Fischertag Memmingen – Königliche Schande

Angespannt wartet die Menge auf das Signal. Jeden Moment wird es soweit sein. Drei. Es geht in die Hocke. Zwei. Mit Schwung hoch. Los! Hunderte Männer springen in den Stadtbach. Tausende Menschen sehen dem Spektakel zu. Panisch versuchen die Betroffenen die Flucht zu ergreifen. Wo sie auch hinfliehen, in jede Richtung wird ihnen der Weg versperrt. Schwarze, grüne und gelbe sich bewegende Hindernisse, die das Wasser in Aufruhr bringen. Kein Weg an ihnen vorbei, der nicht in eine Falle führen würde. Einmal in ihren Fängen gelandet, werden sie an die Meute weitergereicht.

Feuchtfröhliche Tradition, …

Jedes Jahr findet in Memmingen der Fischertag statt. Über 1200 Fänger fangen mit Keschern, den sogenannten “Bären”, bewaffnet den Stadtbach leer. Rund 65 % der “Fischer” weisen kaum Erfahrung mit dem Fangen von Fischen auf, sondern haben lediglich in einem Wochenendkurs in die Thematik hineingeschnuppert. Bis vor einigen Jahren nahmen auch Kinder unter 10 Jahren am Fischen teil. Kaum genug Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit unseren Mitlebewesen, was sich in Verstößen gegen das Tierschutzgesetz zeigt. Der Fischertag kommt in der Ortschaft einem Volksfest gleich. Bierausschank darf in einem bayerischen Örtchen zu solch einem Anlass natürlich nicht fehlen. Angetrunken wird dann das Spektakel genossen.

…wenn der Qual die Krone aufgesetzt wird.

Ein “Fischerkönig” wird ernannt – wer auch immer den größten Fang gemacht hat. Quer durch die Stadt wird die “Königsforelle” zum Marktplatz für das Wiegen transportiert – nicht selten lebendig, verletzt oder ohne ausreichend Wasser. Diese wurde, wie ein Großteil der Fische des Stadtbaches, zuvor in das Gewässer eingesetzt, um an dem Tag in die Enge getrieben und aus dem Bach gefischt zu werden. In so manchem Jahr nachgewiesener Weise auch nach letztzugelassenem Besatztermin vor Ausfischen des Baches. Gezüchtet und geboren, um für das halbstündige Vergnügen von Menschen zu sterben.

Männliche Trophäenjagd

Hunderte Männer springen in den Stadtbach. Ja, richtig gelesen. Kein Gender, wie ihr in sonst von uns gewohnt seid – Männer. Nur diese “dürfen” teilnehmen, so besagt es die Tradition. Ungeachtet der Tatsache, dass ein Leben zu wahren von mehr Stärke weist als eines zu nehmen und somit niemand dieser Tradition folgen sollte, scheint auch die moderne Rolle der Frau in unserer Welt an dem kleinen Örtchen vorbeigegangen zu sein. Gleichberechtigung von Mitlebewesen scheint fern und dunkle Zeiten der Vergangenheit in Sachen Frauenrechte lassen grüßen!

Naturschutz als Vorwand

Der Stadtbach muss einer Reinigung vollzogen werden, so heißt es von vielen Seiten, er müsse dafür abgelassen werden. Die Reinigung von Gewässern klingt im ersten Moment nach einer guten Sache. Liest man sich ein wenig in den Gewässerschutz ein, kommen jedoch Fragen auf. Alle drei Jahre solle es zu einer Reinigung von Gewässern wie dem Stadtbach kommen, kann man dort nachlesen. Alle drei Jahre. Zum Schutz der natürlichen Vielfalt und Ökologie des Stadtbaches. Auch das Wasserwirtschaftsamt teilte uns mit, dass diese Begründung für das Ablassen der Memminger Ach aus wasserwirtschaftsrechtlicher Sicht so nicht nachvollziehbar sei. Wie wird also das Ablassen des Stadtbaches für den Fischertag gerechtfertigt? Jahr für Jahr…

LEBEwesen – keine Ziele oder Mahlzeit!

Mit welchem Argument die Tradition auch gerechtfertigt wird, es bleibt eine Tatsache: Fische fühlen Schmerz! Dies belegen mittlerweile auch zahlreiche Studien. Ob für Unterhaltungszwecke oder den kleinen Hunger zwischendurch – beides rechtfertigt nicht die Qual und den Tod von schmerzempfindenen Lebewesen! Es existieren doch so viele Möglichkeiten Spaß und Mahlzeit auf tierleidfreie Weise zu generieren und die Zeit mit Familie und Freunden zu genießen!

 

 



Julia

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Du mußt dein Ändern leben. (Rainer Maria Rilke)
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