Hohe Kindersterblichkeit in Zoos – Was hätte ihr Leben noch geboten?

Am 2. Januar starb das weniger als einen Monat alte Eisbärenjunge im Berliner Zoo. Die Zooleitung gibt sich bestürzt, möglicherweise sei es zu klein geboren worden und wäre nun aufgrund von Dehydration gestorben. Es habe nämlich über zwölf Stunden nicht getrunken – als Ursache dafür sei eine Infektion nicht auszuschließen. Gerade nachdem die Silvesternacht überstanden war, hatten die Pfleger_innen Hoffnung, doch nun ist der kleine Eisbär, nach Knut und Fritz, das nächste prominente Bärenkind, welches nicht überlebte. Wer oder was ist verantwortlich für diese Reihe von toten Tierkindern?

Wäre es dem Bärenkind in freier Wildbahn besser ergangen?

Derb ausgedrückt: Die Verluste von Eisbärenkindern werden schon fast zum Markenzeichen des Berliner Zoos. Doch damit hat dieser Tierpark kein Alleinstellungsmerkmal erlangt. Beispielsweise wurden auch in Gelsenkirchen Anfang Dezember drei Eisbärenbabys geboren, von denen zwei bereits nach wenigen Tagen verstarben. Die Kindersterblichkeit von Eisbären ist in Zoos schlichtweg sehr hoch – dieses Faktum liegt hingegen nicht zwingend in der Verantwortung der zoologischen Einrichtungen, ist aber auch keineswegs auszuschließen! Auch in freier Wildbahn ist die Sterblichkeit von Jungtieren sehr hoch – dennoch gibt es Todesursachen, die nur in Gefangenschaft auftreten, wie zum Beispiel das “Zebravirus”. Im Zoo leben Tiere auf engen Raum zusammen, die sich in der Natur niemals begegnen würden, was die Verbreitung von Krankheiten fördert. Wild lebende Tiere regulieren zudem ihre Paarungsversuche, gemessen an den äußeren Umständen – sind diese schädlich, werden weniger Kinder geboren. In Gefangenschaft sind daher meist künstliche Befruchtungen vonnöten – oft sterben die Tierkinder. Bloße Korrelation oder doch eher Kausalität? Der wesentliche Aspekt der Problematik fordert jedoch eine andere Frage.

Wie hätte das weitere Leben des Eisbären ausgesehen?

Die momentane Situation im Münchner Tierpark Hellabrunn schildert die Lage recht deutlich: Das noch recht junge Eisbärenkind Quintana tollt lebensfroh im augenscheinlich “großen” Freigehege des Zoos herum. Direkt daneben hingegen sieht mensch, dass diese Heiterkeit nicht ewig währt. Die Eisbärenmutter Giovanna bewegt sich kaum, starrt apathisch in die Leere, interagiert keineswegs mit ihrem Kind und schwankt mit ihrem Oberkörper ewig hin und her. Vater Yoghi starb im Alter von 17 Jahren – die übliche Lebenserwartung von Eisbären in freier Wildbahn beträgt hingegen zwischen 20 und 30 Jahre. Jeder im Zoo geborene Bär wird von diesem Schicksal erwartet. Erst hier wird mit hoher Signifikanz deutlich, wie sich das Leben in Gefangenschaft von dem in freier Wildbahn unterscheidet: In freier Natur leben Eisbären in Streifgebieten von bis zu 300.000 Quadratkilometern. Folglich legen sie täglich Strecken in vergleichbaren Dimensionen zurück. Eine mit einem Sender versehene Eisbärin zeigte 2008, dass sie zu weit mehr fähig sind: Sie schwamm am Stück in neun Tagen knapp 700 Kilometer – danach lief sie weitere 1800 Kilometer! Im Zoo hingegen müssen die bewegungsfreudigen Tiere ihr Dasein mit mehreren Artgenossen in meist rund 0,002 Quadratkilometer großen Gehegen fristen – Wie kann das “artgerecht” sein?

Was kann getan werden, um weiteren toten Tierbabys entgegenzuwirken?

Ganz einfach: die sinnlosen Nachzuchtprogramme einstellen! Gelder und Bemühungen sollten in nachhaltigen Artenschutz vor Ort im Lebensraum der Tiere investiert werden! Selbstverständlich kann die Wildtierhaltung in Zoos nicht von heute auf morgen abgeschafft werden, doch langfristig angelegte Projekte könnten eine Zukunft ohne Gefangenschaft gewährleisten! Dennoch strebt mensch immer noch danach, Zoos zu erhalten und zu “verbessern” – alles aus Gier nach Profitmaximierung und Schaulust! Tiere sind keine Objekte, die unserer Unterhaltung dienen! Denn Zoos sind Tiergefängnisse, in denen Tiere ihr Leben lang eingesperrt werden. Echter Tier- und Artenschutz schützt Tiere um ihrer selbst willen in ihrem natürlichen Lebensraum, nicht zu Unterhaltungszwecken des Menschen.



Laura

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"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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