EnzyklopäTIER: Otter – Verspielte Leistungsschwimmer

Der Otter ist populär – wer kann es ihm verdenken? Die süßen Tierchen verzaubern mit ihren großen, dunklen Augen und ihrem verspielten Wesen. Dazu noch das weiche Fell und ihre kleinen Pfoten. Zauberhaft! Doch ein Otter als „Haus“tier? Oder als Pelzjacke? Keine gute Idee! Der Mensch hat den Ottern viel Leid angetan und ihn in Deutschland sogar fast ausgerottet.

Klein, Groß, Riesig

Otter gehören zur Familie der Marder und sind somit auch mit Iltis und Dachs verwandt. Die Unterart des Otters – oder auch Wassermarder genannt – teilt sich nochmal in sieben Gattungen und dreizehn Arten auf. Dabei sind sie rund um den Globus verteilt: der Fischotter lebt beispielsweise bei uns in Europa und auch in Japan, zwei Arten des Fingerotters fühlen sich in Afrika heimisch, der Weichfellotter lebt in Indien und der Neuweltotter nennt Amerika seine Heimat. Bis auf zwei Arten verbringen alle Otterarten ihr Leben im Süßwasser – nur der Seeotter und der Küstenotter sind im Salzwasser zu Hause. Der Pazifische Ozean ist der Lebensraum beider Arten. Nur in Australien, Polynesien und den Polargebieten sind keine Otter heimisch. Alle Arten ernähren sich von Fisch, Muscheln, Fröschen und anderen im und am Wasser lebenden Tieren. Ihr Energiebedarf ist dabei beachtlich: Der Europäische Fischotter frisst täglich einen Kilogramm Fisch und andere Tiere – bei einem Körpergewicht von durchschnittlich zehn Kilogramm ist das eine Menge.

Alle Otter sehen sich vom Körperbau sehr ähnlich: Ein langer stromlinienförmigen Körper, ein starker Schwanz und spitze Zähne. Nur die Körpergröße variiert sehr stark. Der Zwergotter (Südostasien) ist der kleinste Vertreter der Art. Die Kopfrumpflänge beträgt höchstens 61 Zentimeter bei einem Gewicht von ein bis fünf Kilogramm. Der Riesenotter (Amazonas Regenwald) hat eine Gesamtlänge von bis zu zwei Metern und wiegt dabei gut 20 Kilogramm! Der Seeotter ist mit einem Gewicht von 40 Kilogramm die schwerste Otterart, dabei ist er allerdings kleiner als der Riesenotter.

Perfekte Schwimmer

Der Lebensraum aller Otterarten ist das Wasser, hier fühlen sie sich richtig wohl! Dabei können sie acht Minuten die Luft anhalten. Aber auch an Land sind sie nicht hilflos, sie können weite Strecken an Land bis zum nächsten Gewässer zurücklegen. Auch in sehr kaltem Gewässer können sich die Tiere lange aufhalten. Ihnen hilft dabei ihr Fell. Mit 50.000 Haaren pro Quadratzentimeter sind sie sehr dicht beharrt. Zum Vergleich: Menschen kommen auf durchschnittlich 300 Haare pro Quadratzentimeter. Durch das dichte Fell dringt Wasser und Kälte nicht ein.  Das Fell ist auch eine Hilfe für das Schwimmen: Damit die Tiere stundenlang auf dem Rücken treibend im Wasser verbringen können, schließen sie in ihr Fell Luftblasen ein. Diese tragen sie – wie eine Luftmatratze – auf dem Wasser. Um ihre Jungen zu sichern, verwenden Ottermütter Seetang und Seegras und binden ihren Nachwuchs an sich oder an Steine und Äste fest. Und Achtung, jetzt wird es besonders süß: Es wurden schon mehrfach Otterpaare beobachtet, welche auf dem Rücken schlafend im Wasser treiben. Damit sie nicht auseinandertreiben, halten sie dabei Händchen.

Werkzeug und Spielzeug

Wassermarder haben eine faltige Haut. In diesen Hauttaschen haben manche Tiere immer einen Stein dabei. Diesen Stein benutzen sie um Muscheln und Krebse zu knacken. Dass Otter gezielt Werkzeuge benutzen wurde erst vor einigen Jahren entdeckt. Aber nicht nur für die Arbeit wird der Stein gebraucht, auch für das Vergnügen. So wurde schon des Öfteren beobachtet, dass Otter Steine auf ihrem Körper balancieren und damit spielen.

