“Hundefleisch-Festival” – Ein guter Tag, um Deutsche_r zu sein?

Heute ist wieder so einer dieser Tage, an denen wir uns so richtig gut fühlen in unserer schwarz-rot-gelben Haut, denn es gibt sie, die wahrhaftig Bösen. Die, denen das Schwarz fehlt, die, die nur Rot-Gelb haben. Ja, die. Die Chinesen. Auch wenn bei diesen von Schamesröte keine Spur zu sein scheint. Und das, obwohl sie doch “die Bösesten der Bösen” sind. Vor allem jetzt gerade. Denn in Yulin, China wird aktuell das große “Hundefleisch-Festival” gefeiert. Während auf der anderen Seite des Erdballs Hunde in ihre Einzelteile zerfetzt werden, zerreißt der Rest der Welt sich empört das Maul darüber. Ganz vorne mit dabei: Wir Deutschen und jene, die das oben erwähnte Schwarz nur zu gerne betonen. In Scharen springen Tierfreund_innen weltweit auf den Karren auf. Denn was hier geschieht, das kann nicht so einfach geduldet werden.

“Schlitzaugen”, “Dichter & Denker” & emotionales Multi-Tasking

Auf engstem Raum mit zahlreichen Weiteren in winzigen Käfigen gehalten, erschlagen, vergiftet, gekocht, gehäutet, an Haken aufgehängt und wie Ware verkauft. Blut wohin das Auge reicht. So und noch schlimmer läuft es bei den barbarischen Vorbereitungen ab. 5 Millionen Vier- und Zweibeiner. In nur zwei Tagen. Für einen fünfminütigen Gaumenschmaus – angeblich eine Jahrtausende alte Tradition, die zu allem Überfluss noch legal ist. Die Pro-Argumente: Der gute Geschmack und der Nährwert. Widerlich? Abartig? Pervers? Willkommen in Deutschland, die Grillsaison hat begonnen. Aber nun zurück zu China: Kleine Pudelmischlinge, Labrador-Welpen, Pekinesen oder gar Kätzchen – das “Hundefleisch-Festival im südchinesischen Yulin macht vor nichts Halt. Die Tiere werden zu Tausenden „ermordet“, nicht geschlachtet. Ihrem Tod gebührt in unserer westlichen Welt ein Wort, das sonst nur dem menschlichen Ableben durch Gewalteinwirkung eines anderen Menschen Gebrauch schuldet. Morde, die zu Morddrohungen inspirieren. Das Netz quillt über vor hasserfüllten Kommentaren, darunter gar allerlei sprachlich Stilistisches und rhetorische Feinkost wie die klassische S-Alliteration „Scheiß Schlitzaugen“ oder neologistische Kompositionen wie die Wortneuschöpfung „Drecksvolk“. Verlautbarungen, die in einer derartigen Fülle auftreten, dass der Duden Probleme haben dürfte, sich einer künftigen Aufnahme dieser zu erwehren. Die Deutschen waren eben schon immer ein Volk der “Dichter und Denker”. Und so dichten wir uns unsere ganz eigene Philosophie zusammen – eine Denke, die wir in unserer Tradition bestärkt sehen, während wir andere Traditionen negieren. Und so hat die Äußerung „Geschirr anlegen“ plötzlich eine doppelte Bedeutung. Den einen legen wir für den Gassigang ihr Geschirr an, während wir an den anderen beim Hauptgang unser Geschirr anlegen oder ansetzen. Und hier schließt sich der Kreis, treffen zwei –ismen aufeinander: Rassismus und Speziesismus. So bleibt nicht wenigen vor Empörung über das barbarische Hundeschlacht-Fest der „dreckigen Schlitzaugen“ ihr barbarisch geschlachtetes Grillsteak im Hals stecken. Parallelen zwischen den Beiden, die verzehren und denen, die verzehrt werden, werden hierbei vorsätzlich verdrängt. Denn wo lege auch der Unterschied? Vielleicht in der Quantität. Denn in den zwei Tagen des “Hundefleisch-Festivals” 2015, bei welchem vergangenes Jahr rund 40.000 fühlende Wesen grausam ihren Tod fanden, schafften wir Deutschen es auf die rund 125-fache Menge an fühlenden Wesen, die grausam ihren Tod fanden. Die Empörung über erstere Menge war aber weit über das 125-fache größer als bei letzterer. Eine gewaltige Disproportion. Eine Kulturleistung, emotionales Multi-Tasking.

Und die Moral von der Geschichte?

Sie ist eine Doppelmoral: Denn es gibt keinen Unterschied zwischen einem Hund und einem Schwein, egal wie sehr ihn sich auch viele in diesen Tagen wünschen. Es ist einfach leichter, andere zu verurteilen als über das eigene Handeln zu urteilen, dieses zu reflektieren und zu hinterfragen eine Gefährdung des gemütlichen Status-quo. Ein rassistischer Kommentar geht eben leichter über die Tastatur raus als ein kritischer Gedanke durch die Nervenzellen ins verkümmernde Empathiezentrum im Hirn. Die gute Nachricht? Die Schlechte? Die Antwort auf beide: Mitgefühl lässt sich trotz vermeintlicher genetischer Determinanten „trainieren“ – sowohl abtrainieren als auch antrainieren. Es liegt also an jeder_jedem von uns – egal auf welcher Seite der Erdkugel – unser Mitgefühl zu trainieren und erhalten, unseren Empathiezirkel zu erweitern, den Einflussbereich unseres Mitgefühls auszudehnen, über alle willkürlichen kulturellen Prägungen hinweg. Auf alle Tiere. Denn wer Tiere liebt, der isst sie nicht – weder Hund noch Schwein. Wer sich nur über den Verzehr des einen aufregt, die_der leidet an Speziesismus. Wer sich bei der Verurteilung der_des kulturell anders geprägten Verzehrenden vor den braunen Karren spannen lässt, leidet schnell an Rassismus. Diese –ismen haben Tradition. Und Tradition ist es doch gerade, worüber sich beim “Hundefleisch-Festival” empört wird. Was in China passiert ist unverzeihbar und nicht zu rechtfertigen. Selbiges gilt für Deutschland und den Rest der Welt. Fühlende Wesen werden für 5 Minuten Gaumenschmaus, die sich auch anderweitig leidfrei generieren lassen, gequält und brutal getötet.

Was tun?

Lasst uns mit –ismen und lebensfeindlichen Traditionen in aller Menschen Länder brechen! Lasst uns Empathie tradieren! Lasst uns zusammenwachsen! Lasst uns unser aller Lebensstile ändern, unser eigenes Handeln von Heuchelei befreien und konsequenter machen! Lasst uns tierleidfreie Optionen wählen! Denn nur dann können und dürfen wir uns richtig gut in unserer Haut fühlen, völlig gleich welcher Farbe diese sein mag. Darauf ein Wuff und ein Oink!


Jedes Jahr werden über 60 Milliarden sogenannter „Nutz“tiere getötet, um sie zu verzehren. Hinzu kommen Milliarden Fische und andere Meeresbewohner_innen. Die meisten dieser Tiere finden einen grausamen Tod nach einer kurzen und meist qualvollen Existenz – denn ein Leben ist es nicht. Dabei steht längst fest, dass der Konsum tierischer Produkte Tier, Mensch und Natur schadet. Knapp 100 Tiere rettet jährlich, wer sich für eine vegane Ernährung entscheidet. Jede_r hat die Wahl – jeden Tag am Supermarktregal! Probiert rein pflanzliche (vegane) Lebensmittel – für Tier, Mensch, Natur und euch! Informiert euch & andere!



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