Endstation “Tod” – Schlachthofimpressionen

Ich erinnere mich noch sehr gut an mein erstes Mal. Das vergisst mensch im Leben nicht, es brennt sich ein und wird zu einer dauerhaften Erinnerung und Prägung. Ich erinnere mich noch bis ins kleinste Detail an das, was ich dachte, was ich fühlte und vergesse auch nicht die Tränen, die ich weinte. Das erste Mal vor einem Schlachthof zu stehen, prägt eine_n für immer. Dort zu sein, wo das oftmals elende Leben der sogenannten „Nutztiere“ zu Ende gebracht wird, lässt einen nochmal mehr in der Überzeugung wachsen, dass das, was Menschen anderen Lebewesen antun, moralisch und ethisch falsch ist.

Schockiert & berührt

Mein erster Besuch eines Schlachthofes fand im Rahmen einer Mahnwache statt, die in regelmäßigen Abständen von Tierschützer- und -rechtler_innen organisiert und dann in mehreren Städten und Ländern zur gleichen Zeit stattfindet. Sinn dieser Mahnwachen ist es, zu zeigen, dass die Tiere, die für den Menschen ihr Leben lassen, nicht vergessen sind. Dass es Menschen gibt, die Anteil nehmen an der Angst, der Panik und dem Bewusstsein des drohenden Endes des Lebens dieser Lebewesen. Die Tiere wissen durchaus, was ihnen nach der Fahrt in quälender Enge im Tiertransporter, oftmals über weite Strecken, blüht. Sie können es riechen und werden dementsprechend unruhig und nervös, oftmals wollen sie auch den Transporter nicht verlassen und müssen dann dazu gezwungen werden.Ich werde nie den Blick vergessen, den ein Rind aus den engen Lamellen des Transporters warf, vermutlich in der Hoffnung frische Luft und Tageslicht zu erwischen, gleichzeitig die Augen aber angstgeweitet. Dieser Blick war es, der mich letztendlich in Tränen ausbrechen ließ und in mir das Gefühl der absoluten Verzweiflung hervorrief.

Die Atmosphäre auf dem Schlachthofgelände erinnerte mich sehr an einen Horrorfilm. Menschen, die in teuren und hochwertigen Autos ein- und ausfahren, die Herren im feinen Zwirn, die Damen in schicken Kostümen, ein Abbild des heute alltäglichen Business-Looks und Lifestyles. Daneben: Männer in weißer Arbeitskleidung mit blutbeschmierten Schürzen, die darauf warten, dass der nächste Transporter und neue lebende “Ware” ankommt, die es zu töten gilt. Alltag und Normalität, gemischt mit dem blanken Grauen – das ist es, was uns auch im Kino Gänsehaut verursacht, weil es so bizarr, so erschreckend und markerschütternd ist.

Belächelt & gebilligt

Als Aktivist_in vor so einem Schlachthof hat mensch es nicht leicht. Mensch wird oft von den Fahrer_innen der Tiertransporter belächelt, es wird abgewunken und der ein oder andere abwertende Spruch ist an der Tagesordnung. Daneben gibt es aber auch Mitarbeiter_in des Schlachthofes, die oftmals verstohlen, manchmal aber auch ganz offen auf uns Tierrechtler_innen zugehen und uns ihre Unterstützung und Dankbarkeit ausdrücken. Nicht jeder Mensch, der im Schlachthof arbeitet, ist von Natur aus ein schlechter, vielleicht sogar barbarischer Mensch. Das wäre zu einfach betrachtet. Ich möchte mir nicht anmaßen, zu beurteilen, was einen Menschen dazu bewegt und welche Lebensumstände jemanden vielleicht dazu zwingen, eine solche Arbeit anzunehmen. Aber es gibt definitiv Mitarbeiter_innen, die darunter leiden, was sie tun und oft selbst keinen Ausweg sehen.

