Irrsinniges aus der Welt der Grünröcke #2

Jäger_innen – während sich die meisten Menschen kaum mit dem Thema Jagd auseinandersetzen, sehen Tierfreund_innen in ihnen kaltblütige Mörder_innen. Dabei wird der Begriff des_der Jäger_in jedoch viel zu oft verallgemeinert und vergessen, dass auch sie z.T. sehr außergewöhnliche und individuelle Qualitäten besitzen: Während die einen ihre besonderen Talente, die von ausgefallenen Autodekorationsideen bis professioneller Feinkostberatung reichen, eigentlich zum Beruf machen sollten, scheinen bei anderen z.T. äußerst fragwürdige und ungewöhnliche Umstände bei der Jagd aufzutreten. Hier die sonderbarsten und unterhaltsamsten Vorfälle der vergangenen Monate:

Die “Treff(un)sicheren”

Ein WIldschwein? Ein Fuchs? Ein_e Kolleg_in? Die eigene Tochter? Oder doch der eigene Fuß? Einige Jäger_innen scheinen es bei der Jagd nicht immer so genau zu nehmen und treffen nicht ausschließlich (Wild-)Tiere. So verwechselte beispielsweise ein Jäger in Regensburg einen anderen mit einem Wildschwein, schoss auf diesen und verletzte ihn schwer, woraufhin er zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt wurde. Vor Gericht entschuldigte er sich bei dem betroffenen Kollegen, welcher die Entschuldigung – trotz lebensgefährlicher Verletzung – annahm. Gleiches ereignete sich in der Slowakei. Auch hier verwechselte ein Jäger einen Kollegen mit einem Wildschwein. Nur konnte dieser besser zielen als der Jäger in Regensburg und verletzte den Kollegen tödlich. Ähnlich ging eine Jagd in Südtirol aus, bei der ein Jäger einen anderen mit einer Ente verwechselte. Und damit nimmt die Liste der sog. “Jagdunfälle” noch lange kein Ende: “Jäger durchschießt Jagdkollegen den Oberschenkel“, “Jäger in OÖ von Schrotkugel im Gesicht getroffen“, “19-jähriger Jäger schießt bei Fuchsjagd irrtümlich auf 73-Jährigen“, “Jäger bei Treibjagd angeschossen” u.s.w. lauten die Schlagzeilen.

Einer gerät bei einer Fasanenjagd, bei der mehrere Jäger_innen das gleiche Tier ermorden wollen, in einen Kugelhagel, ein anderer schießt sich versehentlich selbst in den eigenen Fuß, und wieder ein anderer sich und seiner Lebensgefährtin ins Bein – und das mit nur einem Schuss, was ja schon als gewisse Meisterleistung gesehen werden kann. Ebenfalls nach dem Prinzip “Zwei auf einen Streich” erschoss mitten in Berlin ein Jäger ein Wildschwein und traf mit dem gleichen Schuss den Arm eines Anwohners. Wieder ein anderer erschoss sich versehentlich selbst, und ein Jäger in den USA beging Selbstmord, nachdem er einen Kollgen erschossen hatte. Besonders heraus sticht noch ein Fall, bei dem ein Jäger versehentlich seine eigene Tochter erschossen hat. Hoppla! Doch was soll’s, getroffen haben sie ja alle – wenngleich nicht ihr urprüngliches Ziel.

Der “Sicherheitsdienst”

Wer nun aufgrund der unzähligen eben aufgezählten Vorfälle glaubt, mensch könnte in keinem Wald mehr ungefährdet spazieren gehen, kann beruhigt sein – zumindest in Österreich sollte die Zahl der Zwischenfälle nun zurückgehen. Denn der Nordösterreichische Jagdverband hat mittlerweile einen eigenen Sicherheitsbeauftragten engagiert. Der ehemalige Polizist und Jäger untersucht nun jegliche sog. “Jagdunfälle”, redet mit Beteiligten, verfolgt Gerichtsverfahren, etc. und gibt seine Erkenntnisse auf Fortbildungen für Jäger_innen preis. Wenn dann mal nicht mit Sicherheit für mehr Sicherheit gesorgt ist!

