Ernährungsmythen: Detox – Basendiäten, Saftkuren, Leberreinigungen

Wir möchten in diesem Text mit ein paar Mythen aufräumen, die immer wieder als Gesundheitskur angepriesen werden.

Vorab muss gesagt werden, dass die Ernährung ein sehr komplexes Thema ist. Die Wissenschaft hat noch nicht alle Vorgänge verstanden und zudem sind viele Studien kontrovers. Zur jeder Studie gibt es eine Gegenstudie. Jedoch haben diese eventuell z.B. jeweils andere Analysemethoden, weshalb sie sich im Ergebnis unterscheiden. Zudem ist der menschliche Körper ein großer Organismus, auf dem viele Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Lebensstil, etc. einwirken. Sich nur auf die Ernährung zu fokussieren und somit ein Resultat zu bewerten, ist sehr schwer. Folglich gibt es viele Metaanalysen, also Vergleiche von mehreren Studien und eine daraus folgendem Fazit.

Dieser Artikel soll informieren und dafür sorgen, dass wir ein bisschen kritischer mit den Ratschlägen von Kollegen und Youtube-Gurus umgehen sollten.

Mythos: Basendiät und Basenpulver

Beim Abbau von Lebensmittel werden neutrale, basische oder saure Stoffe gebildet. Bei Säuren unterscheidet man freie Protonen, die vom Puffersystem abgefangen werden, und fixe Säuren. Diese fixen Säuren entstehen vor allem beim Abbau von tierischen Produkten durch Bindung mit Schwefel und werden über die Niere ausgeschieden.

Die Idee der basenreichen Ernährung basiert auf der Hypothese der latenten Azidose. Diese besagt, dass einige Säuren nicht abgepuffert werden, im Bindegewebe zurückleiben und dort den pH-Wert verändern. Nach und nach werden diese Protonen letztendlich zur Niere transportiert und ausgeschieden. Je länger jedoch diese Protonen im Bindegewebe verweilen, desto mehr wird es geschädigt.

Andere Quellen besagen, dass eine latente Azidose besteht, wenn die basischen Pufferreserven im Blut schon nahezu aufgebraucht wurden, es aber noch nicht zu einer pH-Wert-Verschiebung des Blutes unter 7,35 gekommen ist.

Im Gegensatz zur metabolischen und respiratorischen Azidose, die beides akute Stadien sind, soll die latente Azidose nach längerer Zeit erst entstehen.

Zur Diagnose wird empfohlen den Urin-pH-Wert zu messen. Dieser liegt immer eher im sauren Bereich, kann jedoch im Laufe des Tages sehr stark schwanken. Zudem sagt der pH-Wert einer Flüssigkeit, die auszuscheidende Substanzen beinhaltet, nichts über den Säure-Basen-Haushalt im inneren des Körpers aus. Selbst wenn man sich stark einseitig ernährt, kann die Niere nicht überbelastet werden.

Die Symptome einer latenten Azidose, so heißt es, seien unspezifisch und können von Müdigkeit, zerbrechliche Nägel, Haarausfall, Übergewicht, verändertes Hautbild bis zur schweren Erkrankungen wie Diabetes, Osteoporose und Alzheimer sein. Es heißt, diese Säure-Base-Störung sei ein Grundstein für viele chronische Erkrankungen.

Diese Hypothese ist nicht wissenschaftlich bestätigt. Jedoch belegen viele Studien, dass eine Ernährung reich an unverarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln (die in der Basendiät als „alkalische Lebensmittel“ eingestuft werden) gesundheitsfördernd sind. Eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse, und gering an Fleisch ist, zeigt positive Korrelationen bei geringerem Krebsrisiko, besseres Immunsystem, und Schutz vor chronischen Krankheiten. Ob es nun an ihren Mikronährstoffen, der alkalischen Eigenschaft, oder sogar an beidem liegt, darüber kann man sich streiten. Mit einer vollwertigen, vorwiegend pflanzlichen Ernährung kann man sich somit das Geld für Basenpulver sparen.

