Für mich ist jeden Tag Sonnenfinsternis

Hallo! Heute vor exakt fünf Monaten hat dich die Sonnenfinsternis beschäftigt, du bist rausgegangen in die Natur, an die frische Frühlingsluft und hast dir das vermeintliche Spektakel angesehen. Ich kenne die Sonne nicht und frische Luft habe ich noch nie schnüffeln dürfen. Ich bin Lora. Ich bin die Realität, ich bin das Lebewesen hinter deinem Schnitzel!

Mein Alltag: Dahinvegetieren in Schmutz, Enge und Dunkelheit, ständig geplagt von Krankheitserregern. Gemeinsam mit tausenden anderen in einem Stall in völliger Dunkelheit, die nur zu bestimmten Zeiten von Dämmerbeleuchtung unterbrochen wird. Für uns ist jeden Tag Sonnenfinsternis.

Mit vielen weiteren liege ich in einer schmutzigen Betonbucht in unserem eigenen Kot und Urin, der wie meine kleinen Klauen ab und an durch die Spalten im Boden rutscht. Wirklich bewegen können wir uns nicht, aber das ist gewollt. Schließlich sollen wir in nur wenigen Monaten unser Mastgewicht von über 100 kg erreichen und zu viel Sport wäre da nicht so gut. Ich fühle mich heute nicht gut, die vielen Medikamente schlagen ordentlich auf das Gemüt und mein Schwanzstummelchen schmerzt und blutet, da die anderen Schweine aus Aggression und Nervosität ständig daran beißen. Meinen schönen Ringelschwanz haben sie mir daher präventiv vor Monaten, als ich gerade paar Tage alt war, ohne Betäubung abgeschnitten. Das war ein schlimmer Moment für uns alle, begleitet vom Abschleifen unserer Zähne. Nur noch meine Brüder traf es schlimmer: Sie wurden ihrer Männlichkeit beraubt, ganz ohne Betäubung. Ich werde ihre spitzen Schreie nie vergessen.

Aber trotz Antibiotika und Hormonen halte ich mich tapfer auf den Beinen, soweit möglich. Meine Gelenke sind durch die Spaltböden ganz verkrüppelt. Und auch die zusätzlich für mehr Kotletts dazugezüchteten Rippen erschweren meinen Alltag. Meine Speckschwarte musste in der Zucht dafür weichen, denn heute ist nur mageres Fleisch gewünscht. Fintness und Gesundheit sind in. Bei uns leider nicht. Das Verhältnis Organe zu Körper stimmt bei mir dadurch nicht mehr. Die Medikamente sollen mich beruhigen. Sie werden das einzige sein, was wir beide gemeinsam haben, denn du wirst sie später zusammen mit den Hormone über mein Fleisch aufnehmen, was dazu führen kann, das du Resistenzen entwickelst und Medikamente dann nicht mehr bei dir wirken, wenn du mal wirklich krank bist. Ich bin dauerkrank, daher kann ich mich da aber leider schlecht einfühlen, entschuldige.

Ich würde dir gerne noch viel mehr von mir und meiner Existenz – denn ein Leben ist es nicht – erzählen, aber deine Sonnenfinsternis ist längst vorbei und der Mann, der immer in unseren Stall kommt, ist früher gekommen und ist gestresst. Wahrscheinlich kommt der nächste Laster, der immer wieder welche von uns holt. Wohin die Reise geht, weiß ich nicht, es ist nie wieder jemand zurückgekommen. Ich hoffe, ich darf die Sonne sehen und die Frühlingsluft auf meiner Haut spüren.

Mach’s gut!
Deine Lora


Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 60 Millionen Schweine gemästet und geschlachtet. Ein Drittel von ihnen landet in der Mülltonne und nicht im Magen der Verbraucher_innen. Das sind pro Jahr 20 Millionen Schweine, die für den Müll geschlachtet werden. Stellt euch gegen diesen Massenmord, wählt pflanzliche Optionen! Tiere sind keine Ware und keine Produkte, sondern Lebewesen, die leben wollen! Ihr habt die Wahl – jeden Tag am Supermarktregal! Informiert euch und andere!



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