bis an ihre Grenzen und oft noch darüber hinaus. Der Dank dafür sind Schmerzen und oft noch nicht mal eine “artgerechte Haltung”. Gerade Pferden im Profisport wird meist der so wichtige und notwendige Weidegang oder das Toben mit Artgenoss_innen verweigert, weil sie sich dabei ja verletzen könnten oder das bis zum Hochglanz geputzte Fell Schaden nehmen könnte. Stattdessen müssen sie ein Leben in dunklen Einzelboxen fristen, ohne die Möglichkeit sich ausgiebig bewegen zu dürfen. Eine reine Qual für das Fluchttier Pferd.

Pferde sind nicht verpflichtet, uns zu verstehen. Wir sind in der Pflicht, sie zu verstehen und uns so zu verhalten, dass ihnen kein Schaden entsteht, sie nicht leiden und sie ihren Bedürfnissen und Wünschen gerechtwerdend und zufrieden leben dürfen. Wir müssen die Pferde beschützen – vor der menschlichen Gier.



Michaela

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Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt! (Mahatma Gandhi)
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