Jagd – eine Passion fürs Kinderbuch?

“Am erlegten Rehbock sprechen sie über das Entscheidende in der Welt, über Werden und Vergehen, über Leben und Sterben. Der alte Mann, selbst an der Schwelle zum Tod, erklärt seiner jungen Begleiterin, dass der Tod nicht unser Feind ist, sondern der Schlüssel zu einer immerwährenden Erneuerung, ein Weltprinzip.”- so die Kurzbeschreibung vom Kinderbuch “Kannst du mal die Leber halten – mein erster Tag auf der Jagd”.

Realität ja, aber bitte die ganze

Kindern die Realität nicht vorzuenthalten ist prinzipiell ein zu befürwortendes Anliegen. Auf den ersten Blick wird das hier auch geschafft; die Realität wird jedoch verzogen dargestellt und versteckt sich hinter Euphemismen, Verklärungen und pseudophilosophischen Aussagen. Eine Parallelle zwischen dem nahenden Tod des alten Mannes und dem Tod des Rehbocks wird gezogen. Der Vergleich dieser beiden Vorgänge hinkt jedoch gewaltig. Hier wird ein friedliches Bild des Todes gezeichnet, was prinzipiell selbstverständlich nicht verwerflich ist; jedoch nur, wenn es sich um einen natürlichen Tod aus Altersschwäche handelt. Der Tod des Rehbocks ist kein passives “Vergehen”, sondern eine aktive Tötung. “Der Tod ist nicht unser Feind” – Ja, das ist wahr; er ist unvermeidbar. Vermeidbar hingegen ist die Jagd: Das Morden ist der Feind. Die Jagd ist lediglich der “Schlüssel”, unnötiges Morden rechtzufertigen.

Jagd – unnötig und kontraproduktiv

Natürlich geht es hier nicht um eine ausführliche Kritik irgendeines Kinderbuchs, viel mehr zeigt diese vermeintlich harmonische Geschichte von einem kleinen Mädchen und ihrem Großvater, wie die Jagd in der Gesellschaft aufgefasst wird: Sie gehört scheinbar schlichtweg zum Erhalt des Gleichgewichts der Natur. Viele Menschen sind der Auffassung, dass ohne die Bejagung von Tieren, die Wildtierpopulation überhand nehmen würde. Dass sich Populationen von selbst regulieren, abhängig von Witterung und Nahrungsangebot, wird hierbei wohl vergessen.

Das natürliche Gleichgewicht wird durch den Menschen eher zerschlagen als erhalten: Durch die Tötung von Tieren werden Altersstrukturen und Sozialgefüge zerstört. Die Verluste einer Population werden schnell wieder ausgeglichen und meist sogar überkompensiert. Auf lange Sicht bleiben die Jagdstrecken gleich oder steigen sogar an; eine Minimierung bzw. langfristige Regulierung des Bestands ist folglich nicht zu erkennen. Zudem führt die Anlockfütterung (Kirrung) dazu, dass schwache Tiere, die sonst sterben würden, überleben; die natürliche Bestandsregulierung wird somit gestört. Letztendlich spielt das den Jäger_innen, deren Anzahl seit Anfang der 90er Jahre um 20% gestiegen ist, selbstverständlich in die Hände: Mehr Tiere bedeuten mehr Jagdspaß und Herumschießerei. Ganz davon abgesehen, dass das Fleisch eines brutal getöteten Tieres ein exzellenter Gaumenschmaus ist.

Bejagung von Wölfen? – Unsinn.

Neuestes Projekt in der Jagdszene ist die Einführung der Bejagung von Wölfen, denn seitdem sich der Wolf in Deutschland wieder ansiedelt, kam es mehrfach zu Rissen von “Nutztieren“. Glücklicherweise ist die Bejagung des Wolfes immer noch illegal und kann sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Dass eine Jagderlaubnis purer Unsinn wäre, bestätigt auch Bundesumweltministerin Hendricks, die stattdessen für “konsequenten Herdenschutz” plädiert. Leider wird der Wolf dennoch illegal bejagt, berichten die Medien immer wieder über gefundene Kadaver. Juristische Konsequenzen und Tätersuche? Fehlanzeige. Viele derer in obersten juristischen und politischen Funktionen Tätigen zählen sich selbst zu den Grünröcken. Und ein Grünrock schützt den anderen.

“Eine immerwährende Erneuerung” gibt es in unserer Gesellschaft wohl nicht

Schon zeigt sich, dass die Fassade der harmonischen Jagd bröckelt und ihr wahrer Kern sichtbar wird. Letztendlich sind Schlagworte wie “Bestandsregulierung” nur vorgeschobene Gründe, um die Lust am Töten und den Verzehr von Mitgeschöpfen zu rechtfertigen. Anscheinend müssen in unserer ach so modernen Gesellschaft noch derart archaische Bedürfnisse gestillt werden. Aber es geht auch anders!



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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