Die Macht und Last der Verantwortung

In seinem Buch Der kleine Prinz schreibt Antoine de Saint-Exupery „Du bist ewig für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich“. Uns geht es nicht anders als dem kleinen Prinzen. Wir Menschen haben uns den Planeten zu einem großen Teil “Untertan” gemacht. Wir “beherrschen” Flüsse, Meere, haben Wüstengebiete zu bewohnbaren Orten gemacht und durch unsere Fähigkeit uns weiterzuentwickeln, neue Ideen und Techniken zu erschaffen, erobern wir immer mehr von Mutter Erde. Und wir “dominieren” die Tier- und Pflanzenwelt (zumindest bilden wir uns das alles ein). Wir haben Tiere in unterschiedliche Kategorien eingeteilt, wir jagen sie, um sie uns als Trophäen an die Wand zu hängen, tragen ihre Haut als Kleidung, essen ihr Fleisch und ihre Eier und trinken ihre Milch. Wir sind die “mächtigsten” Wesen auf diesem Planeten und tragen somit auch eine unfassbar große Verantwortung.

Zivilisation, Nutzen & Gegner

Wenn mensch als einzelne Person anfängt über all die Verantwortung zu philosophieren, dann kann die Belastung schier unerträglich erscheinen. Für einen einzelnen Menschen ist das alles nicht zu stemmen. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns zu Verbünden zusammenschließen. Wir leben in Städten, Dörfern und Kommunen und versuchen so, geordnete Strukturen aufrecht zu erhalten. Das was wir tun, um “zivilisiert” und “geordnet” miteinander leben zu können, übertragen wir auch auf die Tierwelt. Wir sind der festen Überzeugung, dass es uns zusteht, das Fleisch von Tieren zu essen, den Kälbern die Milch wegzunehmen und uns mit Leder- und Pelzjacken zu kleiden. Wir sind schließlich dazu in der Lage, wir haben die “Macht” dazu. Und alles muss so laufen, wie wir es gerne hätten. Möglichst geordnet, in unseren Augen “zivilisiert” und ohne jegliche Störungen. Deswegen pferchen wir Tiere in Massenställe, die es ihnen nicht erlauben, ihren natürlichen Trieben und Instinkten nachzugehen. Wir geben uns nicht damit zufrieden, die Tiere Tiere sein zu lassen, sondern wir bestimmen, dass sie nur eine Existenzberechtigung haben, wenn sie für uns einen “Nutzen” haben. Deswegen lassen wir uns auch von Pferdekutschen durch den Park fahren, sperren Tiere in Zoos, damit wir sie begaffen können und gehen zu Stierkämpfen, um uns anzuschauen, wie der “mächtige” Mensch einen vermeintlich unschlagbaren Gegner besiegt.

Verantwortung, Macht & Ausblenden

Wir tragen eine große Verantwortung. Nicht nur für uns persönlich, sondern auch für unsere Mitmenschen, für unsere Kinder und alle Kreaturen, die mit uns auf diesem Planeten leben. Wir sind die Einzigen, die es können. Wir sind aber auch die Einzigen, die die “Macht” haben, alles zu zerstören. Überschwemmungen, Hitzeperioden und verschmutzte Luft mehren sich stetig. Immer mehr Regenwald wird abgeholzt, weil wir die Fläche brauchen, um Soja für die Ernährung all der “Nutztiere” anzubauen, die wir zu unserem persönlichen Gebrauch in immer riesigeren Mengen züchten. Immer mehr Tierarten müssen unter speziellen Schutz gestellt werden, weil der Mensch sie sukzessive ausrottet. Und wenn uns gar nichts anderes mehr einfällt, dann sperren wir diese Tiere eben in Zoos, hinter Gitter, und begründen es damit, dass wir somit der “Arterhaltung” dienen. Wir drehen unsere Verantwortung oftmals in Macht um und missbrauchen diese schamlos.

Wir denken nicht daran, was es für Tiere bedeutet, für uns eingesperrt zu sein. Wir blenden das Elend im Schlachthof aus, damit wir weiter in Seelenruhe unser Fleisch konsumieren und in alle Herren Länder exportieren können. Hauptsache der Profit stimmt und wir sitzen jeden Tag vor einem reich gedeckten Tisch. Wir denken nicht daran, was es für die Arbeiter_innen in den Kleiderfabriken in Indien oder Bangladesh bedeutet, wenn sie für uns T-Shirts produzieren, die nur 5 Euro kosten. Hauptsache, wir können günstig einkaufen und noch ein paar Cent sparen. Wir denken nicht daran, was es für das Gleichgewicht der Erde bedeutet, was es für den Regenwald und seine Bewohner_innen bedeutet, wenn wir immer mehr Gebiete roden, um noch mehr Platz für Palmöl-Plantagen zu schaffen. Wir blenden unsere Verantwortung aus und das macht es so gefährlich.

Bewusstsein, Respekt & Verpflichtung

Wir sind viele auf diesem Planeten und wir werden immer mehr. Wenn wir nicht langsam anfangen, uns unserer Verantwortung bewusst zu werden, dann laufen wir Gefahr, alles, was diesen Planeten lebenswert macht, zu zerstören. Wenn wir nicht bald beginnen, den Respekt für andere Lebewesen wieder zu einer Priorität zu machen, dann wird es bald viele Tiere nicht mehr geben. Menschen halten sich Haustiere, weil sie vorgeben, Tiere zu mögen. Sie möchten abends gerne eine Katze auf dem Schoß haben, die sie streicheln können oder mit einem Hund spazieren gehen, der ihnen brav das Stöckchen apportiert. Menschen halten sich sogenannte “Nutztiere”, die sie missbrauchen, quälen und töten können – das Wort “Nutztier” allein legitimiert diese Art der Behandlung für viele schon. Menschen machen Unterschiede in lebens- und liebenswert und in „zu gebrauchen”.

Unsere Verantwortung zwingt uns schlauer zu sein, als wir es momentan sind. Unsere Verantwortung muss wieder zu dem werden, was sie eigentlich ist: eine große Ehre und Verpflichtung dem Leben, dem Planten und all seinen Bewohner_innen gegenüber.



Michaela

Michaela

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt! (Mahatma Gandhi)
Michaela

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