Knapp drei Millionen Tote für den “medizinischen Fortschritt”

Aktuelle Statistiken des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) besagen, dass die Zahl der in Versuchen verwendeten (und zu einem großen Teil getöteten) Tiere drastisch gestiegen ist. 2016 litten folglich 2.854.586 Tiere in deutschen Labors – fast drei Millionen im Namen des vermeintlichen medizinischen “Fortschritts“. Ein Blick in die Statistiken und Kategorien der Tierversuche.

Einteilung der Belastung in Schweregrade

Den Statistiken des BMEL zufolge starben 11% der “Versuchstiere” unter Vollnarkose. “Nur” 5% waren “schweren” Belastungen und 23% waren einer “mittelschweren” Belastung ausgesetzt. Der größte Anteil mit 61% gehört zum “geringen” Schweregrad. Scheinbar klingt die Lage ganz gut, immerhin sind die meisten Tiere nur wenig belastenden Versuchen ausgesetzt. Aber lasst euch nicht von der schönen Statistik trügen.

In Zahlen bedeutet das, dass 853.812 Tiere den Schweregraden 2 und 3 sowie der Kategorie “keine Wiederherstellung der Lebensfunktion” gehören. Die Formulierung es sei nur bei 11% die Wiederherstellung der Lebensfunktion nicht möglich gewesen, ist mehr als irreführend. Immerhin stirbt jedes “Versuchstier” eines Tages im Labor – wenn schon nicht im Versuch, dann wird es irgendwann “abgetötet”, da es keinen weiteren Nutzen für die “Forschung” hat.  Wird ein Tier im Labor geboren oder dorthin verfrachtet, kommt es nie wieder heraus. Sie werden missbraucht, getötet und als wegwerfbares Gut benutzt.

Wie sehen Versuche in den verschiedenen Schweregraden aus?

665.325 fallen in keine dieser Kategorien

Ferner wurde bisher nur die Zahl der im Tierversuch verwendeten lebenden Tiere betrachtet: 2.189.261. Die Gesamtzahl der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere wird erst komplettiert, indem die getöteten Tiere, an denen nicht vorher geforscht wurde, miteinbezogen werden: 665.325. Das bedeutet, dass über eine halbe Million Tiere gar nicht erst in die Kategorien der Schweregrade einbezogen werden, da an ihnen nicht lebend geforscht wurde, sondern sie von Anfang an getötet wurden. Indem diese und weitere Opfer also einfach aus der Statistik gekickt werden, entsteht der Eindruck es würden “nur” 11% für die “Forschung” sterben. Es ist unglaublich wie sehr die Freund_innen des Tierversuchs bemüht sind, die Thematik zu beschönigen. Forscher_innen werden als eigentliche Tierfreund*innen dargestellt und die Versuche als vertretbar. Lieber sollten sie offen zugeben, dass Tierversuche keineswegs zeitgemäß und den Tieren willentlich maßlose Gewalt zugefügt wird. Immerhin gibt es auch seitens größerer Institutionen Bestrebungen, Tierversuche abzuschaffen. Damit das Ziel des Weges nicht fern in der Zukunft liegt, wäre es ratsam, weniger auf Euphemismen zu setzen, sondern tatsächlich tierversuchsfrei zu forschen.

Tierversuche sind doch berechtigt, oder?

Nur allzu oft bekommt mensch zu hören: “Wenn deine Familienangehörigen todkrank wären, dann würdest du doch wohl auch ein paar Ratten im Tierversuch töten lassen, oder?” Eine Antwort auf diese Frage ist überflüssig, wenn der Gedanke konsequent bis zum Ende gedacht wird. Diese utilitaristische Denkweise würde nämlich auch fordern, dass ich meine Familienangehörigen im Versuch töten lassen müsste, um eine Großzahl anderer Menschen retten zu können. Das würde wohl keiner von uns tun wollen – da fällt es natürlich leichter die anonyme Laborratte dem Tod zu weihen. Doch wirklich wichtig ist es, weg von der emotionalen Ebene zu kommen. Um die Situation wahrheitsgetreu betrachten zu können, müssen wir objektiv bleiben. Diesbezüglich ist eine deontologische Sichtweise die pflichtgemäße: Einem Lebewesen, das Schmerz und Leid empfinden kann, darf nichts derartiges willentlich zugefügt werden. Ganz egal, ob Mensch oder “Labortier” – die Leidensfähigkeit ist bei beiden gleichermaßen ausgeprägt. Beide sind schützenswert – das eine für das Wohl des anderen zu töten entbehrt jeglichem Sinn. Vor allem, wenn Alternativen vorhanden sind und erforscht werden!



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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