“Ich habe keinen Traum, ich habe einen Willen!”

Aufgrund der vielen Nachfragen, hier mein Redebeitrag zur Menschenkette gegen Tierversuche in Tübingen am vergangenen Samstag, den 28. November 2015, wo sich über 600 Menschen zur Abenddämmerung einfanden und mit einer hunderte Meter langen Menschenkette mit Kerzen, Bannern, Demoschildern, Tierkostümen und allerlei Kreativem ein Zeichen setzten, das auch medial deutlich Aufmerksamkeit erregte. Die Redebeiträge sorgten für klare Worte, Infos und den richtigen Funken Hoffnung und Motivation. Ich freue mich, dass euch auch meine Rede so gut gefallen hat und dass ich damit einige inspirieren konnte. Ihr dürft die Rede gerne teilen und nachreden. Ferner bedanke ich mich beim gesamten Team von SOKO Tierschutz für die Einladung und die tolle Demo sowie bei allen, die gekommen sind und ein Zeichen gesetzt haben! Denn nur gemeinsam sind wir stark gegen die Tierversuchslobby in Forschung, Politik und Wirtschaft! Meine Rede gegen Tierversuche findet ihr auch auf Youtube und auf Facebook.


Ich habe keinen Traum.

Denn Träume sind Schäume, bis ich sie wahr werden lasse und sie verwirkliche.
Ich habe keinen Traum, ich habe einen Willen.
Ich will, dass Tierversuche abgeschafft werden, in Tübingen, wie überall auf der Welt.
Deswegen bin ich heute hier. Deswegen sind wir alle heute hier.
Wir wollen nicht mehr dulden, was auf dieser Welt passiert mit Tieren, die Lebewesen sind mit Gefühlen und Bedürfnissen wie wir.

Ich will nicht mehr nur träumen.
Ich will, dass aus all den Wutentbrannten, hier in Deutschland und auf der ganzen Welt, Mutentbrannte werden.
Ich will, dass kein Tier mehr in grausamen Versuchen leiden und sein Leben lassen muss.
Denn sein Leben ist das, wofür es auf diesem Planeten ist, nicht für uns und nicht für den Profit.
Es geht nicht darum, welche Tiere ob, wie und in welcher Art und Weise leiden können.
Es geht um ihr Leben.
Wie es uns auch bei der Ablehnung von Menschenversuchen einzig und allein um das Leben an sich geht.
Es geht darum, dass wir anderen nicht antun sollen, was wir selbst nicht wollen, das uns angetan wird.
Die einfachste und wichtigste Regel für mich in dieser Welt.
Hier in Tübingen wird sie konsequent gebrochen. Vorsätzlich und paradoxerweise.

Denn die Tierversuchsbefürworter_innen argumentieren, dass Tierversuche u.a. nötig seien, um Erkenntnisse für den Menschen und dessen Gesundheit zu gewinnen.
Damit machen sie einen Fehler. Denn sie setzen menschliche und nichtmenschliche Tiere gleich. Zwangsläufig und unweigerlich.
Sie rechtfertigen ihre Versuche moralisch jedoch damit, dass Tiere unter dem Menschen stehen, in einem anthropozentrischen Weltbild. Uns untergeordnet sind.
Diese beiden Ansichten sind ein Widerspruch, ein Paradoxon.
Denn: Falls Tiere nicht sind wie wir, dann sind Tierversuche auch aus rein wissenschaftlicher Perspektive absolut sinnfrei, da nicht übertragbar.
Und falls Tiere wie wir sind, müssen wir sie in unsere Moral miteinbeziehen. Und somit verbietet sich jeglicher Tierversuch von selbst und selbstredend.
Genauso wie Menschenversuche auch.

Weiterhin argumentieren Tierversuchsbefürworter_innen, dass Tierversuche zur Heilung von Krankheiten nötig seien.
Das ist wahrscheinlich ihr stärkstes Argument. Es ist aber ein rehabilitatives. Und ich möchte euch ein weiteres Paradoxon aufzeigen.

Sowohl Tierversuchsgegner_innen als auch –befürworter_innen liefern sich Statistik-Schlachten, inwieweit und ob Tierversuche den medizinischen Fortschritt vorangetrieben oder verzögert haben.
Eine andere Perspektive wird jedoch meist außen vor gelassen. Auch in unseren Kreisen. Nämlich die der Prävention.
Wenn ich nicht krank bin, brauche ich keine Medikamente. Und wenn ich keine Medikamente brauche, dann brauche ich somit auch keine Tierversuche, um die Unbedenklichkeit dieser für uns zu gewährleisten.
Das klingt salopp dahergesagt, überspitzt und total realitätsfremd, aber es birgt einiges an Wahrem.
Denn die heutigen Zivilisationskrankheiten sind zwar teils genetisch determiniert, hängen aber maßgeblich von unserem Lebens- und Konsumstil ab:

Wir essen und stressen uns krank,
wir rauchen und saufen uns krank,
wir gammeln und rammeln uns krank,
wir strahlen und zahlen uns krank.

Wir machen unseren Körper sauer. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Wir übersäuern unseren Körper.
Womit wir den Nährboden schaffen für viele der Krankheiten der heutigen Zeit.

Die Industrie hilft dabei massiv mit: Aktiv wie passiv, vorsätzlich wie gesetzlich.
Und warum? Um des Profites Willen: Denn keiner verdient an Kerngesunden. Geld bzw. Kasse macht mensch mit Kranken.
Deswegen ist nichts ehrlicher als das Wort in unserem Wortschatz, das Wort Krankenkasse: Kasse machen mit Kranken.