Mythos: Saftkuren

Unser Körper kann all die Giftstoffe aus der Umwelt, Medikamenten, Wasser und unserem Essen gar nicht vollständig entfernen, weshalb wir ein Saftdetox machen müssen, richtig? Wenn wir uns eine Weile lang schlecht ernährt haben und uns unwohl ist, hilft uns eine Saftkur unseren Magen-Darm-Trakt zu „resetten“, nicht wahr? Es ist nichts Neues, dass Menschen versuchen, Giftstoffe aus ihrem Organismus zu entfernen. Was damals mit Blutlassen, Einläufen, übertriebenem Schwitzen versucht wurde, möchte man heutzutage mit Säften erreichen.

Die Idee dahinter ist, 3 bis 10 Tage lang nur Säfte zu sich zu nehmen. Vitamine und Mineralstoffe in ihrer höchstkonzentrierten Form sollen den Körper erfrischen und ihn von allem „Müll“, der sich angesammelt hat, befreien.

Diese Ernährung ist sehr gering an Kalorien, Fettsäuren, Protein, und andere essentielle Nährstoffe. Viele Menschen berichten von einem großen Gewichtsverlust, was auf die geringen Menge an Kalorien zurückzuführen ist. Eine geringere Kalorienzufuhr als Kalorienverbrauch führt zu einem Gewichtsverlust, ungeachtet von der Ernährungsform. Jedoch ist das Meiste davon in den Muskeln gespeichertes Glykogen, das sich in den Muskeln mit Wasser ansammelt. Der Körper benutzt in Zeiten von geringer Nahrungsaufnahme die eigenen Glykogenspeicher der Leber, und im Extremfall die der Muskeln. Sobald feste Nahrung wieder aufgenommen wird, kehrt das davor verlorene Gewicht zurück.

Essen benötigt 24 bis 72 Stunden, um vollkommen verdaut und absorbiert zu werden. Abfall, der während diesem Vorgang produziert bzw. zurückgelassen wird, bewegt sich in einem gesunden Magen-Darm-Trakt. Es bleibt auf seinem Weg von Dünndarm zu Dickdarm zu Enddarm nirgends stecken. Dementsprechend braucht ein gesunder Verdauungstrakt (und so gut wie jeder, der diese Kuren anfängt, besitzt einen gesunden Verdauungstrakt) kein Neustart und keine Reinigung. Was das Thema Bakterien im Darm betrifft: Wir brauchen diese Mikroorgansimen für einen gesunden und funktionstüchtigen Darm. Dementsprechend sollte man sie nicht versuchen zu entfernen. Eine Verbesserung der Darmflora (= bakterielle Besiedlung des Darms) erreicht man einfach durch erhöhten Konsum von ballaststoffreichen Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.

Die genauen Giftstoffe, die bei solchen Detoxen entfernt werden sollen, werden nie genannt. Zudem gibt es keine wissenschaftlichen und klinischen Beweise, dass diese Methoden tatsächlich spezifische Giftstoffe ausgeschieden werden. Natürlich sind wir permanent von potentiellen und tatsächlichen Giftstoffen umgeben, jedoch besitzen wir zwei Organe, Leber und Niere, die ihre Aufgabe des Entgiftens und Ausscheidens angemessen vollziehen.

Entgiftungstherapien sind jedoch kein Humbug. In Krankenhäusern werden Patienten, die sich in lebensbedrohlichen Situationen befinden, von gefährlichen Mengen an Alkohol, Drogen, oder anderen Giftstoffen gereinigt. Jedoch werden dafür Medikamente und keine Smoothies verwendet.

Säfte und Smoothies sind keineswegs schlecht. Sie liefern viele Vitamine, die einigen Menschen in ihrer Ernährung fehlen. Jedoch spielt bei solchen Kuren der Placebo-Effekt eine große Rolle. Viele fühlen sich nach solch einem Detox besser, als davor, und erklären damit ihre Effektivität. Wenn davor sehr viel Junk Food und zu wenig Obst und Gemüse gegessen und zu wenig Vitamine zu sich genommen wurde, wird man sich natürlich nach einer Erährung, die ausschließlichen aus Obst und Gemüsen besteht, besser fühlen. Diesen Effekt kann man jedoch auch einfach ohne Hungergefühl, mit einer Ernährungsumstellung mit mehr Ballaststoffe und Nährstoffe durch vollwertige pflanzliche Lebensmittel, erhalten. Leider möchten Menschen schnelle und unkomplizierte Lösungen, weshalb Saftfasten so berühmt wurden.

