Hühner(eier) – In der Regel legen Hühner Eier

Ein Hühnerleben in der Massentierhaltung wollte ich schon lange nicht mehr unterstützen. Darum baute ich vor wenigen Jahren einen schönen Hühnerstall mit großem Auslauf in den Garten und schon bald erkundeten ein paar aufgeweckte Neuankömmlinge ihr zukünftiges Heim. Sogenannte Zwiehuhnrassen – „gute Eier-Ausbeute, später als Suppenhuhn geeignet“. Doch damals wusste ich noch nicht, welch empathische und neugierige Tiere Hühner sind und wie sehr mir meine gefiederten Freunde ans Herz wachsen würden.

Wolke, Frieda, Häubchen, Lotte…

Die Bindung ist viel zu groß, um auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, eine von ihnen grundlos zu töten, nur um die „eigenen Bedürfnisse“ zu befriedigen oder weil sie keine Eier mehr legen. Meine Hühner erkennen mich schon von Weitem, kommen angerannt, wenn sie mich sehen, legen den Kopf schräg, um mich zu beobachten und werden gern von mir hoch genommen. Ich spüre, dass sich die Hühner wohl fühlen und dass sie mir auch nach mehreren Wochen Trennung noch vertrauen. Für mich gibt es nichts Schöneres, als meinen gackernden Freunden beim Kuscheln in der Sonne zuzusehen, genau wie beim täglichen Sandbad und Scharren im Gras. Jedes Huhn hat einen eigenen persönlichen Charakter und es gibt enge und weniger enge Freundschaften untereinander.

Ein Hühner-“Leben“ heutzutage in der Lebensmittelindustrie

Weit über die Hälfte der Hühner, die nur für unseren Verzehr in Form von Fleisch oder Eiern existieren, fristen ihr „Leben“ in der sogenannten Bodenhaltung. 9 Hühner müssen sich einen Quadratmeter Platz teilen, bei Haltungseinrichtungen auf mehreren Ebenen (was meist der Fall ist) sogar 18 Tiere. Das sind 0,11 m² und weniger pro Huhn. Dabei sind Hühner ausgesprochen aktive Tiere, die auf so engem Raum nicht annähernd ihren natürlichen Verhaltensweisen nachkommen können. Allein die verwehrte Möglichkeit auf ein tägliches Sonnenbad bedeutet für ein Huhn das selbe, als würde uns Menschen das regelmäßige Duschen vorenthalten werden. Auch die Vorstellung allgemein niemals das Tageslicht sehen zu dürfen, ist grauenvoll. In der Natur leben Hühner in Gruppen von 5-20 Hennen und einem Hahn. In der Bodenhaltung sind es bis zu 6.000 Hennen in riesigen Hallen ohne Tageslicht. Die sonst sehr ausgeprägte Hierarchie, die sogenannte Hackordnung, kann sich bei so vielen Tieren nicht bilden, was zu einem stetig hohen sozialen Stresslevel beiträgt.

Fleischrassen können das Gewicht, das sie durch Zucht und Kraftfutter innerhalb weniger Wochen erreichen, nicht auf den eigenen Beinen tragen und verhungern und verdursten dann oft qualvoll, weil sie nicht mehr von der Stelle kommen. Wenn die Legehennen glucken (= in Brutstimmung sind), ist es für sie eine große psychische Belastung, dass die Eier einfach unter ihnen wegkullern. Außerdem sind in der „Eierproduktion“ durch mangelnde Hygiene vor allem schmerzhafte Eileiterentzündungen ganz normal.

Im Allgemeinen haben schwache Hühner in der Bodenhaltung auf Grund des Platzmangels kaum Möglichkeit anderen Artgenossen auszuweichen. So, und auch auf Grund der zu geringen Beschäftigungsmöglichkeiten, kommt es häufig zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Um den Verletzungen dieser Verhaltensstörungen vorzubeugen, werden die Schnäbel der Tiere in den ersten Lebenstagen ohne Betäubung gekürzt, was mit akuten und teilweise chronischen Schmerzen verbunden ist, da der Schnabel von Nerven durchzogen und durchblutet ist. Der Schnabel des kleinen Kükens wird entweder gegen eine heiße Metallplatte gepresst (touchiert) oder mit einem heißen Messer abgetrennt (kupiert).

Doch was ist mit der so idyllisch klingenden Freiland- und Biohaltung?

Sie bringt leider für das eigene Gewissen mehr, als für die Hühner selbst. Es kommen lediglich mindestens 4 m² Auslauf pro Huhn dazu, doch dieser besitzt in vielen Fällen nicht genug Unterschlupfmöglichkeiten, geschweige denn Grünfläche, weshalb er oft trotzdem nicht von den Hühnern genutzt wird.

