EnzyklopäTIER: Koala – Immer müder Beutelbär

Down Under – wer möchte nicht nach Australien? Weite Landschaft, Wellen laden zum Surfen ein und eine einzigartige Tierwelt…dazu gehören auch die Koalas. Für die meisten Menschen ist der erste Kontakt voller Rätsel, denn in Europa sind keine Beuteltiere heimisch.

Kleine Bären?

Sind Koalas denn Bären? Die Frage stellt sich sehr häufig, ist doch „Koala-Bär“ eine gängige Bezeichnung. Tatsächlich sind Koalas nicht mit Bären verwandt, die ersten Europäer in Australien – dort sind sie heimisch –  gaben ihnen den Namen aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit den Bären, die sie kannten. Koalas gehören, wie Kängurus und Opossums,  zu den Beuteltieren. Koalas haben ein dichtes silber-graues Fell mit weißen Stellen an Bauch und Ohren. Das Fell ist wasserabweisend. Sie können bis zu 14 Kilogramm schwer werden und bis zu 80 Zentimeter groß. Besonders auffällig sind ihre großen Ohren und ihre große dunkle Nase. Koalas können ausgezeichnet hören und riechen. Die Pfoten der Koalas sind am Leben in den Bäumen angepasst, sie haben starke Greifarme und lange Krallen. Der Beutel von Koalas, den nur weibliche Tiere haben, ist im Gegensatz zu dem der Kängurus nach unten geöffnet und nicht nach oben. Koalas können 15 bis 20 Jahre alt werden.

Frischester Atem

Die Leibspeise von Koalas ist Eukalyptus. Und das ausschließlich, sie fressen fast ausschließlich Eukalyptus. Davon eine ganze Menge, ein Kilogramm der Blätterkost vertilgen sie täglich. Und das macht müde! Die Blätter enthalten nur wenig Nährwerte, sind dabei aber sehr schwer zu verdauen. Deswegen verbringen Koalas den Großteil des Tages, gute 20 bis 22 Stunden, schlafend und dösend. Eukalyptuspflanzen haben einen Giftstoff in sich, den Koalas nur bis zu einer bestimmten Menge vertragen. Doch die Beuteltiere haben einen Trick, um die hochkonzentriert giften Blätter der Pflanzen herauszusammeln: Mit ihrer guten Nase können sie die Toxine riechen und verschmähen diese Blätter dann. Beim Verdauen hilft den Koalas ihr Blinddarm – dieser misst 2 Meter! Die dort enthaltenen Bakterien helfen beim Zersetzen der Pflanzenfasern.

Ein Vorteil von Eukalyptus ist der hohe Wasseranteil. Koalas decken ihren Wasserbedarf fast nur über die Nahrung, zusätzlich muss selten getrunken werden. Das gab ihnen auch ihren Namen – Koala heißt übersetzt von einer Sprache der Aborigines „ohne Wasser“.

Bequeme Kinderstube

Koalas gehören wie wir zu den Säugetieren. Allerdings gibt es dort einen großes Unterschied: Wir Menschen, aber z.B. auch Wolf und Löwe gehören zu den Plazentatieren, das bedeutet, dass unsere Jungtiere im Bauch heranreifen und geboren werden, wenn sie fertig entwickelt sind. Bei Koalas kommt nach einer Tragezeit von nur 35 Tagen das Jungtier zur Welt. Dies ist dabei nur ein bis zwei Zentimeter groß, nackt, blind und taub. Es wandert in den Beutel und saugt sich an der Zitze fest. Dort verbleibt es die nächsten Wochen. Nach fast einem halben Jahr öffnet es erst die Augen, danach streckt es immer häufiger den Kopf aus dem Beutel, um die Welt draußen zu entdecken. Trotzdem bleibt die Muttermilch die vorerst einzige Nahrung. Langsam fangen die Koalajungen an einen unverdauten Brei zu fressen, welchen die Muttertiere ausscheiden. Damit nehmen die Babys die Bakterien des Blinddarms auf und können nun nach und nach selbst anfangen Eukalyptusblätter zu fressen. Ist der Nachwuchs zu groß für den Beutel werden sie auf dem Rücken herumgetragen, bis zum Alter von 12 Monaten wird es auch noch gesäugt. Es wird erst vertrieben, wenn die Mutter erneut Nachwuchs hat, dies ist meist im Alter von 18 Monaten bis drei Jahren der Fall.

Zum Anziehen?

Der Pelz von Koalas war eine Zeitlang sehr in Mode. Tausende Koalas wurden geschossen und Anfang 1900 waren sie fast ausgerottet! Jeder wollte einen Mantel aus dem weichen Fell haben und die weltweit wurde viel Geld für die Pelze bezahlt. 1937 wurde der Koala zur geschützten Art erklärt und durfte nicht mehr geschossen werden. Nur in wenigen Regionen, beispielsweise auf der Känguru-Insel, dürfen sie teilweise noch geschossen werden.

Kein Platz

Ursprünglich waren Koalas in fast ganz Australien verbreitet. Heute wird die Population auf unter 100.000 Tiere geschätzt, welche an der Ostküste und im Norden leben. Und der Lebensraum wird immer weiter eingeschränkt: Durch Bebauung der Gebiete durch den Menschen werden die Reviere von Koalas zerstört. Die Abholzung und Brandrodung der Eukalyptusbäume raubt ihnen die Nahrungsgrundlage. Immer öfter werden die Beuteltiere Opfer im Straßenverkehr, da sie diese überqueren müssen. Denn Koalas sind sehr reviertreue Tiere und können nur schlecht umgesiedelt werden. In den heißen Sommermonaten sterben viele bei den Buschbränden, welche durch die Steppen ziehen. Auch Raubtiere wie Dingos, Hunde, Füchse, Adler und Eulen mindern die Population zunehmend. Seit einigen Jahren verbreitet sich auch ein Virus in Australien, welcher das Immunsystem der Beuteltiere so schwächt, dass sie an kleinen Infekten sterben können.

Immer öfter werden Koalas in Zoo und Ausstellungsgehegen gebracht. Dort vermehren sich die Tiere nur schlecht und stehen oft unter enormen Stress (deutlich an Ohrenwackeln, Schluckauf und struppigem Fell zu erkennen), denn Koalas sind Einzeltiere, die sich nur während der Paarungszeit tolerieren. Kein Tiergarten kann die Begebenheiten der freien Natur ersetzen.

Hilfe

Koalas brauchen in Australien geschützte Reservate, in denen sie weiterhin leben können. Es gibt auch viele Non-Profit-Auffangstationen, welche mit einer Geldspende unterstützt werden können. Gute Auffangstationen erkennt ihr daran, dass nicht jeder einen Koala anfassen und mit ihm auf dem Arm Fotos machen darf, sondern die Tiere mit Abstand beobachtet werden dürfen. Boykottiert Tierparks, Zoos und unprofessionelle Auffangstationen. Haltet euch bei eurem Urlaub in Australien an die Umgangsregeln, beobachtet die Tiere aus der Ferne, nehmt euren Müll mit nach Hause und macht niemals Feuer im Freien!

 

 

 



Pasquale

Pasquale

Solange ein Mensch nicht etwas entdeckt hat, für das er zu sterben bereit wäre, ist er auch nicht bereit zu leben. (Martin Luther King)
Pasquale

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