Leider gibt es auch die andere Seite: Viele Undercover-Recherchen der unterschiedlichsten Tierrechtsorganisationen weltweit belegen immer wieder Misshandlungen, nicht funktionierende Betäubungen und ausgeprägte Gewaltanwendung gegenüber den Tieren. Die Tatsache, dass viele Tiere ihre Schlachtung bei noch lebendigem Leibe erleben, ist auch für Menschen, die Fleisch essen, eine Vorstellung, die der Großteil von ihnen ablehnt. Die Frage ist nur, wieweit sich solche fehlgeschlagenen Betäubungen vermeiden lassen, wenn der Zeitdruck, die Menge der zu tötenden Tiere, immer größer wird. Schlachthöfe sind heute keine kleinen Betriebe mehr, sondern riesige Gebäudekomplexe, oftmals außerhalb der Stadt. Schlachten muss schnell gehen, damit der Umsatz stimmt. Dass die Tiere darunter leiden, wird oftmals billigend in Kauf genommen. Viele Menschen, die Fleisch essen, möchten nicht, dass die Tiere (bei der Schlachtung) leiden. Gleichzeitig möchten sie aber auch nicht auf ihre oft mehrmals tägliche Portion verzichten – zwei Dinge, die sich schlichtweg nicht miteinander vereinbaren lassen.

Anonymisiert & verdrängt

Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich während meiner Grundschulzeit einmal einen Ausflug mit meiner Klasse in eine Großbäckerei machte. Das war ein Riesenspaß! Wir durften den Mitarbeiter_innen über die Schulter schauen und sogar unsere eigene Brezel formen und backen. Ein toller Tag, der uns allen viel Freude bereitet hat. Ich habe noch nie von einem Klassenausflug in einen Schlachthof gehört. Auch gibt es hierzulande keinen „Tag der offenen Tür“, um interessierten Bürger_innen die Möglichkeit zu geben, sich anzuschauen, wo ihr Schnitzel herkommt oder vielleicht sogar mal selbst an der “Produktion” eines solchen mitzuwirken. Der Unterschied ist klar. Eine Bäckerei kann sich jeder Mensch von innen anschauen, ohne hinterher ein Trauma davonzutragen. Beim Schlachthof sähe das anders aus. Und es stellt sich die Frage, wie viele Menschen hinterher noch Fleisch konsumieren würden, wenn sie dabei wären bei der Schlachtung und Verarbeitung der Tiere.

Ich schwinge äußerst ungern die Moralkeule und möchte es auch bei diesem Beitrag vermeiden. Auch ich wurde nicht als Veganerin geboren, sondern habe eine Entwicklung durchgemacht. Aber ich finde, dass jede_r, die_der Fleisch isst, einmal einen ganzen Tag vor einem Schlachthof stehen und das Treiben dort beobachten müsste. Sich der Ankunft der Tiertransporter zu stellen und den Tieren in die Augen zu schauen. Als mündige Konsument_innen, die wir alle ja gerne sein möchten, sollte Hinschauen eine Verpflichtung sein, die sich jede_r selbst auferlegen sollte, um die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen und im vollen Bewusstsein treffen zu können. Wir dürfen nicht ignorieren, was hinter verschlossenen Türen passiert. Nur weil wir das Grauen nicht sehen, heißt es nicht, dass es nicht da ist. Das anonyme Stück Fleisch, das im Supermarkt verkauft wird, war einmal ein Lebewesen. Und Leben und Tod dieses Tieres dürfen wir nicht verdrängen – Respekt und Achtung müssen wieder Einzug halten ins Bewusstsein eines jeden Menschen. Für ALLE Lebewesen.


Jedes Jahr werden über 60 Milliarden sogenannter „Nutz“tiere getötet, um sie zu verzehren. Hinzu kommen Milliarden Fische und andere Meeresbewohner_innen. Die meisten dieser Tiere finden einen grausamen Tod nach einer kurzen und meist qualvollen Existenz – denn ein Leben ist es nicht. Dabei steht längst fest, dass der Konsum tierischer Produkte Tier, Mensch und Natur schadet. Knapp 100 Tiere rettet jährlich, wer sich für eine vegane Ernährung entscheidet. Jede_r hat die Wahl – jeden Tag am Supermarktregal! Probiert rein pflanzliche (vegane) Lebensmittel – für Tier, Mensch, Natur und euch! Informiert euch & andere!



Michaela

Michaela

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt! (Mahatma Gandhi)
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