EnzyklopäTIER: Hausschwein – Schweinerei und Saustall

Vor einiger Zeit fuhr ich auf der Autobahn hinter einem Tiertransporter her. Ein beklemmendes Ohnmachtsgefühl überkommt mich. Ich sehe auf der Ladeklappe einen Hinweis stehen „Achtung, lebende Tiere!“. Direkt darunter ein gezeichnetes, lachendes Schwein. Eine Sprechblase kommt aus dem Mund, darin steht „Hier fährt dein Schnitzel!“. Mir wird schlecht. Noch pietätsloser kann der baldige Tod eines Lebewesens kaum verkündet werden.

Aus Wildschwein wird Hausschwein

Alle heutigen Hausschweinrassen gehen auf die Domestizierung von Wildschweinen zurück. Als der Mensch sesshaft wurde, gewöhnte er Wildtiere an sich und züchtete sie weiter. Als erste „Haus“tiere der Menschen gelten der Hund, Rind, Ziege und das Schwein. Archäolog_innen fanden Spuren, wonach Schweine seit 10.500 Jahren zusammen mit Menschen leben. Heute gibt es über zwanzig verschiedene Hausschweinrassen, welche sich in ihrem Aussehen und ihren Bedürfnissen unterscheiden. Die größten Rassen bringen ein Gewicht von 300 Kilogramm auf die Waage. Zu den kleinen gehören die Minischweine, welche je nach Rasse nur 25 Kilogramm wiegen. Die Tiere sind sehr gesellig, sie leben am liebsten mit anderen Artgenossen zusammen. Dreizehn Stunden des Tages verbringen sie schlafend oder dösend. Die restliche Zeit des Tages suchen sie nach Futter und beschäftigen sich zum Beispiel mit Spielen. Richtig, Spielen. Sie stupsen Bälle umher, nagen an Ästen oder tollen mit anderen Schweinen herum. Bei ihrer Futterauswahl sind die Tiere nicht wählerisch, sie sind Allesfresser und vertilgen Eicheln, Pilze und Heu genauso gern wie Eier oder auch Fleisch. Hausschweine können gute zehn Jahre alt werden, in der Fleischproduktion werden sie nach nur zehn Monaten geschlachtet.

Gar nicht dumm

„Dummes Schwein“ und „Blöde Sau“ sind leider noch gängige Schimpfwörter. Diese tun den Schweinen allerdings vollkommen Unrecht, denn sie sind sehr schlaue Tiere! Wissenschaftler_innen fanden heraus, dass Schweine intelligenter sind als Hunde und in etwa auf der gleichen Stufe wie ein dreijähriges Kind stehen. Schweine können verschiedene Kommandos erlernen und auf ihren Namen hören. Genau wie Menschen und viele andere Tiere verfügen auch Schweine über ein Ich-Bewusstsein und können sich selbst im Spiegel erkennen. Oft wird Schweinen auch nachgesagt, dass sie unreine, dreckige Tiere seien. Dies ist ebenfalls ein Vorurteil, denn haben die Tiere die Möglichkeit trennen sie ihren Toilettenbereich penibel von ihrem Schlafbereich. Das oft beobachtete Schlammbaden dient der Hautpflege. Der Matsch schützt vor Insekten, Sonnenbrand und kühlt ab. Hausschweine besitzen keine Schweißdrüsen und können daher ihre Körpertemperatur nicht durch schwitzen regulieren.

Schwein gehabt?

Hausschweine zählen zu den „Nutz“tieren und werden wegen ihrem Fleisch gehalten und getötet. In Deutschland ist Schweinefleisch die am häufigsten gegessene Fleischart. Die Biohaltung von Schweinen ist sehr selten, sie beträgt nur einen Prozent. Die meisten Schweine müssen ihr Leben in der Intensivhaltung fristen. Sie stehen tagein, tagaus mit vielen anderen Schweinen in einem Stall ohne Zugang ins Freie. In dieser Haltungsform sind Spaltenböden üblich. Durch diese können der Urin und Kot der Schweine in die darunter liegende Grube fallen. Für die Schweine bedeutet dies Folter, denn sie haben sehr empfindliche Nasen. Die Gase aus den Gruben reizen die Schleimhäute enorm. Auch ihre Klauen leiden unter den Spalten, oftmals führt das ständige Stehen auf den Betonböden zu Abszessen und Fehlstellungen der Beine. Dazu kommt der eingeschränkte Platz, der jedem Schwein zur Verfügung steht. In der Biohaltung hat jedes Schwein laut Vorschrift nur lächerliche 1,3 Quadratmeter Platz im Stall und einen Quadratmeter im Außengehege. In der konventionellen Haltungsform steht einem Schwein nur 0,75 Quadratmeter Platz bei einem Gewicht von 50-110 Kilogramm zu! Das dies für ein eigentlich bewegungsfreudiges Tier pure Quälerei ist, muss, glaube ich, nicht weiter erläutert werden.

