Italien will Eltern vegan ernährter Kinder verhaften lassen

In Italiens Parlament wird derzeit ein von der Opposition gestellter Gesetzesentwurf diskutiert, welcher eine Freiheitsstrafe von ein bis vier Jahren sowie den Entzug des Sorgerechtes beinhaltet, falls Eltern ihre Kinder vegan ernähren. Begründet wird dies damit, dass jene angeblich radikale Ernährungsweise zu einem Mangel an grundlegenden Nährstoffen und den damit verbundenen Entwicklungsproblemen führe, so berichtet das Online-Magazin 20min.ch.

Grundlegendes Fehlverständnis

Hierbei gibt es ein grundsätzliches Problem: vegan ist keine Ernährung, sondern eine Lebenseinstellung mit Richtlinien. „The Vegan Society“ definiert Veganismus als einen Lebensweg, in welchem so weit wie möglich und praktikabel danach gestrebt wird, alle Formen der Ausbeutung und der Grausamkeit gegenüber Tieren für Nahrung, Kleidung oder irgendeinem anderen Zweck zu vermeiden. Eine “vegane Ernährungsweise” gibt es deshalb nicht.

Behauptungen statt Begründungen

Welche grundlegenden Nährstoffe fehlen würden, wurde außerdem nicht genannt. Hierzu gibt aber die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sehr hilfreich weitere Hinweise: so würde es „zu einer unzureichenden Zufuhr mit Energie, Protein, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Vitamin B2, Vitamin B12 und Vitamin D kommen.“ Die DGE scheint mit ihrer Informationslage jedoch noch in der Steinzeit zu liegen, denn führende angelsächsische Organisationen wie z.B. die „American Academy of Nutrition and Dietetics“ und die „American Academy of Pediatrics“ sind anhand von zahlreichen aussagekräftigen Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass eine sogenannte „whole-foods plant based diet“, also eine Ernährungsweise, die auf pflanzlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln (Obst, Gemüse, Getreide, Nüsse, Samen, Gewürze) basiert und gekochte Mahlzeiten beinhaltet, in allen Lebenslagen geeignet ist, wobei zusätzlich verschiedenste Krankheiten vorgebeugt werden können. Vitamin B12 muss jedoch supplementiert werden. Die ZDF-Moderatorin Frau Hekmati gibt im Stern dazu ein sehr anschauliches Interview und zeigt, wie sie selbst ihre Kinder vegan ernährt. In puncto Vitamin B12 gibt es hier aber eine kleine Verwirrung: Kuhmilch bzw. tierische Produkte generell reichen nicht aus, um den Menschen vollständig mit dem von Mikroorganismen hergestellten Vitamin zu versorgen. Es handelt sich dabei nämlich nur um die Reste der Nahrungsergänzungsmittel, die die „Nutztiere“ auch selbst zugeführt bekommen müssen.

Polemisch isolierte Einzelfälle, Meinungsmache und falsche Angst

Der Artikel schließt mit einem anekdotischen Beispiel von einem Kind aus Mailand, dass aufgrund einer veganen Ernährung stark unterernährt gewesen sei und in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Mit solch einem medial überspitzten und polemischen, isolierten Vorfall wird die Meinung der Masse gegen den Veganismus instrumentalisiert; nicht gezeigt werden dabei die zahlreichen Familien, bei denen der vegane Lebensstil funktioniert und bereits lange zum Alltag dazugehört. Diese Darstellung ist zusätzlich äußerst hypokritisch; geht mensch nämlich in den nächsten Laden einer Fast-Food-Kette, sind dort sicher einige Familien mit Kindern anzutreffen. Einen Aufschrei gibt es deshalb aber nicht, es scheint normal und in Ordnung zu sein; wer habe denn auch das Recht, sich in die Kindererziehung anderer einzumischen? Bereits seit über 60 Jahren sind die gesundheitlichen Gefahren und Folgen des Konsums von tierischen Produkten in zahlreichen Studien dokumentiert; Fast-Food wirkt sich dabei besonders gravierend auf die Gesundheit, vor allem von Kindern, aus. Ein Verbot oder eine gesetzliche Regelung ist hier aber nicht in Sicht, es gehöre doch zur “persönlichen Freiheit” zu entscheiden, was auf den Teller kommt.

Dass gerade der Verzehr von tierischen Produkten in Anbetracht der heutigen weltweiten katastrophalen Gesundheitslage eine zentrale Rolle spielt, wird gerne verschwiegen; ein Aufschrei wird auch hier vergebens gesucht. Die zahlreichen Kinder, die an Akne, Asthma oder Allergien leiden, um nur ein paar gewöhnliche Beispiele zu nennen, oder die, die mit den Folgen einer Salmonellenvergiftung oder der neuesten Mutation des Kolibakteriums (um ihr Leben) zu kämpfen haben; all das scheint zur Normalität des Alltags zu gehören, es ginge den anderen Menschen im Umfeld ja genauso. Eine Veränderung ist nicht gewollt, vielmehr gibt es gar eine Angst davor.

Gesetz trotz gegenteiliger Faktenlage?

Es wird interessant werden, wie das italienische Parlament über den Gesetzesentwurf abstimmt. Gerade bei einer Zustimmung wird es spannend, auf welche Informationen und Ergebnisse diese Entscheidung gestützt wird – die Studien- und Faktenlage spräche nämlich dagegen. Informiert euch & andere!



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