Kranke Forschung: Labortiere kämpfen sich zurück ins Leben

Ich war noch ganz klein, als ich von meiner Mama weg musste. Die großen, lauten Menschen haben mich einfach mit ihren rauen Händen gepackt und weggerissen. Alles war in großer Aufregung und alle haben herum gebrüllt. Das war das letzte Mal, dass ich meine Mama gesehen habe. Ich weiß noch, dass ich so traurig war. Und fürchterliche Angst hatte ich auch. An alles was danach kam, möchte ich mich nicht erinnern.

Die warme Sonne auf dem Fell, das Gras unter den Füßen, alles ist neu: Den 38 Labor-Schimpansen, die in den 70er und 80er- Jahren als Babys ihren Müttern in Afrika entrissen und in Forschungslabore nach Österreich gebracht wurden, geht es heute gut.

Doch bis dahin war es ein langer Weg: über 30 Jahre waren die Tiere nach ihrer Gefangennahme in isolierten Einzelzellen und wurden für Experimente missbraucht, mit dem Hepatitis- und Aidsvirus infiziert. Ihr Schicksal änderte sich 1997, als der US-Konzern Baxter die Leitung übernahm: Baxter führt keine Tierversuche durch.

Nun leben sie in der Auffangstation Gut Aiderbichl, wo sie auch zum ersten Mal erleben durften, wie es ist über Gras zu laufen und mit Artgenossen zu spielen. Was für uns und “unsere” Vierbeiner ganz normal ist, ist für sie und ihre Retter_innen das pure Glück. Eine Schande, dass solche Schicksale auch bei uns in Deutschland „produziert“ werden.

>>> Hier geht´s zum Befreiungsvideo

Im Verhältnis zu den 750 Millionen Lebewesen, die in Deutschland jährlich für den Fleischkonsum geschlachtet werden, machen die “Versuchstiere” nicht mal ein halbes Prozent aus. Doch auf die Tierforschung ist mit ungeheurem Leid und einem unkalkulierbaren Risiko sowie falschen Hoffnungen für die Patient_innen verbunden. Die immer gleiche “Affen-Folter” – oft sogar ohne Resultat für den menschlichen Nutzen gegeben.

Woher weiß mensch, dass es den Tieren in Versuchslaboren schlecht geht?

Grundsätzlich ist festzuhalten: Psychische Erkrankungen bei Affen in Menschenhand sind keine Seltenheit. Das erkennt mensch oft daran, dass die Hände der Tiere ein Eigenleben führen und durch die Gegend schweben. Die Extremität wird nicht mehr als solche erkannt, sondern wird wie ein Artgenosse liebkost, attackiert, geschlagen und gebissen. Das sind geradezu psychotische Störungen.

Aus den Haaren oder dem Kot der Tiere können zudem Proben entnommen werden, um den darin enthaltenen Gehalt des Stresshormons Kortisol nachzuprüfen. Es wurde herausgefunden, dass kurzzeitig gestresste Tiere, ähnlich wie Menschen, erhöhte Werte dieses Stoffes haben. Daraus könnte mensch in gewisser Weise folgern, dass die Tiere auch leiden.

Wird auch heute noch an Affen geforscht?

Der “Einfallsreichtum” der Tierforschung kennt nahezu keine Grenzen. Für fast jede Spezies wurden und werden entsprechende Wege gefunden, um Test an ihnen durchzuführen: Die Zeit, in der in Europa Menschenaffen – überwiegend Schimpansen – für Versuche missbraucht wurden, gehört jedoch der Vergangenheit an. In Deutschland waren Versuche an Menschenaffen vor Inkrafttreten der EU-Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU erlaubt, es herrschte aber bereits seit 1992 die stillschweigende Übereinkunft, diese davor zu verschonen. Nach wie vor sind jedoch Versuche mit so genannten gewöhnlichen Affen, wie Makaken, gängig, wenn auch mit höheren bürokratischen Hürden verbunden.

Das unsägliche Leid von Mäusen und Co.

Es fällt Menschen schwer, sich in Tiere hineinzuversetzen, die ihnen verhältnismäßig unähnlich sind. So hat unsere Gesellschaft für Mäuse in der Regel wenig übrig. Dabei handelt es sich bei ihnen um hoch entwickelte, intelligente Tiere. Ihr qualvolles Verenden in Laboren wird von den meisten aber dennoch als unproblematisch erachtet.

Mäuse zeigen so wenig Krankheitsanzeichen wie möglich, da sie in der freien Natur in ständiger Angst leben, ihren Feinden zum Opfer zu fallen. Das führt dazu, dass sie auch während eines Tierexperiments ihre Schmerzen so gut es geht versteckt. Der Abstand zu einem Menschen rechtfertigt also nicht, Tiere unterschiedlich zu behandeln und die Beurteilung ihrer Leidensfähigkeit kann nicht an ihrem physischen Erscheinungsbild festgemacht werden – wenn sie denn überhaupt eingeschätzt werden kann.

Sind wir hauptverantwortlich für traumatisierte Tiere?

