“Ein Leben für und mit unseren Tieren” – verquere ‘Tierliebe’ im Zirkus

Wir leben schon seit 18 Jahren im 21. Jahrhundert, und es ist immer noch erlaubt, Zirkustiere immerzu herumzukarren und in der Manege zu Kunststückchen zu zwingen – alles für unsere bloße Unterhaltung. Vergegenwärtigen wir uns das erkennen wir: Das ist auf die Spitze getriebene Absurdität. Trotzdem wird vom Tierzirkus immerzu ein sehr idyllisches Bild gezeichnet: Kinder sollen mit Tieren in Kontakt treten können, die Shows werden uns als gehobene Unterhaltung verkauft, der Tierzirkus aufgrund seiner Tradition gerechtfertigt. Wenn mensch die Zurschaustellung von gequälten Kreaturen als „gehobene Unterhaltung“ anerkennt, ist das nichts anderes als Sadismus.

Von der “Liebe” zu den Tieren

So einfach kann mensch es jedoch auch nicht sagen – Die Krux am ganzen ist folgendes: Fans des Tierzirkus und vor allem Tierlehrer_innen erkennen sich selbst nicht als Sadisten. Im Gegenteil: Sie ‘lieben’ ihre Tiere und haben sicherlich auch tatsächlich eine sehr enge Bindung zu ihnen. Doch diese besteht eben nur auf einer Seite. Auch wenn der_die Tierlehrer_in „seinen“_”ihren” Löwen liebt, bestehen Täter-Opfer-Verhältnisse, die von der ‘liebenden’ Seite nicht erkannt werden. Der_die Tierlehrer_in liebt seinen_ihren Löwen, doch der Löwe erkennt in der Tierlehrer_in nur eine Autorität, der er sich aus Zwang unterordnen muss. Das ganze ist paradox: Der Löwe wird gequält und ‘geliebt’ gleichzeitig.

Trotz des Deckmäntelchen der „Liebe“ bröckelt die Fassade des Tierzirkus. Um ihn zu rechtfertigen wird zu den verschiedensten Argumenten gegriffen. Dazu gehört die Freiheit der Berufsausübung. Bei einem Verbot würde der Beruf des Tierlehrers aussterben. Vermeintlich würden Tierlehrer_innen also in ihren Grundrechten beschränkt. Doch jedes Recht, auch jedes Grundrecht, hat seine Grenzen – nämlich genau dann, wenn die Rechte Dritter beschnitten werden. Tiere ihrem natürlichen Lebensraum entziehen, sie dem Stress von Transport auszusetzen, ihren Willen zu Brechen und Verhaltensstörungen zuzulassen – wenn das nicht in die Belange der Tiere eingreift, was dann?

Veterinäramtskontrollen – etwa ein Qualitätssiegel?

Außerdem sollen Zirkusse die am meisten kontrollierten Tierhaltungen sein – hier gilt wohl das Motto Quantität statt Qualität. Denn von Qualität kann hier nicht die Rede sein. Die gesetzlichen Regelungen für die Tierhaltung sind derart locker gesteckt, dass es nicht mehr als ein Witz ist, sich mit den Veterinäramtskontrollen zu brüsten.

Denn keine Kontrolle will oder kann etwas Grundprinzip des Tierzirkus ändern. Die Tiere sind ständig unterwegs, werden gezwungen gesundheitsschädliche Kunststücke vorzuführen – schlicht gesagt: sie werden zu Sklaven der Manege degradiert. Vor allem Wildtiere müssen ihr Dasein in viel zu kleinen Gehegen fristen – natürliche Bedürfnisse stillen ist hierbei Fehlanzeige. Nur ein Beispiel: Ein Tiger lebt in freier Wildbahn in Revieren von rund 50 Quadratkilometer Größe – im Zirkus kann er nichts anderes tun, als im Gehege hin und her zu laufen. Die Entstehung stereotyper Verhaltensmuster ist schlichtweg vorprogrammiert. Dass Dressur, bunte Lichter und Lärm in der Manege entgegen jeglicher Natürlichkeit sind, sollte gar nicht erst erwähnt werden müssen.

Tierausbeutung hat keinen Platz im 21. Jahrhundert!

Wann sind wir als Gesellschaft endlich so weit, die Zurschaustellung von Tieren im Zirkus als Tierquälerei und obsolet zu betrachten? Eigentlich sind wir sogar auf einem guten Weg dorthin. Bereits ein Großteil der Bevölkerung spricht sich für ein Wildtierverbot im Zirkus aus. Die Tierzirkusbranche bleibt nur aufgrund weniger Zirkusfreund_innen erhalten – die Einstellung der restlichen Bevölkerung wird dabei außer Acht gelassen. Über 20 europäische Staaten haben sich bereits für ein Wildtierverbot entschieden: Deutschland hinkt immer noch hinterher und löst das Problem nur kosmetisch mit kommunalen Wildtierverboten. Was wir brauchen ist ein bundesweites Verbot. Ein Umdenken ist vor allem seitens des Zirkus notwendig. Denn wer Tiere liebt, zeigt das nicht mit Peitschenhieben! Es ist Zeit, dass wir im 21. Jahrhundert ankommen – Zirkus JA, aber OHNE Tiere!

Der vorliegende Text war ein Redebeitrag von mir bei der CircusOHNE-Demo am 3.3.2018 in München, bei der wir mit 1.000 Menschen unsere Stimme für die gequälten Tiere im Zirkus erhoben. Schließt euch uns an!



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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