Blutige Mode

Das dichte Fell der Otter war leider auch in der Bekleidungsindustrie bekannt. Otterpelz war zeitweise das beliebteste Tier für Pelzartikel, hunderttausende Tiere mussten innerhalb weniger Jahre dafür ihr Leben lassen. Die Tiere wurden in Fallen gefangen, erschlagen oder erschossen, bevor ihnen das Fell abgezogen wurde. Heute sind die meisten Arten als gefährdet eingestuft. Nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen dürfen einige Otterarten nicht mehr in der Wildnis gefangen werden, jedoch darf mit Nachkommen weiter gehandelt werden. Obwohl Otterpelz heute weniger getragen wird, besteht die Nachfrage noch immer. Vor allem Otterfellmäntel werden leider noch immer hergestellt und verkauft.

Otter zum Kuscheln?

Immer mehr Menschen wünschen sich einen eigenen Otter zuhause. Die Nachfrage nach Ottern als „Haus“tiere steigt. Obwohl die Preise momentan für Otter noch vergleichsweise hoch sind, degradiert das Tier zur Ware und wird oft unüberlegt angeschafft. Das große Revier und die Schwimmlust kann in Gefangenschaft – egal ob im Zoo oder in privater Haltung – nie auch nur annähernd befriedigt werden. Es gibt auch Zoogeschäfte, in denen bewusst diese Exoten angeboten und verkauft werden. Eine Platzkontrolle gibt es hier nicht, wichtig ist nur der Gewinn. Sind die Tiere nach einiger Zeit zu anstrengend, wandern sie ins nächste Tierheim oder die nächste Auffangstation.

Lebenstraum in Deutschland?

Lange Zeit wurde der Europäische Fischotter auch in Deutschland bejagt. Sein Fell wurde zu Mänteln verarbeitet und sein Fleisch verkauft. Heute ist er wieder hier in Flüssen zu finden, trotzdem gilt er nach wie vor als bedrohte Art. Die Population ist auf wenige Gebiete beschränkt. Denn der Fischotter findet immer seltener geeigneten Lebensraum. Die Flüsse wurden in der Vergangenheit häufig begradigt und die Otter können dort keine Stellen für ihre Höhlen finden. Auch die zunehmende Wasserverschmutzung macht ihnen zu schaffen. In den verdreckten Flüssen sterben die Fische und der Otter findet kaum mehr Nahrung. Und leider – obwohl es verboten ist, da der Otter unter Schutz steht – wird er noch immer illegal bejagt. Der Mensch sieht in den Wassermarder einen Nahrungskonkurrenten, wenn er in Fischfarmen sein Essen holt.  Eine Vielzahl an Ottern fallen auch dem Verkehr zum Opfer. Bei ihren Wanderungen legen sie oft mehrere Kilometer zurück, egal ob eine Straße oder Schienen im Weg sind, und werden überfahren. All diese Faktoren machen es den Fischottern nicht leicht sich wieder überall in Deutschland anzusiedeln.

Hilfe für die Otter

Jede_r kann Ottern helfen: Boykottiert Tierparks und Zoos, die Otter und andere Tiere ausstellen und ihrer Freiheit berauben. Kauft niemals Produkte mit Pelz, auch wenn er vermeintlich alt ist. So unterstützt ihr auch die Pelzindustrie und macht Echtfell wieder salonfähig. Unterstützt keine Geschäfte, welche Otter als „Haus“tiere anbieten! Protestiert gegen die „Ware Otter“ und gebt euren Wunsch nach Zoogeschäften ohne Tiere kund. Verzichtet auf Fisch und Fischprodukten, auch aus deutschen Gewässern, und raubt so den Ottern nicht ihre Lebensgrundlage. Achtet auf euren ökologischen Fußabdruck und nehmt euren Müll immer wieder mit nach Hause und entsorgt ihn dort! Klärt eure Freund_innen & Verwandte über das Leid auf und macht euch selbst für die Rechte aller Tiere stark!



Pasquale

Pasquale

Solange ein Mensch nicht etwas entdeckt hat, für das er zu sterben bereit wäre, ist er auch nicht bereit zu leben. (Martin Luther King)
Pasquale

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