EnzyklopäTIER: Tauben – Das stille Leiden der Stadttauben

In jeder größeren Stadt, in der ich war – ganz gleich, ob München, Paris, Rom oder Barcelona – überall ist mir eines sofort aufgefallen: Die unglaublich vielen Tauben, Stadttauben um genau zu sein. Sie tummeln sich gerne an größeren Plätzen in Wassernähe und picken unermüdlich auf dem Boden herum, um Nahrung zu finden. Ich sehe Kinder, die Tauben jagen und Erwachsene, denen es egal ist und welche sie oft angeekelt betrachten. Obwohl die Taube als ein Symbol für Frieden, Liebe und Treue bekannt ist, hat sie gerade in Städten kein leichtes Leben und muss oft um ihr Überleben kämpfen.

Taube gleich Taube?

Denkt mensch an Tauben, so fällt ihm_ihr sofort die Graue Stadttaube ein. Es gibt aber tatsächlich über 300 wilde Taubenarten weltweit! Als kleinste Taubenart gilt das Sperlingstäubchen mit gerade mal 16,5 cm Körperlänge, die Unterarten der Riesentauben bringen über 800 Gramm auf die Waage. In Mitteleuropa sind neben der Stadttaube die Ringeltaube, die Hohltaube, die Türkentaube und die Turteltaube heimisch. Am besten sind die verschiedenen Arten durch die Zeichnung und Gefiederfarben am Hals erkennbar. Das Geschlecht unterscheidet sich bei der Mehrzahl der Rassen nicht durch auffällige Färbungen. Tauben sind überwiegende Pflanzenfresser, darunter Körner, Samen, Früchte und Beeren, manchmal auch Wirbellose Kleintiere. Tauben können mit ihrem Schnabel nichts zerbeißen, deswegen wird die Nahrung komplett aufgenommen und in ihrem Kropf gespeichert und verwertet.

Menschengemachtes Problem

Viele Menschen betrachten Tauben als Ungeziefer und geben die Schuld an verdreckten Hausfassaden ihr. Die Stadttaube ist allerdings kein Wildtier, wie so viele glauben, sondern ein verwildertes Haustier. Vor hunderten Jahren wurde aus der wilden Felsentaube die domestizierte Haustaube gezüchtet. Diese wurde oftmals als Brieftaube eingesetzt. Viele Brieftauben fanden nicht mehr den Weg in ihren Stall zurück und schlossen sich mit anderen Tauben in Menschennähe zusammen. Einige Tauben wurden auch ausgesetzt, nachdem sie nicht mehr brauchbar waren. Die Tauben vermehrten sich und eroberten die Städte als neuen Lebensraum.

Krankheitsherd Taube?

In vielen Köpfen ist noch das Denken vertreten, dass Tauben dreckige, krankmachende Tiere seien. Tauben können wie jedes andere menschliche und nichtmenschliche Tier viele Krankheiten haben, jedoch ist die Gefahr sich an Tauben mit einer Krankheit anzustecken nicht viel größer wie bei jeder anderen Vogelart. Die größte Gefahr geht bei Tauben von ihrem Kot aus. In diesem siedeln sich Bakterien und Pilze an, welche dann bei Kontakt auf den Menschen übertragen werden können. Viele Krankheiten sind für Menschen auch ungefährlich, nur bei einem geschwächten Immunsystem sollte kein dauerhafter, enger Kontakt bestehen.

Gefahren, Taubenabwehr und Schädlingsbekämpfung

Wilde Felsentauben brüten in Felsvorsprüngen und kleinen Einbuchten, im Stadtgebiet suchen sich Tauben Ersatzbrutstellen auf Hausvorsprüngen, Brücken und sogar Balkonen und legen dort ihre Eier ab. Es ist ein trauriges Bild, durch die Stadt zu gehen und all die Orte zu sehen, die mensch nicht für die Tauben zulässt. Es werden auf Flächen lange Nadeln befestigt, damit die Tauben dort nicht mehr landen können.  Viele Tauben können den spitzen Anflugschutz nicht erkennen und verletzen sich beim Landen darauf an ihren empfindlichen Füßchen. Auch werden großflächige Netze um Statuen, Hausfassaden und Decken angebracht, damit die Stadttauben dort nicht mehr ihre Nester bauen können. Diese sind wahre Todesfallen für die verwilderten Tiere: Einmal ein Loch hinein gefunden, kommen sie oft nicht mehr heraus und verenden durch Dehydration oder den Hungertod. Oft wird gezielt Jagd auf die Vögel gemacht, um die Population einzudämmen. Eine große Gefahr für die Stadttauben sind auch die Verschnürungen ihrer Füße, dies passiert durch lange Schnüre oder Haare, die sich um ihre Beine bei der Futtersuche binden. Häufig sterben dabei einzelne oder mehrere Zehen ab und die Tauben können sich nur noch unter großen Schmerzen fortbewegen. Die verwilderten Haustauben sind zu einem Sinnbild für tierverachtendes Verhalten geworden: Viele Menschen steigen über verletze Tauben hinüber, einige treten nach ihnen oder steigen sogar drauf. Ganz anders als anzunehmen, finden die Tauben nicht genügend Nahrung in den Städten, obwohl sie den ganzen Tag danach suchen. Viele Tauben kommen nur knapp auf die Hälfte der eigentlichen circa 350 Gramm Körpergewicht. Sie hungern täglich und verhungern vor den Augen hunderter!

Sinnvolle Hilfe

Die Taubenpopulation und die öffentliche Tierquälerei kann zusammen eingeschränkt werden. In fast jeder Stadt gibt es inzwischen Taubenschläge, Taubenhäuser oder Taubentürme. In diesen bekommen die Tauben Futter, Wasser, einen Schlafplatz und bei Bedarf medizinische Versorgung. Fühlen sich die Vögel wohl, fangen sie an dort zu brüten. Die Mitarbeiter der Taubenschläge können die frischen Eier gegen identisch schwere Gipseier eintauschen und so kann die Zahl der Tauben kontrolliert und ohne Leid verringert werden. Viele Taubenhäuser suchen immer wieder ehrenamtliche Helfer, die regelmäßig die vielen Tauben dort versorgen und anfallende Arbeit verrichten. Die Tauben werden es euch besonders danken!

 

 

 



Pasquale

Pasquale

Solange ein Mensch nicht etwas entdeckt hat, für das er zu sterben bereit wäre, ist er auch nicht bereit zu leben. (Martin Luther King)
Pasquale

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