Die Macht des Fragens und wie sie auch Tieren hilft

Unser alltägliches Leben besteht aus dem Konsumieren von Gütern. Zusätzlich ist es von der Arbeit geprägt, die eben diesen Gütererwerb ermöglicht. In diesem Prozess passiert es nur allzu häufig, dass wir aufhören, diese zwei Tätigkeiten ständig und aktiv zu hinterfragen. Auch in Bezug auf Tiere und ihre Rechte.

Die Metapher des Kaninchens

In dem Roman “Sophies Welt” von Jostein Gaarder (1991) erklärt die Figur des Philosophen Alberto Knox die Metapher des Kaninchens im Bezug auf die Aufgabe der Philosophie. Mensch stelle sich ein unnormal riesiges Kaninchen vor, welches so groß sei, dass auf ihm Menschen leben könnten. Die Mehrheit der dort lebenden Menschen habe sich in die Speckschicht des Kaninchens zurückgezogen. Sie lebe dort schön gemütlich innerhalb der eigenen Komfortzone und nehme das Leben so hin, wie es ist.

Es seien die Philosophen und Kinder, die sich bis in die Spitzen des Felles trauten, um dem Kaninchen in die Augen zu schauen. Dadurch versuchten sie zu verstehen, worin der Ursprung ihres Lebens bestünde. Diese Frage ist bis heute nicht wirklich gelöst, aber sie bringt viele weitere Fragen mit sich, welche die Philosophie zu beantworten versucht. Wenn mensch nämlich den Ursprung des eigenen Lebens sucht, bedeutet das auch, sich mit anderen Lebewesen zu vergleichen und in Relation zu setzen.

Mensch und Tier auf einer Ebene

Dass Charles Darwin 1838 die Evolutionstheorie verfasste, war ein großer Schritt. Die Theorie bezeugte, dass “Gott” nicht die Welt so geschaffen hat, wie sie heute besteht. Darwin wies nämlich nach, dass sich unsere Welt immer weiter entwickelt. Bezüglich des Menschen folgt daraus, dass er sich ebenfalls entwickelt hat. Die Evolutionstheorie von Darwin hat auf der einen Seite Tier und Mensch angenähert. Sie verdeutlichte nämlich, dass der Mensch von Affenähnlichen abstammt und sie somit einen gemeinsamen Nenner besitzen. Erschreckender Weise wurde sie aber auch oft so ausgelegt, dass nicht nur die Überlegenheiten des Menschen gegenüber dem Tier, sondern in Extremfällen (wie zum Beispiel im Nationalsozialismus) auch die Überlegenheit von einer “Menschenrasse” gegenüber einer anderen akzeptiert wurde.

Zum Glück hat die Mehrheit unserer Gesellschaft mittlerweile verstanden, dass es keine “Menschenrassen” gibt. Somit existieren auch keine geistigen oder physischen Unterschiede in dem Sinne. Ich bin der Meinung, diese Erkenntnis auf eine nächste Stufe zu setzen, indem ich sage, dass auch der Mensch als solcher dem Tier nicht überlegen ist. Selbstverständlich gibt es Differenzen, die mensch nicht negieren kann, wie zum Beispiel unterschiedliche Kommunikations- und Verhaltensweisen. Es bedarf aber der genauen Betrachtung. Denn nur weil sie anders sind, sind sie nicht weniger intelligent oder komplex strukturiert wie wir. Es waren die Fragen, die Wissenschaftler_innen dazu gedrängt haben, sich selbst und andere Lebewesen zu erforschen (wenn auch oft auf fraglichen und teils unnötigen Wegen) und somit dem Ursprung unseres Lebens einen Schritt näher zu kommen.

Die Fähigkeit des Fragens

Schlussendlich bedeutet dies nicht, dass alle Menschen auf dieser Erde zu Philosoph_innen oder Wissenschaftler_innen werden müssen. Es bedeutet aber, dass das Fragen eine zentrale Rolle spielt, auch im Alltag. Bezogen auf den Konsum zum Beispiel kritisieren viele Philosoph_innen und Anthropolog_innen die allgemeinen Konsument_innen als „hilflose, passive Pflücker“ (Barry Schwartz), weil sie einfach nehmen, was der Markt anbietet. Ein damit zusammenhängender Prozess ist die vom Soziologen und Philosophen Herbert Marcuse beschriebene Umformung der Bedürfnisse. Er erklärt in seinem Roman „Der eindimensionale Mensch“ (1964), dass Individuen aus falschen Bedürfnissen (jene, die von Werbungen und Trends geformt werden) wahre Bedürfnisse formen würden. Unter wahren Bedürfnissen versteht er die Grundbedürfnisse wie zum Beispiel Nahrung, Kleidung und ein Zuhause. Zusätzlich äußerte die Autorin Juliet Schor in ihrem Buch „The overworked American“ (1957) schon damals die Meinung, Werbung sei die „organisierte Erschaffung von Unzufriedenheit“ – doch muss dies wirklich so sein?

Wenn wir anfangen, die Werbungen mit einem kritischen Auge zu betrachten und versuchen, die Ziele des hinter der Werbung stehenden Unternehmens zu begreifen und wenn wir uns die Frage stellen, ob die Produkte, die wir konsumieren, nachhaltig und ethisch vertretbar sind und ob sie unseren wahren Bedürfnissen entsprechen, stellen wir uns gleichzeitig auf die dünnen Härchen des Kaninchenfells und betrachten das ausgeklügelte System der Unternehmen und Werbungen. Diese Fähigkeit des Fragens und des sich Wunderns ist demnach sehr wichtig, weil sie der Trägheit der Masse entgegensteht und somit die Grundlage für die Beseitigung von Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit und Schaden ist. Für uns, aber auch alle anderen Lebewesen und somit auch die nichtmenschlichen Tiere.

Fragenkatalog

Ich habe daher für euch einen Fragenkatalog zusammengestellt, der euch helfen kann, bewusster und gerechter zu konsumieren. Dies ist nur eine Anregung und kann gerne individuell erweitert werden:



Gaia

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"Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen." (Friedrich Nietzsche)
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