Und sogar die Bio-Vorschriften sind nicht wesentlich strenger im Vergleich zur Freilandhaltung. 6 Hühner pro Quadratmeter und kein Schnabelkürzen. Außerdem dürfen in den Hallen „nur“ 3.000 Tiere, statt 6.000 Hühner zusammen gepfercht werden.

Tod, egal ob Fleisch- oder Eier-“Produktion“

Meine eigenen oder aber auch fremde Tiere könnte ich selbst niemals umbringen und darum möchte ich auch nicht dafür verantwortlich sein, dass ein Lebewesen von anderen für mich getötet wird. Wer glaubt, dass eine vegetarische Ernährung ausreicht, um nicht für tote Tiere verantwortlich zu sein, hat leider weit gefehlt. Es existieren etliche Videos, die die katastrophalen Zustände deutscher Hühnerställe in allen Haltungsformen dokumentieren. Kranke, fast federlose Hennen, zwischen toten Tieren, auf Zentimeter hohem Kot.

Männliche Küken sind in der Legehaltung unbrauchbar und erfüllen auch für die Fleisch-“Gewinnung“ nicht die nötigen Bedingungen. Sie werden deshalb schon im Alter von einem oder ein paar Tagen aussortiert und lebendig vergast oder geschreddert. Jährlich etwa 50 Millionen allein hier in Deutschland. Während Hühner in Freiheit bis zu 20 Jahre alt werden können, werden Fleischrassen schon nach 2 Monaten umgebracht, Legehennen haben nach 2 Jahren ausgedient, wenn ihre Legeleistung nachlässt.

In der Regel legen Hühner Eier

Obwohl ich weiß, dass die Hühner in meinem Garten ein schönes Leben haben, esse ich ihre Eier nicht. Schließlich würde ich auch niemals meine eigene Periode verzehren! Natürlich ist die Menstruation eines Menschen nicht so einfach auf ein Hühnerei zu übertragen. Trotzdem befindet sich im Ei die Eizelle, die sich im Eierstock dann zu der Dotterkugel bildet und später zu einem kleinen Küken heranwächst. Natürlich nur, wenn das Huhn vorher von einem Hahn begattet wurde. Doch auch ohne Befruchtung entsteht ein Hühnerei, das die unbefruchtete Eizelle beinhaltet. Etwa 24 Stunden nachdem die Eizelle aus dem Eierstock in den Eileiter gelangt ist, drückt die Henne das fertige Ei aus ihrer Kloake – der gemeinsamen Öffnung von Darm, Harn- und Eileiter.

Während die Hennen ihrer Vorfahren, die in Südostasien lebenden Bankivahühner, nur maximal vier Mal jährlich 5–10 Eier legen, sind die heute “genutzten” Hochleistungshennen dazu gezwungen, rund 300 Eier im Jahr zu legen. Und das ohne Unterbrechung! Diese hohe und von den Jahreszeiten unabhängige Legeleistung wird durch das Zusammenspiel von künstlichen Beleuchtungsprogrammen und der extremen Überzüchtung der Tiere erreicht.

(Oster-)Eier-Suche das ganze Jahr

Auf das Frühstücksei zu verzichten erscheint erst einmal nicht schwer. Leider befinden sich aber auch in vielen fertigen Lebensmitteln Eibestandteile, in denen es nicht sofort klar ersichtlich ist. Mayonnaise, Panaden, Sauce Hollandaise, verschiedene Backwaren und Desserts. Die verwendeten Eier stammen dann so gut wie immer aus der Massentierhaltung. Glücklicherweise gibt es einerseits die Zutatenlisten, in denen Eibestandteile dick gedruckt werden, andererseits können bei selbst zubereiteten Speisen Eier ganz leicht ersetzt werden. Hier nur wenige Beispiele: gemahlene Lein- oder Chiasamen und Bananen oder Apfelmus beim Backen, Johannisbrotkernmehl als natürliches Verdickungs- und Bindemittel, Agar-Agar-Pulver mit Wasser als Eischnee, Kala Namak für den typischen Geschmack, Kurkuma als natürliches Färbemittel und so weiter…

Also vergiss bitte nicht das Leid , das diese sozialen, empathischen, Schmerz und Leid fühlenden Tiere auch in der Eier-“Produktion“ erfahren müssen. Hühner sind Lebewesen mit Charakter, keine gefühllosen Produktionseinheiten. Du hast die Wahl, jeden Tag am Supermarktregal!



Milli

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Wo wären wir jetzt, wenn jeder sagt: "Ich kann sowieso nichts ändern"?
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