Die Milch macht’s? Von verwaisten Kälbchen & Werbelügen

Es ist Samstag Vormittag. Ich sitze mit einer Freundin im Café zum gemütlichen Plausch. Die freundliche Kellnerin kommt an unseren Tisch und fragt uns, was wir trinken möchten. Ich frage, ob ich meinen Kaffee evtl. auch als Cappuccino haben könnte – allerdings mit Sojamilch. Sie antwortet mir, dass ich gerne laktosefreie Milch haben könnte. Ich bedanke mich und bestelle stattdessen einen Tee. Ich möchte keine laktosefreie Milch, ich möchte überhaupt keine Milch, die tierischen Ursprungs ist. Denn Kuhmilch ist nicht für den menschlichen Konsum gedacht, sondern zur Ernährung der Kälber.

Die Werbung macht uns glauben, dass Milch unverzichtbar und gesund sei. Sie zeigt uns Kühe auf grünen, saftigen Weiden, die zufrieden ihre Grashalme kauen und vom Landwirt am Kopf gekrault werden.Die Realität sieht leider anders aus. Kühe werden nicht mehr als Lebewesen sondern als Produktionseinheiten wahrgenommen, die auf Höchstleistungen hochgezüchtet werden. Obwohl es Menschen gibt, die glauben, dass Kühe sowieso gemolken werden müssen, ist es bei ihnen nicht anders als bei uns: um Milch zu geben, muss eine Kuh, genau wie eine Frau, gebären. Der Begriff “Turbokuh” sagt eigentlich schon alles. Sie sind quasi dauerschwanger und geben ein Vielfaches an Milch. Die Kühe sind mit ca. 5-6 Jahren körperlich schon so ausgelaugt, dass es für sie nur noch den Weg zum Schlachter gibt.

Auch ist Milch bei weitem nicht so gesund, wie uns die Milchlobby gerne weismachen würde. Zwar enthält Milch z. B. Calcium, das wichtig für Knochen und Zähne ist, aber sie enthält auch eine hohe Menge an Phosphor, was es für den menschlichen Organismus schwierig macht, das tierische Calcium richtig zu verarbeiten. Der Mythos, dass Milch Osteoporose vorbeugen kann ist auch schon lange widerlegt, denn Studien haben gezeigt, dass in den westlichen Industrienationen, wo der Milchverzehr am
Größten ist, auch die Osteoporoseraten am höchsten sind. Außerdem enthält die Milch sehr viele Hormone, die das Zellwachstum anregen können. Eigentlich logisch: die Milch ist ja auch dazu da, das Kalb zu ernähren und Kälber sind Kuhkinder und müssen wachsen – innerhalb kürzester Zeit. Es gibt mittlerweile sehr gute Literatur, die sich mit den fachlichen Aspekten der Ernährung mit Kuhmilch und den Nachteilen, die sie für den menschlichen Organismus birgt, beschäftigt.

Und was passiert eigentlich mit den Kälbern? Die Wesen, für die die Kuhmilch ja eigentlich da ist? Die Kälber werden den Müttern kurz nach der Geburt weggenommen. Sie sollen ja schließlich nicht das kostbare Weiß trinken, das wir für unseren Konsum brauchen. Mutter und Kind werden getrennt, damit die Kinder nicht säugen können. Allein schon diese Tatsache finde ich herzzerreißend und unwürdig. Da die Kälber in der Milchindustrie quasi als „Abfallprodukt“ gelten, werden sie entweder geschlachtet oder selbst zu Hochleistungskühen, denen das selbe Schicksal wie ihren Müttern blüht, hochgezogen. Abhängig davon, welchen Geschlechts sie sind. Kühe schreien nach ihren Kälbern, sie spüren, dass ihr Kind weg ist, und sie es nicht mehr wiedersehen. Das ist nur eines: schrecklich. Und die Tatsache, dass sie diese Trennung immer wieder vollziehen müssen, weil ihnen jedes neue Kalb auch wieder entrissen wird, macht die ganze Sache noch grausamer.

Menschen trinken Milch. Muttermilch. Noch dazu Muttermilch einer anderen Spezies. Ich glaube, jede_r von uns würde reichlich dumm aus der Wäsche schauen, wenn sie_er in einem Park spazieren ginge und plötzlich auf einer Bank sitzend eine Frau sähe, bei der ein erwachsener Mensch an der Brust hinge. Ich gebe zu, wenn ich mir das vorstelle, dann muss ich mich auch kurz schütteln. Aber für uns ist es selbstverständlich in den Supermarkt zu gehen und einen Liter Milch aus dem Regal zu nehmen. Im Prinzip ist das aber nichts anderes, als würden wir in einen Kuhstall gehen, uns unter die Kuh legen und einen kräftigen Zug aus dem Euter nehmen. Ich gebe zu, es befremdet mich selbst, mit solchen Bildern zu arbeiten, aber wenn wir alle ganz ehrlich sind, dann ist es auch nichts anderes als grotesk, dass wir Säuglingsnahrung für Tierkinder konsumieren. DAS sollte uns eigentlich zum Kopfschütteln bringen.

Der Mensch braucht keine Kuhmilch. Er kann sich seine Nährstoffe ganz wunderbar aus pflanzlichen Alternativen beschaffen. Und weil ich selbst schon seit langer Zeit auf Kuhmilch  verzichte und damit ganz ausgezeichnet lebe, werde ich das nächste Mal, wenn ich ins Café gehe, einfach mein neues T-Shirt anziehen, damit erst gar keine Missverständnisse mehr auftreten. Darauf steht: “Milch? Nö, danke! Ich bin ja kein Kalb.”



Michaela

Michaela

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt! (Mahatma Gandhi)
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