Geht es Labormäusen gut? – Wo Wissenschaft versagt!

Wenn es darum geht, ob es einem Tier gut oder schlecht geht, möchte sich Verhaltensbiologin Prof. Dr. Richter nicht nur auf ihr Gefühl verlassen, sondern es auch wissenschaftlich belegen können, wie sie vor einiger Zeit in einem Interview mit der Sueddeutschen (Titel: “Ich bin sehr tierversuchskritisch, aber…”) verlauten ließ, in welchem sie erklärt, wie mensch herausfindet, ob Labormäuse optimistisch sind. Die genannte Belegbarkeit klingt zunächst einmal nach einem guten Ansatz, um auch Skeptiker_innen effektiv über Tierleid aufzuklären. Doch wo liegt eigentlich die Grenze zwischen gut und schlecht?

Das geringste Übel darf nicht reichen

Die Professorin für Tierschutz identifiziert die Boden”haltung” von Hühnern als schlecht aufgrund unwürdiger “Haltung”sbedingungen. Sicherlich ist dies richtig, doch suggeriert die Aussage, “Freilandhaltung” hingegen wäre gut. Jedoch sind auch bei dieser Form zahlreiche Missstände bekannt. Denn Auslauf ist nicht das einzige, was ein würdiges Leben ausmacht. Das geringste Übel darf nicht einfach so mit dem Label “gut” versehen werden.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel

Um “Haltung”sbedingungen von “Labortieren” zu verbessern, werden laut der Wissenschaftlerin Richter Tests an Tieren durchgeführt. Beispielsweise wird untersucht, wie optimistisch oder pessimistisch sie sind, mit Hilfe von Futterbelohnungen und sogenannten “milden Bestrafungen”. Am Ende wird geschlussfolgert, dass die “Haltung”sbedinungen verbessert werden sollten, wenn die Tiere überwiegend pessimistisch reagieren. Auch hier findet ein zweifelhafter Versuch statt, um zu definieren, was schlecht für Tiere ist, ohne abzugrenzen, ab wann es ihnen denn wirklich gut ginge. Schlimmer noch, Tiere werden Experimenten mit Bestrafungselementen ausgesetzt, damit ihr Befinden überhaupt erst festgestellt werden kann. Das zeigt, dass der Fokus eben nicht auf dem Wohl der Tiere liegt, sondern darauf, wie mensch Tierversuche rechtfertigen kann. Doch der Zweck heiligt nicht die Mittel.

Mitgefühl über Wissenschaft

Es ist schon eine Perversion, Tieren die Fähigkeit zu Optimismus und Pessimismus zuzuschreiben und gleichzeitig an ihnen Experimente durchzuführen. Die Annahme, mensch könnte so einfach bestimmte Reaktionen der Tiere mit Optimismus oder Pessimismus erklären, erscheint außerdem sehr waghalsig, wenn mensch bedenkt, dass nicht einmal das eigene Verhalten so einfach einzuordnen ist, obwohl darüber wesentlich mehr Informationen durch Einsatz unserer Sprache vermittelbar sind.

Geht es denn einem Menschen gut, der keinen erkennbaren Pessimismus zeigt? Ist die bloße Abwesenheit einer schlechten Empfindung oder Rahmenbedingung schon Garant für ein gutes Leben? Ich persönliche erkenne hier nicht, dass die Wissenschaft uns viel eindeutigere Antworten liefert als unser (Mit-)Gefühl. Nein, viel mehr würde es helfen, sich bei jeglichem Umgang mit Tieren die Frage zu stellen: Würde ich auch so mit meinem geliebten “Haustier” verfahren? Aber noch viel ehrlicher gibt mensch Auskunft darüber, was vertretbar ist, wenn mensch sich fragt: Wie würde es mir dabei gehen, so etwas selbst zu erleben?



Lena

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„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!“ (Philip Rosenthal)

wiemandieweltauchsehenkann.wordpress.com
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