„Notwendiger“ Schmerz

Aufgrund von Langeweile und Stress in der Massentierhaltung kommt es immer wieder zu Kannibalismus. Schweine beißen ihren Artgenossen die Schwänze ab, häufig entzündet sich die Wunde. Um diesem Nagen entgegenzuwirken, werden den Ferkeln die Schwänze kupiert. Die Schweinchen sind bei dieser Prozedur erst ein paar Tage alt und können – obwohl Landwirt_innen etwas anderes behaupten – Schmerz empfinden! Das Kupieren von Schwänzen wurde früher auch oft bei anderen Tieren wie Hunden gemacht, aber ist bei diesen seit 1998 verboten. Um das Beißen zu unterbinden, werden den Schweinen zusätzlich noch die Zähne abgeschliffen. Auch dies passiert ohne Narkose oder Betäubung. Männlichen Ferkeln ergeht es gleich noch schlimmer. Sie werden in den ersten vier Lebenstagen bei vollem Bewusstsein auch kastriert. Dafür wird ihnen mit einem Skalpell der Hodensack aufgeschnitten, die Hoden werden rausgerissen und die Wunde wird desinfiziert. Es gibt keine Medikamente gegen die Schmerzen. Ab 2019 soll diese Prozedur verboten werden und die Ferkel müssen vorher betäubt werden. Die Stimmen vieler Landwirt_innen sind dagegen, schließlich kostet das Geld und Zeit. Das Tierwohl wird wie so oft hinten angestellt. Um die intelligenten Tiere zu beschäftigen und ihre Lebensqualität zu „steigern“, reicht es in Deutschland aus, etwas Stroh zu streuen und eine Metallkette im Stall zu befestigen.

Endstation Tod

Nach nur circa 305 Tagen endet das Leben eines „Mast“schweins. Dies passiert keineswegs liebevoll, sondern grausam und unfreiwillig. Die Tiere sind mit einem Gewicht von gut 110 Kilogramm „schlachtreif“ und werden in Anhängern zum Schlachthof gefahren. Auf die Lastwägen werden die panischen Schweine oft mit Schlägen und Elektroschocks getrieben. Im Schlachthof werden die Schweine in das Schlachtgebäude getrieben. Dort gibt es zwei Arten sie zu betäuben: Entweder durch das Anlegen einer Elektroklammer mit 360 Volt, durch dies wird im Hirn ein Anfall ausgelöst und das Empfinden ausgeschaltet. Oder durch eine Kohlendioxidvergiftung. Dafür werden die Schweine in eine Grube mit dem Gas geführt und verlieren durch Sauerstoffverlust das Bewusstsein. Die Tiere erleiden durch das bewusst erlebte Erstickungsgefühl starken Stress und Todesangst. Der Kampf dauert lange 15 Sekunden und mehr! Danach werden die Schweine aufgehängt und aufgeschlitzt, um auszubluten. Anschließend werden sie in den Brühkessel mit heißem Wasser geworfen, damit sie ihre Borsten verlieren. Jedes vierte Schwein überlebt das Ausbluten und ist (wieder oder noch) bei Bewusstsein, wenn es zum Brühen kommt. Dies lässt sich an einer Brühwasserlunge feststellen, welche zustande kommt, wenn ein Schwein das siedende Wasser mindestens noch einmal einatmet.

Von Schweinen und Menschen

Hausschweine werden nicht nur für die Ernährung gequält, sondern auch für Forschungszwecke. Jährlich werden tausende Tiere in Tierversuchen gequält, 2015 waren es 13.213 Schweine. Der Organismus von Mensch und Schwein ist sich sehr ähnlich, daher werden sie zum Beispiel für die Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Traumabehandlungen und zur Aufklärung von Mordfällen  genutzt. Auch wenn die Tiere extra für die Versuche gezüchtet werden, rechtfertigt es nicht die Umsetzung der grausamen Tests. Heutzutage gibt es viele Alternativen, für die kein Tier leiden und sterben muss. Dazu zählen Zell-Experimente oder Computersimulationen.

Hilfe für die Schweine

Jede_r kann den Schweinen helfen. Am einfachsten ist es, tierleidfreie Optionen im Supermarkt zu wählen. Kein Schwein stirbt nach einem grausamen Leben freiwillig, um als kurzer Gaumenschmaus zu enden. Auch vermeintliche „Tierwohllabels“ sind reine Gewissensberuhigung, helfen den Schweinen allerdings nicht. Gebt mithilfe von Protesten euren Wunsch nach Forschung ohne Tierversuche kund. Unterstützt Lebenshöfe bei der Unterbringung von vielen Schweinen, die anderenfalls in Mastställen gestorben werden. Klärt eure Freund_innen & Verwandte über das Leid auf, probiert vegane Rezepte aus und macht euch selbst für die Rechte aller Tiere stark!



Pasquale

Pasquale

Solange ein Mensch nicht etwas entdeckt hat, für das er zu sterben bereit wäre, ist er auch nicht bereit zu leben. (Martin Luther King)
Pasquale

Sag was dazu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht