„Ihr Veganer wollt mir meinen Hackbraten verbieten!“ – Eine Streitschrift.

Nur zu oft höre ich Sätze wie „Schreibe mir nicht vor, was ich zu essen habe“ oder „Ihr Veganer wollt uns das Fleischessen verbieten!“. Zugunsten der Diplomatie bleibe ich ruhig, sage, dass jede_r selbst den eigenen Konsum bestimmt und ich lediglich über die zweifellos grausamen Zustände aufklären und informieren möchte. Hierbei macht mich die Diplomatie auch keineswegs zum Lügner – denn es ist selbstverständlich wahr. Ich möchte und kann niemanden in seiner_ihrer persönlichen Freiheit einschränken. Hiermit ist das Thema jedoch nicht geklärt, denn eine derart eindimensionale Betrachtung würde somit jedem_jeder einen legitimen Freibrief zum Konsum tierischer „Lebensmittel“ geben.

Niemand kann euch euren Fleisch-, Ei-, und Milchgenuss verbieten

Hier kommt der Kniff am Ganzen: Weder ich noch „irgendein Veganer“ können euch verbieten was auf euren Tellern liegt – aber die Ethik kann’s. Einfachste, zweifellos gültige Grundsätze der Ethik machen eurem unüberlegten, ohne Reflexion hingenommenen Fleischkonsum einen Strich durch die Rechnung. Persönliche Freiheit hat ihre Grenzen, und zwar genau dann, wenn sie die Freiheit Dritter einschränkt. Dieses unumgängliche Faktum kann wohl kaum geleugnet werden. Dass eine Existenz in den eigenen Exkrementen, auf viel zu wenig Platz, umgeben von zahllosen Artgenoss_innen, als Einschränkung zu werten ist, liegt offen auf der Hand. Aussagen wie „Ich esse, was ich möchte!“ zählen schlichtweg nicht angesichts rationaler, ethischer Überlegungen.

„Humane“ Schlachtungen sind doch vertretbar, oder?

Schon höre ich vereinzelte Stimmen, die behaupten, das Fleisch, das sie konsumieren, sei nicht aus der Intensivtierhaltung, sondern von einem kleinen Hof, auf dem die Tiere „human“ gehalten und geschlachtet werden. Soll euer glorreiches Verhalten etwa mit Jubelschreien und Ehrenbekundungen begrüßt werden? Ich wage zu behaupten, dass eure Aussage einen Haken hat. Denkt daran, dass auch Milch und Eier in verarbeiteten Produkten, der Intensivtierhaltung entstammen und somit den Kreislauf von Zucht, Qual und Schlachtung am Laufen halten. Unabhängig davon soll gesagt sein: Mit vermeintlich humaner Haltung auf kleinen, privaten Höfen erkauft ihr euch nicht das Recht ein Tier für den eigenen Genuss zu töten. Hierbei hebeln schon rudimentäre ethische Grundsätze, wie die goldene Regel, die Berechtigung für eure egozentrische Genussausübung aus dem Fundament: Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu! Dass hierbei nicht nur Menschen, sondern auch nichtmenschliche Tiere von Belang sind, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Leidensfähigkeit eines jeden Lebewesens zum Schutz aufruft. Die Minimierung von Leid ist die Pflicht aller. Jede Schlachtung bedeutet Leid und Schmerz. Selbst auf dem schönsten und idyllischsten Hof gibt es kein Tier, das sein Leben aufgeben würde, um euch als Gaumenschmaus zu dienen.

Und weiter?

Überdenkt die ganze Thematik einfach Mal ohne den vermeintlich leckeren Geschmack von Fleisch, Milch und Co. im Hinterkopf zu haben. Versucht rational und objektiv zu bleiben und es zeigt sich, dass es keine Ausreden für eure bloße Genussbefriedigung gibt. Hierzu passen die Worte Albert Camus: „Das Wahre suchen heißt nicht das Wünschenswerte suchen“. Welches Gut ist schwerwiegender: überflüssiger Genuss oder sicheres Leben ohne Angst? Wir leben im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts – vegane Ernährung ist ohne gesundheitliche Probleme möglich. Denkt an Kälber, die ihren Müttern entrissen werden, Küken, die geschreddert werden und an Schweine, die in engen Kastenständen ausharren müssen. Es liegt in eurer Hand dieses maßlose Leid zu beenden!

Hinweis: Hier wurde ein generalisiertes Stereotyp des Omnivoren dargestellt und diffamiert – Ausnahmen sind selbstverständlich möglich! Ferner sollen mit diesem Text keine Fronten aufgebaut werden – ganz im Gegenteil, sie sollen eingerissen werden. Es soll schlichtweg klar werden, dass es, bei objektiver und rationaler Betrachtung des Themas, zu der wir alle fähig sind, keine Fronten, sondern nur Pflichten gibt, die uns alle angehen!



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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