Der “Feinschmecker”

Ein Jäger in der Schweiz hat einen hierzulande eher unüblichen Geschmack. “Katzenfleisch ist sehr fein und bekömmlich”, sagte er gegenüber einer Schweizer Zeitung. Auf das Fleisch von Hunden verzichte er jedoch, nachdem er jahrelang selbst einen Hund als treuen Gefährten hatte. Ebenso tabu sind Meeresfrüchte und Sushi. “Schweinsohr, Kutteln, Kalbshirn oder -grick – Leber, Lunge und Herz” hingegen zählt er als Lieblingsgerichte auf. Na dann, guten Appetit!

Der “Verantwortungsbewusste”

Ein Jäger erschoss eine rötliche Katze im Garten einer Familie, weil er sie mit einem Fuchs verwechselt hatte, und erhielt daraufhin eine Geldstrafe. Heute mal die tierische Mitbewohnerin einer Familie statt ein wildlebendes Tier getötet zu haben, schien ihm so nahe zu gehen, dass er ganz besorgt berichtete, wie schlecht es ihm danach ging und er seitdem kaum mehr schlafen könne. “Weil die Katze so nahe am Zaun lag, dass der Draht die Haare aufstellte und das Fell so etwas zerzaust wirkte.” und “Weil er in einer optimalen Position war, um einen sicheren Schuss abgeben zu können.” waren wohl Gründe für die für ihn fatale Verwechslung. Einige Monate später gab er sein Jagdpatent schließlich freiwillig ab. Jahrelang kaltblütig Füchse, Wildschweine und Co. zu erschießen schien für ihn jedoch völlig ok gewesen zu sein.

Der “Autodekorateur”

Auf eine sehr sonderbare Idee kam ein Schütze nach einer Jagd in Österreich: Er hängte einen Fuchs, den er auf der zuvor stattgefundenen Jagd erschossen hatte, an den Türgriff seines Autos. Dies meldete eine Passantin mit Kind einer Zeitung. Welcher Sinn wirklich dahinter stecken soll, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass er damit eine sehr außergewöhnliche Art gewählt hat, seinen Wagen zu “dekorieren”.

Der “Fotofeind”

Gleiche Beute, unterschiedliche Waffen. Sind Fotograf_innen und Jäger_innen natürliche Feinde? Nach einem Vorfall in Hessen sieht es ganz danach aus. Hier war ein Naturfotograf dabei, einen Hirsch zu fotografieren. Zeitgleich waren zwei Jäger im Wald, die den Hirsch erschießen wollten, was ihnen jedoch nicht gelang, da dieser angeblich wegen des Fotografen davonsprang. Letzterem macht nun ein Bußgeldverfahren zu schaffen, da er gegen das Bundesjagdgesetz verstoßen haben soll, nach welchem es nicht erlaubt ist “Wild, insbesondere soweit es in seinem Bestand gefährdet oder bedroht ist, unbefugt an seinen Zuflucht-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören.” Die Tiere dort kaltblütig zu erschießen, scheint jedoch völlig in Ordnung zu sein. “Wir haben ihn auch deshalb angezeigt, weil er ständig stört”, so der Geschäftsführer der Rentkammer Wittgenstein, in deren Jagdbezirk sich der Vorfall ereignete. Wenn das mal kein gutes Argument ist!

Ihr möchtet weitere lustige “Typen” von Jäger_innen kennenlernen und mehr unterhaltsame Fakten und Infos über die Grünröcke? Lest hier auch den ersten Teil dieser Blogserie! Und nur so am Rande: Überseht den Augenzwinker nicht.



Larissa

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Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse deine Spur. (Jean Paul)
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