Fleisch vs. Tierschutz – Angespannte Diskussionsrunde in Frankfurt

Anfang Februar waren meine Kollegin Melli und ich im Namen von ANIMALS UNITED e.V. in Frankfurt bei der Montagsgesellschaft e.V. zu einer Diskussionsrunde “zum Spannungsfeld zwischen gewinnoptimierter Lebensmittelindustrie, Tier- und Verbraucherschutz” als Gäste geladen. Bereits im Vorfeld lag Anspannung in der Luft, die “Pro-Fleisch-Fraktion” war trotz deutlicher Mehrheit sichtlich nervös und hatte wohl schon im Vorgang der Veranstaltung Druck aufgebaut.

Fakten, Mythen & Rechtfertigungen zum Fleischkonsum

Ich durfte mich ihnen und dem Publikum als erster stellen und einen 10-minütigen Impulsvortrag halten, in welchem ich die Auswirkungen des Fleischkonsums auf nichtmenschliche sowie menschliche Tiere, die Natur und unsere Gesundheit aufzeigte und Gründe und Rechtfertigungsversuche (psychologisch und philosophisch/tierethisch) dar- und widerlegte. Viele der Anwesenden hörten erstmals Zahlen und Fakten, die sie bisher nicht kannten/kennen sollten oder bisher vorsätzlich außen vor gelassen hatten. Im Anschluss folgte eine hitzige Debatte, u.a. mit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion im hessischen Landtag und ehemaligen Hessischen Staatsminister im Bundestag, Michael Boddenberg, einem Landwirt und Blogger, einem Fleischwaren”produzent” und einem Verbraucherschützer, über die (Un-)Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit, Umwelt-, Tier- & Verbraucherschutz angesichts der industrialisierten “Lebensmittelindustrie” sowie über die ethische Verantwortung.

Zahlen, Floskeln, Angriffe & Verantwortungsflucht

Schnell kristallisierten sich die Fronten heraus. Wie zu erwarten, wurde sich in wirtschaftliche Zahlen und Floskeln geflüchtet, um sich den Themen Moral und Ethik nicht stellen zu müssen. Auch wenn die individuellen Redezeiten limitiert waren, brachten Melli und ich unseren Standpunkt klar zum Ausdruck und ernteten wir dafür mehrfach Applaus. Die Diskussions-Opponenten wichen mit klassischen Angriffstaktiken aus und versuchten, Inkonsequenz in unseren Aussagen und unserem Verhalten zu finden – ohne Erfolg. Unterstellungen, dass wir uns in unserer Arbeit außerhalb des “Rechtsstaates” bewegen würden, widerlegten wir. Der Versuch, uns von nun an immer wieder in die “radikale” Ecke stellen und somit diskreditieren zu wollen, scheiterte, in dem ich klar darlegte, woher das Wort radikal stammt und aufzeigte, dass in finalen moralischen Fragen nur Gründlichkeit und Vollständigkeit fruchtbare Vorgehensweisen sind. Melli rückte das Tier in den Fokus und forderte eine Reflexion derer, die nicht davon abließen, von “Produkeinheiten”, “Profit” und “artgerecht” zu reden.

Dem versöhnlichen Abschluss, sich in der Mitte zu treffen und das “Tierwohl” auszubauen, aber dennoch die Gewinne zu steigern, traten wir konsequent entgegen und verwiesen auf die Logik. Denn um jedes Jahr den Gewinn zu steigern, muss es Einsparungen geben und diese sind am einfachsten und mit geringstem Widerstand bei den Tieren direkt zu generieren. Unserer Forderung, sich den aktuellen wirtschaftlichen Tendenzen ehrlich und unvoreingenommen zu stellen und in die fleischfreie Zukunft zu investieren, wie es mittlerweile die großen Denker_innen und Macher_innen unserer heutigen Zeit tun, stand die traditionelle Sichtweise der anderen entgegen. Die Wirtschaftsseite zeigte sich festgefahren und uneinsichtig, die Politik signalisierte vorerst Interesse, verwies aber darauf, dass alles an den Verbraucher_innen liege – eine einfache Perspektive, um sich und die Wirtschaft von den negativen Konsequenzen ihrer weiter betriebenen “Fleischwirtschaft” zu distanzieren.

Die Lösung liegt nicht in einer “besseren” Ausbeutung

Die Diskussion wurde vom Publikum aufmerksam verfolgt, welches anschließend selbst Fragen an die Diskussionsteilnehmer_innen stellte, auch wenn viele der Beiträge eher aufgeregte Aussagen als Fragen waren. Dennoch: Viele Fragen wurden an diesem Abend aufgeworfen und die_der ein oder andere Teilnehmer_in zur Reflexion des eigenen Konsumverhaltens angeregt. Die Reise nach Frankfurt und dass wir uns in die Höhle der Löwen begeben haben, hat sich daher gelohnt. Es lohnt immer. Denn der Konsum von Fleisch und tierlichen Lebensmitteln ist ethisch nicht zu verantworten. Er spielt immer gegen das Tierwohl und heizt unsere globalen Probleme (wie den Welthunger, Zivilisationskrankheiten und den Klimawandel) an. Die Lösung liegt nicht in einer “besseren” Ausbeutung anderer Lebewesen, sondern in der Abschaffung dieser und einer konstanten Evolution, auch unserer Denk- und Verhaltensweisen sowie unserer Moral. Auch hier braucht es fortwährende Adaption und Neuauslotung. Wir dürfen nicht müde werden, diese gegen alle Widerstände zu fordern und fördern!

Die Montagsgesellschaft selbst spricht von drei Erkenntnissen, die aus der Veranstaltung gezogen wurden. Diese findet ihr hier. Weitere Fotos und Eindrücke des Abends gibt es hier. Unser Blick ist nach wie vor ungetrübt: Der Konsum von Fleisch und tierlichen Lebensmitteln ist ethisch nicht zu verantworten. Stetig wachsende “Gewinnoptimierung” lässt sich nur generieren, wenn anderswo gespart wird, in diesem Fall beim “Tierschutz”. Informiert euch & andere: www.animalsunited.de/ernaehrung

Radio-Interview & Danksagung

Eine gute Zusammenfassung der Diskussionsrunde findet ihr in diesem Radiobeitrag. Wir danken der Montagsgesellschaft e.V. herzlich für die Einladung sowie die Gastfreundschaft und freuen uns auf weitere Diskussionsrunden in der Zukunft! Außerdem gilt der Dank meiner Kollegin Melanie für die gegenseitige Ergänzung, unserer BUFDI Laura, die mit uns vor Ort war und bei der Vorbereitung so toll geholfen hat, meiner Freundin Make für all den Support sowie Selin von Radio Darmstadt für Input und Interviews.



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