Die Industrie, die uns mitunter erst krank macht, verspricht uns anschließend die Heilung.
Mit Mitteln, die zuvor an Tieren getestet wurden, unschuldigen Lebewesen.
Tiere, die dafür extra krank gemacht wurden, mit menschlichen Krankheiten, die sie eigentlich gar nicht hätten.
Ein Paradoxon. Gestört? Definitiv. Aber ein gewollter ökonomischer Teufelskreis.
Eine pervertierte Industrie, der wir den Hahn zudrehen müssen.
Wo wir nur ausbrechen können, aus diesem Teufelskreis, mit Prävention, durch die Vorbeugung von Krankheiten.
Denn bei etwa 50% der Medikamente weltweit ist die Wirkung nicht nachhaltig belegt. Das muss mensch sich mal vorstellen!
Die aktuelle Forschung hat es schwer, Beweise zu finden für die Wirkung von Medikamenten gegenüber einfachen Placebos.
Placebos sind Arzneimittel ohne wirklichen Wirkstoff, Leer-Präparate, sog. Schein- und Pseudo-Medikamente.
Die Statistik zeigt, dass die Masse der Medikamente in der letzten Prüfphase durchfällt, ihr Wirkungsgrad somit gerade mal dem eines Placebos entspricht. Studien belegen, dass diese wirkstofffreien Präparate oft die gleichen Therapieeffekte haben wie echte Medikamente.
Das bedeutet hier, wo wir ja heute einen hoffnungsvollen Tag haben: Die Hoffnung der Patient_innen wirkt genauso stark wie der Wirkstoff selbst.
Der Placebo-Effekt beruht dabei auf einer Erwartungshaltung beim Patienten und der Patientin. Die Gabe von Placebos beruhigt.
Es gibt kaum Krankheiten, bei denen dieser Effekt nicht nachgewiesen wurde.
Befragungen unter Ärzt_innen zeigen sogar, dass immer mehr von ihnen auf dieses Wissen zurückgreifen und Placebos verschreiben.

Jetzt frage ich euch: Wenn das Interesse an und der Einsatz von Placebos steigt, gleichzeitig aber Tierversuchszahlen auch steigen, d.h. die wirkstofffreie Heilung zunimmt, das Testen mit Wirkstoffen an Tieren gleichzeitig aber auch – Ist das nicht paradox?
Die Wirkstoffe der Medikamente werden konsequent überschätzt und dennoch müssen Millionen Tiere ihr Leben für sie lassen.
Dabei soll es nicht um Profit gehen? Sondern um die Heilung von unseren Krankheiten?

Undercover-Veröffentlichungen, Proteste wie der heutige hier und politischer Druck sind unerlässlich im Kampf gegen Tierversuche und gegen Tierquälerei grundsätzlich. Ebenso die Bildung und Aufklärung der Bevölkerung.
Dennoch habe ich als Einzelperson mit Tierversuchen ein Problem.
Denn ich habe wenig Impact, wenig Auswirkung und wenig persönliche Angriffsfläche.
Denn Tierversuche sind meist gesetzlich vorgeschrieben, d.h. mein Konsum-Boykott ist schwer möglich.
Ich befinde mich in einer Ohnmacht, viel mehr als bei den meisten Tierrechtsthemen.

Denn Tierversuche geschehen unter dem Vorwand des „Schutzes“.
Ein Schutz, den uns Wirtschaft, Politik und Forschung verkaufen wollen, denn sie lassen fast nichts ohne Tierversuche an uns heran.

In echt geht es jedoch um ungezügelten Forschungsdrang, um Forschungsgeilheit, um Tradition, um Macht, um Karriere und um Profit.
Denn echter Schutz startet präventiv, hier gibt es jedoch kaum Investitionen.
Wenn ich weniger rauche, dann senke ich damit das Lungenkrebsrisiko. Damit werden die meisten Medikamente für mich unnütz und somit werden Tierversuche nicht benötigt.
Gesundheit setzt sich zusammen aus drei maßgeblichen Faktoren: Unserer Biologie, auf die wir wenig Einfluss haben, unserer Umwelt, in der wir uns befinden, auf die wir nur bedingt irgendeinen Einfluss haben, und unserem eigenen Lebensstil und unserem Verhalten innerhalb dieser Umwelt. Und hier haben wir den maßgeblichsten Einfluss, den massivsten Einfluss.
Denn hier können wir immer sagen: nein! Wir können nein sagen zu Krankmachern und somit nein sagen zu Tierversuchen.
Nein sagen zu einer pervertierten Industrie.

Also lasst uns das Ganze von hinten aufzäumen!
Lasst uns dem pervertierten medizinischen Profitsystem zuwiderlaufen!
Für die Tiere und für uns!

Ich habe keinen Traum, ich habe einen Willen, ich habe einen Plan.
Kommt mit mir! Heute hier und jetzt und generell.
Für eine tierversuchsfreie Zukunft und Forschung!
Für die Rechte der Tiere!
Denn Mitleid ist zu wenig!


In Käfige gesperrt, künstlich krank gemacht, vergiftet und verstrahlt, verbrannt und verbrüht, ertränkt, mit Elektroschocks gequält und in den Weltraum geschossen: Nur ein paar der grausamen Versuche, denen jährlich Millionen Kleintiere, Katzen, Hunde, Affen und andere Tiere ausgesetzt werden. Tierversuche sind kein nötiges Übel, dem wir unseren medizinischen Fortschritt verdanken – ein Irrglaube, denn viele der wichtigsten Errungenschaften im Gesundheitswesen sind Studien an Menschen zuzuschreiben. Tierversuche spielten hierbei keine Rolle. Hauptkritikpunkt ist die fehlende Übertragbarkeit auf den Menschen. Moderne tierversuchsfreie Forschung schützt besser vor Nebenwirkungen, ist effizienter, günstiger und rettet die Leben unzähliger unschuldiger Tiere! Informiert euch & andere!



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