Gänsebraten – mein Herz bricht …

Was macht mensch, wenn es einem bei “normalen” Mittagsgesprächen das Herz zerreißt? Die ganze Runde amüsiert sich genüsslich darüber, wie schwer sich eine Person beim Zerlegen eines Stücks Gans tut. Das Messer wird mühsam an vielen Stellen des Gänsebratens angesetzt, doch ohne Erfolg. Aufgrund der vielen Knochen. Zur Belustigung aller. Außer mir. Damit nicht genug, fällt im Scherz dann noch der Kommentar: “Ich kann richtig den Vogel da sitzen sehen vor lauter Knochen”. Mein Tag ist gelaufen.

Kein Herz für Tiere

Ich habe solche Mittagessen satt. Alle sind wir für den Schutz von Menschenrechten und der Umwelt, aber wo bleiben die Tiere? Nirgendwo. Denn unsere Gesellschaft zeigt allzu oft kein Herz für Tiere. Sie dienen unserem Genuss und offensichtlich unserer Belustigung. Ich selbst kann den Vogel auch da sitzen sehen, aber ich finde das alles andere als lustig. Einen größeren Stich ins Herz hätte mensch mir in dieser Situation nicht versetzen können. Ich muss nämlich meine ganze Energie aufwenden, um in solchen Momenten den Vogel nicht zu sehen, damit ich

  1. mein eigenes Essen noch herunterbekomme, ohne dass es wieder hochkommt
  2. Fleischesser_innen nicht reduziere auf ihren sorglosen Umgang mit Tieren und
  3. nicht in Tränen ausbreche.

Verdrängung ist (k)eine Lösung

Punkt 1 hat sich diesmal größtenteils zum Glück bereits selber erledigt, da mein Essen nicht von Knochen durchzogen ist und ich quasi schon damit fertig war, bevor die arme Gans zum Hauptgesprächsthema wurde.

Punkt 2 wäre wohl nicht förderlich, wenn mensch weiterhin ernst genommen werden will. Ja Irren ist menschlich, aber warum um alles in der Welt gibt mensch solche unsensiblen Kommentare von sich, obwohl ja bekannt ist, dass ich bewusst keine Tiere esse. Wahrscheinlich wird darüber nicht nachgedacht. Ich, als Veganerin, hab ja offensichtlich ein Rad ab(!), denn ich weiche von der Norm ab(!) und das wie und weshalb ist dabei totaaal uninteressant. Da kann ja nur irgendein Quatsch dahinter stecken!

Punkt 3 würde womöglich helfen, aber ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer aushalten würde, mir regelmäßig in der Kantine vor allen Menschen die Augen auszuheulen. Denn wir reden hier nur von einem vieler Mittagessen, die nach diesem Prinzip ablaufen.

Also was tue ich? Dasselbe wie die, die die Gans verspeisen, wenn sie den Vogel auf dem Teller sitzen sehen, aber ihn trotzdem “genuss- und freudvoll” verschlingen: ich verdränge. Ich verdränge, um irgendwie durch den Alltag zu kommen und mich aufrecht stehend für die Tiere einsetzen zu können anstatt unter der Last der an ihnen verübten Verbrechen zusammenzubrechen. Anstatt mich zu erbrechen. Anstatt in Tränen auszubrechen. Anstatt mit der Gesellschaft zu brechen. Aber mein Herz ist bereits und bleibt gebrochen.

Rettet die Gans!

Steht auf und macht den Unterschied! Auch diese Weihnachten! Gänse sind Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen wie wir, keine Lebensmittel. Ihr habt die Wahl – jeden Tag am Supermarktregal! Rettet die Gans!



Lena

Lena

„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!“ (Philip Rosenthal)

wiemandieweltauchsehenkann.wordpress.com
Lena

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