Mythos: Leberreinigungen

Wenn unsere Leber für uns entgiftet, dann wäre doch eine Leberreinigung das perfekte Mittel, um diesen Effekt zu verbessern!

Nein. Unsere Leber funktioniert nicht wie ein Schwamm, der Giftstoffe filtert, und eventuell zu vollgesaugt ist, um seine Funktion adäquat auszuführen. Vielmehr sorgt sie für eine Serie von chemischen Reaktionen, die toxische Substanzen in Galle oder Urin abgegeben und somit eliminiert werden, umwandelt. Die Leber ist selbstreinigend – Giftstoffe sammeln sich nicht an, und solange man keine Leberschädigung hat, funktioniert sie ohne Probleme.

Dennoch sieht oder liest man immer wieder, dass Menschen nach einer Fasten- oder Saftkur mithilfe einer Mischung von Zitronensaft und Olivenöl angeblich Gallensteine ausscheiden.

Gallensteine sind Konkremente, die in der Gallenblase oder in den Gallenwegen entstehen. Je nachdem, welche Art von Gallenstein vorhanden sind, bestehen sie aus Cholesterin (Ausgangsstoff für die Galle) und/oder Pigmenten (Bilirubin= Abbauprodukts des Hämoglobins der roten Blutkörperchen). Diese Steine entstehen also, je nachdem, wenn Cholesterin sich nicht mehr in der Gallensäure lösen kann (z.B. bei hohen Cholesterinwerte), bei starker Hämolyse (=Abbau des Hämoglobins) oder eine bakterielle Besiedlung der Gallenblase bzw. Gallenwege.

Nicht jeder hat also Gallensteine und es ist auch gesund keine zu haben. In der heutigen Gesellschaft ist es jedoch relativ “normal” welche zu haben (und symptomlos zu bleiben, sprich kein Völlegefühl, Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch nach v.a. fettreicher Mahlzeit). Ob man nun welche hat kann man mit z.B. einem Ultraschall herausfinden.

So, dann stellt sich die Frage, ob diese Zitronensaft-Olivenöl-Mischung tatsächlich diese Steine rausbefördern kann oder nicht und wenn ja, wie das passiert?

Theorie: Die Überdosis Fett (Olivenöl) führt dazu, dass die in der fettfreien Zeit aufgestaute Gallenflüssigkeit ganz plötzlich und mit hohem Druck ausgestoßen wird. Dadurch sollen Gallensteine ausgeschieden und die Gallenwege durchspült werden können. Am nächsten Tag solle man kleine grüne Steinchen – die angeblichen Gallensteine- im Stuhlgang vorfinden.

Das Ding ist, dass es fraglich ist, wie diese Steine mit einem Durchmesser von teilweise über 2 Zentimetern die Gallenwege – die nur wenige Millimeter breit sind – passieren können und das auch noch ohne jegliche Gallenkolik. Zudem berichtet fast jeder, der diese Leberreinigung macht, von diesem Phänomen, obwohl sie sich davor schon gesund ernährt hatten.

Paar dieser Steine von Probanden wurden zur Analyse gebracht und siehe da: es sind nur Fettsteine. Diese Fettsteine bilden sich durch eine chemische Reaktion erst im Darm aus den Zutaten der Leberreinigung und weisen eine deutlich andere Zusammensetzung auf als echte Gallensteine. Zuerst reagieren Lipasen (fettverdauende Enzyme) mit den Fetten des Olivenöls, was anschließend zu einem Verseifungsprozess mit Hilfe des im Zitronensaft enthaltenen Kaliums führt. Tada: Fettsteine.

Quellen:

https://www.netdoktor.at/gesundheit/gesunde-ernaehrung/latente-azidose-5930?page=2

http://www.gesundheits-lexikon.com/Therapie/Saeure-Basen-Therapie-Latente-metabolische-Azidose-Uebersaeuerung-/

https://medlexi.de/%C3%9Cbers%C3%A4uerung_%28Azidose%29

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30247761

https://www.livescience.com/35561-5-experts-answer-juice-cleanse.html

https://www.livescihttps://www.livescience.com/48887-juice-cleanse-dangers.htmlence.com/48528-colon-cleansing-myths-busted.html



Jenny

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