Menschen haben einen so großen Einfluss auf unseren Planeten, dass wir uns einfach zurückhalten müssen, denn das Auftreten vieler psychischer Störungen bei Tieren sind auf menschliche Einflüsse zurückzuführen. Stattdessen sollten wir lernen, unseren Körper selbst zu heilen, um nicht andere Tiere dafür traumatisieren zu müssen.

Aber ist die Natur nicht selbst auch mitunter grausam? Letztlich kann es dem Tierkind doch egal sein, ob es seine Mutter durch einen Löwenangriff oder das Gewehr eines Menschen verliert, oder? In beiden Fällen sind es schwere Schocks, die auf Körper und Geist wirken. Aber es ist nicht das Gleiche: Die Art von Gewalt, die Menschen auf Tiere ausüben, ist außerhalb des normalen Laufs des Lebens. Evolutionstechnisch gesehen nicht eingeplant und für unser Überleben zudem nicht zwingend erforderlich.

Wodurch schaden wir den Tieren?

Isolation und Verlust sozialer Kontakte

Ein Schimpanse allein ist überhaupt kein Schimpanse: Wenn man ihn von seinen Freunden und nahen Vertrauten trennt, reagiert er unmittelbar mit einem erregtem, scheinbar verzweifelten Protest. Nach ein paar Tagen zieht er sich mehr und mehr zurück und wird zusehens stiller in seiner Lautbildung. Er rührt sein Futter und Wasser nicht mehr an und legt ein apathisch-depressives Verhalten an den Tag, liegt da wie tot.

Wie genau ein Tier auf den Partnerverlust reagiert, kann sich von Tierart zu Tierart und sogar von Tier zu Tier einer Art unterscheiden. Im schlimmsten Fall führt der Verlust aber sogar bis in den Tod.

Mutterverlust

Dieser betrifft nicht nur uns näherstehende Säugetiere wie beispielsweise Affen, sondern sogar Vögel. Gänse, die man in dieser Weise seelisch verkrüppeln lässt, kehren sich stumm – von anderen weggedreht –  zu einer Ecke des Zimmers und starren in die Luft. Die seelische Wiederherstellung kann Jahre dauern.

Jede Kampfbereitschaft ist mit dem Verlust erloschen. Die vereinsamte Gans wehrt sich nicht mehr gegen die Angriffe ihrer Artgenossen, flieht vor den Schwächsten und sinkt sofort auf die tiefste Stufe der Rangordnung ab.

Stress

Transgene Makaken, die vorsätzlich auf unterschiedliche Weise in Angst versetzt werden, um daraufhin die Intensität ihrer Affenschreie zu untersuchen, erleben dadurch regelmäßig ein enormes Stresslevel. Solchen Experimenten ist nichts hinzuzufügen, als dass es sich dabei um die höchste Stufe seelischer Grausamkeit handelt. Die körperlichen und psychischen Schäden, die Versuchstiere erleiden müssen, sind mögliche sich daraus ergebende wissenschaftliche Fortschritte nicht im Ansatz wert. Wer kann so etwas gutheißen?

Ist das alles denn wirklich notwendig?

Vor einer Weile gab es Forschungen an Mäusen, die überprüfen wollten, welchen Einfluss der Konsum von Bier auf den Leberstoffwechsel hat. Ziel war es herauszufinden, ob Bier tatsächlich besser verträglich ist als reiner Alkohol. Im Anschluss wurden alle Tiere umgebracht und ihre Leber untersucht. Wenig überraschendes Ergebnis: Ja, ist es. Nur ein Beispiel für die zigtausend Tierversuche, die jedes Jahr in Deutschland durchgeführt werden. Es fällt schwer, die unbedingte Notwendigkeit dafür nachzuvollziehen.

Umso schöner ist es, mit eigenen Augen zu sehen, wie die unschuldigen, gutmütigen Tiere reagieren, wenn sie das erste Mal in ihrem Leben frische Luft schnuppern dürfen und die Freiheit geschenkt bekommen:

Hunde

Sowohl in Deutschland als auch den USA werden Beagle oftmals in Laboren gehalten, da sie mit ihrer Engelsgeduld als besonders “geeignet” für Tierversuche gelten. Sie lassen fast alles ohne Proteste über sich ergehen.
Ihr Leben fristen sie oft eingepfercht in Einzelkäfigen und erfahren keinerlei Sozialkontakte zu Artgenossen.

>>> Hier geht´s zum Befreiungsvideo

Zwar keine Versuchstiere, aber trotzdem herzerwärmend:

Und auch diese 25 Kühe aus der Nähe von Köln hatten das Glück das erste Mal in ihrem Leben auf eine Weide zu dürfen. Anstatt im Schlachthaus zu landen, weil sie nicht mehr genug Milch geben, wurden sie gerettet und durften erstmals den Stall verlassen.

>>> Hier geht´s zum Befreiungsvideo



Alina

Alina

Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen. (Ernst R. Hauschka)
Alina

Sag was dazu

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht