Das Märchen vom glücklichen Huhn, das sich mit Freude schlachten ließ

Öko, Fair & Bio – Wir möchten unseren Konsum nachhaltig gestalten, unsere Eier von glücklichen Hühnern beziehen und unseren Hackbraten mit der Vorstellung essen, es hätte ein schönes Leben leben dürfen. Zur Seite stehen uns staatliche Gütesiegel oder andere Maßnahmen, die der “Transparenz” dienen: Zum Beispiel der “Lidl Haltungskompass “oder die “Initiative Tierwohl“. Die Werbung bietet uns Bilder von auf Weiden grasenden Kühen und bei Sonnenlicht glücklich scharrenden Hühnern. Bilder, die unser Gewissen beruhigen und uns die Bestätigung geben: “Tierische Produkte zu konsumieren ist in Ordnung, solange wir das ‘Richtige’ kaufen. Doch wie sieht es tatsächlich in Biobetrieben aus? Erzählen uns Kennzeichnungen und Siegel die Wahrheit? Glauben wir naiv absurde Märchengeschichten?

Regelmäßige Aufdeckungen zeigen: “Transparenz” sieht anders aus

Der Stempel auf Eiern gilt als Musterbeispiel einer transparenten Initiative, mit der wir unsere Kaufentscheidung bewusst in Richtung “mehr Tierwohl” steuern können. Freiland- oder Biohaltung verspricht uns “gute” Haltung. Nur leider ist dort wo “Bio” draufsteht meistens nicht das drin, was wir von “Bio” erwarten. Biobetriebe sind meist selbst der Inbegriff von Intensivtierhaltung; Ställe mit mehr als 20.000 Hühnern sind keine Seltenheit. “Bio” regelt nicht die Betriebsgrößen, sondern lediglich gröbere Rahmen der Haltungsbedingungen: Das Huhn hat marginal mehr Platz, wird nicht im konventionellen Maßstab mit Antibiotika vollgepumpt und erhält im Optimalfall kein genverändertes Futter. Zudem landet jedes Tier aus einem Biobetrieb letztendlich beim Schlachter – Von der brutalen Tötung abgesehen, werden auch hier oft noch nicht einmal die gesetzlichen Standards eingehalten. Primär geht es um das Gewissen und die Schutz des*der Verbraucher_in vor Antibiotika & Co., nicht um das Wohl des Tieres.

Unabhängig davon, dass der Sinnhaftigkeit von “Biohaltung” an sich hinterfragt werden muss, werden zudem “Produkte” falsch deklariert. “Freiland”-Eier werden von Hühnern gelegt, die daran gehindert werden den Stall zu verlassen und in eigentlicher Bodenhaltung ihr Dasein fristen. Die Eierkennzeichnung zeigt exemplarisch: auf Bemühungen der “Transparenz” ist kein Verlass.

Gegenspieler der profitorientierte Unternehmen sind wir alle 

Alle Legehennen-, Schweinemast-, und Milchviehbetriebe sind profitorientierte Unternehmen, die in Maßstäben der wirtschaftlichen Rentabilität rechnen und das “Tierwohl” zur Imageverbesserung nur vermeintlich vorantreiben. Siegel und Tierwohlinitiativen sind eine raffinierte Möglichkeit, dem*der Verbraucher_in etwas von “Transparenz” vorzugaukeln, ohne zu zeigen, wie es tatsächlich in den Ställen zugeht. Nicht umsonst werden investigative Recherchegruppen kriminalisiert und im selben Atemzug die Missstände hinter den Kulissen bagatellisiert. Während sich das Schlachtrondell dreht, fließt das Geld. Den Betreiber_innen ist es primär egal, wie es den Tieren geht, Hauptsache das Image stimmt und der*die Verbraucher_in flüchtet sich weiterhin in eine Scheinwelt von glücklichen Hühnern und genüsslich grunzenden Schweinen.

Gegenspieler zu wirtschaftlich orientierten Akteuren sind wir, die Verbraucher_innen. Es liegt an uns, den Markt zu steuern und aus der gemütlichen Illusion von genüsslich grunzenden Schweinen und glücklichen Hühnern, auszubrechen. Wir dürfen uns nicht unserer Verantwortung entziehen, indem wir uns hinter “Transparenz”-Initiativen verstecken. Stattdessen müssen wir unser Handeln fundamental hinterfragen: “Möchte ich, dass Tiere zu meinen Gunsten auf ‘bessere’ Art und weise ausgebeutet werden oder meine archaischen Gewohnheiten überwinden?”

Statt “besser” auszubeuten: Derzeitiges Mensch-Tier-Verhältnis hinterfragen!

Wir degradieren empfindsame Subjekte zu Objekten und Produkten, erkennen es als selbstverständlich an, Tiere für unseren Genuss zu töten, beruhigen unser Gewissen mit dem Kauf von Bio-Milch, -Eiern und -Fleisch. Dem Wunsch archaische Gewohnheiten beizubehalten und uns eine idyllische Scheinwelt zu generieren, muss widerstanden werden – was wirklich zählt ist, unsere ethische Verantwortung ernstzunehmen. Unsere Wunschvorstellung Tiere zu essen, die sich glücklich schlachten ließen, bleibt für immer ein naives Märchen. Keine Schlachtung kann ohne Leid oder mit dem Willen des Getöteten ablaufen – denn jedes Tier sträubt sich vor dem Tod. Überdenkt mensch rational und objektiv den Konsum tierischer Produkte, wird klar: Es gibt keine ethische Rechtfertigung empfindsame Lebewesen als Lebensmittel zu missbrauchen. Egal, ob konventionell, scheinbar “Bio”, oder tatsächlich “Bio”: Ausbeutung bleibt Ausbeutung.

 



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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