EnzyklopäTIER: Steinbock – König_in der Alpen

Kein_e Naturfreund_in vergisst jemals die Begegnung mit diesem wundervollen Tier: dem Steinbock. Denn diesen zu erblicken ist eine Seltenheit, denn Steinböcke bevorzugen unwegsame Gebiete. Zeit wird es, dieses Tier einmal unter die Lupe zu nehmen und etwas über die geschickten Alpinist_innen etwas zu erfahren.

Imposante Hornträger_innen

Die Wiederkäuer_innen gehören zu der Gattung der Ziegen. Weibliche Tiere, welche Steingeiß genannt werden, wiegen nur circa 50 Kilogramm. Damit sind sie sehr viel leichter als die Männchen, die bis zu 120 Kilogramm und damit gut doppelt so viel wiegen. Steinböcke beiden Geschlechts sind gehörnt, auffälliger sind jedoch die des Bocks. Die Hörner können bis zu einem Meter lang werden! Weibliche Tiere tragen die Hörner mit einer Länge von bis zu 35 Zentimetern. Anhand der Hörner lässt sich das Alter des Tieres gut einschätzen. Pro Jahr wächst das Horn um zwei neue Wülste an. Allerdings nur bis zum Alter von 10 Jahren, anschließend wächst es langsamer. Steinböcke können bis zu zwanzig Jahre alt werden!

Herdenleben

Steinböcke sind Herdentiere. Weibchen und Jungtiere schließen sich zu einem Verbund mit bis zu zwanzig Individuen zusammen und verbleiben in diesem ganzjährig. Halbwüchsige Männchen bilden Junggesellenherden. Ältere Böcke leben einzeln in Herdennähe. Während der Paarungszeit schließen sie sich den weiblichen Herden an. Diese Plätze sind allerdings hart umkämpft, daher kommt es zu vielen Auseinandersetzungen während der Wintermonate Dezember und Januar. Um eine Chance zu haben, muss ein Männchen mindestens 6 Jahre alt sein. Nach fünfeinhalb Monaten kommt das Jungtier zur Welt. Obwohl es bereits nach 2 Wochen pflanzliche Nahrung wie Gräser probiert, wird es ein Jahr lang von der Mutter gesäugt.

Harter Lebensraum

Der Lebensraum der Steinböcke sind die Alpen – und das grenzungebunden! Sie sind in den Bergen in Italien, der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Österreich beheimatet. Sie sind ab 1800 Höhenmeter anzutreffen – und immer oberhalb der Baumgrenze. Steinböcke sind hervorragende Kletterer und so sind sie auch noch in einer Höhe von 3500 Metern heimisch! Selbst kleinste Vorsprünge reichen den Ziegen aus, um gemütlich eine Wand entlangzusteigen, welche für unser Auge fast senkrecht aussieht. Das Leben in den Bergspitzen ist hart. Schnelle Wetterwechsel, strenge Winter, viel Schnee und karges Futter. Doch Steinböcke sind Überlebenskünstler_innen. Im Sommer ernähren sie sich von Gräsern, Kräutern, Weichholz und Knospen. Im Winter geben sich die Ziegenartigen neben freigeschartem Gras auch mit Moos, Flechten und Rinde zufrieden.

Knapp gerettet

Heute leben geschätzt 40.000 Steinböcke in den Alpen, somit gilt die Art nicht mehr als gefährdet. Allerdings war dies nicht immer der Fall. Jahrhundertelang wurde der Steinbock massiv gejagt und 1800 gab es nur noch knapp 100 Exemplare. Ein König in Italien machte das Gebiet, in dem die Tiere lebten, zu seinem persönlichen Jagdrevier und ließ Wachen einstellen, welche die Tiere bewachten. Der Bestand wuchs wieder. König Viktor Emanuel II. dachte jedoch nicht daran, die Tiere auch in anderen Teilen der Alpen wieder rückzuführen. Daher wurden Steinböcke in Kisten durch die Alpen geschmuggelt. Das war sehr riskant, denn es standen in Italien hohe Strafen auf den Handel. Leider war dieser allerdings auch profitabel, denn gerade in der Schweiz wurden immense Preise für ein Tier gezahlt. Nach und nach konnte eine Gruppe zusammengestellt und freigelassen werden. Alle heutigen Steinböcke sind Nachfahren dieser letzten 100 Tiere aus Italien.

Mythen, Sagen und Trophäen

Der Steinbock als Sternzeichen ist wohl jedem geläufig. Aber auch um einzelne Körperteile ranken sich Geschichten. So wird dem Bezoar (verhärtete Pflanzenfasern, welche sich im Magen sammeln und zu Kugeln verformen) nachgesagt, dass er unverwundbar macht. So war er in vielen Apotheken zu finden und sogar bei Königshäusern beliebt. Das Herzkreuz (ein verhärteter Herzklappenknorpel) der Steinböcke sollte Krankheiten heilen. Und selbst das Blut wurde getrunken, da es Stärke verleihen sollte. All dies verschlimmerte die Jagd auf Steinböcke zusätzlich. Heutzutage werden sie noch immer bejagt. Nicht mehr aufgrund ihrer erfundenen Heilkräfte, sondern wegen ihres Gehörns. Die Trophäenjagd auf Steinböcke ist beliebt – ein schauriges „Hobby“. In der Schweiz lässt sich eines der faszinierenden Tiere schon für 5400 Schweizer Franken erschießen – alles nur, für ein Foto und den Schädel. Der Preis für das Tier ist sein Leben.

Steinböcke als Ausstellungsstücke

Viele Tierparks und Zoos halten Steinböcke, um mit ihnen Geld zu erwirtschaften. Artgerecht ist dies keinesfalls, denn niemals kann in Gefangenschaft die einzigartige Bergwelt der Alpen nachgestellt werden.

Hilfe für die Steinböcke

Jede_r kann etwas zum Schutz von Steinböcken beitragen: Boykottiert Tierparks und Zoos, die Steinböcke einsperren und ausstellen. So kann die Nachfrage kontinuierlich gesenkt werden.  Nehmt euren Müll immer wieder beim Wandern mit nach Hause und entsorgt ihn dort. Protestiert gegen den Abschuss von Steinböcken und unterstützt keine Trophäenjagd! Klärt eure Freund_innen & Verwandte über das Leid auf und macht euch selbst für die Rechte aller Tiere stark!

 

 



Pasquale

Pasquale

Solange ein Mensch nicht etwas entdeckt hat, für das er zu sterben bereit wäre, ist er auch nicht bereit zu leben. (Martin Luther King)
Pasquale

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