Mit jedem Tierversuch einen Schritt in die Vergangenheit

Schon fast auf pervertierte Weise werden Tierversuche in Schutz genommen und versucht zu legitimieren. Forscher werden in idyllischer Eintracht mit ihren Versuchstieren gezeigt, die wahren Geschehnisse hinter den Labortüren verheimlicht. So wird es als “Mythos” bezeichnet, dass Versuchstiere unerträglichen Schmerzen und Leiden ausgesetzt werden – eine deutliche Verzerrung der Realität. Vor allem daran gemessen, dass nach offiziellen Statistiken des BMEL im Jahr 2016 um die 109.463 Tiere “starken Schmerzen und schweren Leiden” ausgesetzt waren. Sind derartige Gewalttaten jemals für unseren vermeintlichen Fortschritt gerechtfertigt?

Tierversuche: etwa notwendig für unseren “Fortschritt”?

Der Schleier der “Notwendigkeit” überdeckt die ethischen Bedenken, die die Torturen von Tierversuchen einfordern. Die meisten nehmen die vermeintliche Tatsache, wir würden unseren wissenschaftlichen Fortschritt Tierversuchen verdanken, unreflektiert hin. Das Versuchstier soll als Modell für Prozesse im menschlichen Organismus fungieren. Jeder (nicht-)menschliche tierische Organismus ist jedoch hochkomplex – wir Menschen können diese nicht bis ins letzte Detail verstehen, nicht jeden Zusammenhang nachvollziehen. Mechanismen, die wir übersehen, führen zu unvorhersehbaren Folgen bei der Übertragung vom Versuchstier auf den Menschen und sind daher vorprogrammiert. Schon alleine die Tatsache, dass beispielsweise das Botulinusgift Katzen nichts ausmacht, hingegen für den Menschen tödlich ist, unterstreicht die mangelnde Übertragungsmöglichkeit.

Die Fehlerquote von Tierversuchen liegt bei mindestens 35% und hat für den Menschen verheerende Folgen. So wurde erst im März 2018 das Multiple Sklerose-Medikament Daclizumab, welches an Tieren getestet wurde, vom Markt genommen. Akutes Leberversagen und Gehirnentzündungen gehören zu den Nebenwirkungen der Patient_innen. Nach Contergan & Co. ist dieser Fall ein erneuter Beweis dafür, dass Tierversuche keinen Platz in der modernen Forschung des 21. Jahrhunderts haben!

Empfindsame Lebewesen quälen – jemals legitim?

Zwar ist inzwischen klar, dass Tierversuche nicht durch alternative Forschungsmethoden ersetzt werden können, solange weiterhin primäre Bemühungen und Gelder in neue Tierversuchslabors gesteckt werden. Dennoch sollte sich jede_r folgendes Szenario vorstellen: Tierversuche seien die einzige Möglichkeit wissenschaftlichen Fortschritt zu gewährleisten – wie es seitens der Tierversuchsfreunde propagiert wird – wäre es in diesem Fall gerechtfertigt empfindsame Lebewesen zu malträtieren und umzubringen um anderen zu helfen? Nein. Schon Kant, auf dem unsere heutigen Moralvorstellungen basieren, formulierte, dass negative Pflichten schwerer wiegen als positive. Das heißt, die negative Pflicht, einem Wesen kein Leid zuzufügen, wiegt schwerer als die positive Pflicht, einem – ohne künstliches Zutun – leidenden Wesen zu helfen.

Jeder Versuch ein Schritt in Vergangenheit

Dass die Vivisektion eine barbarische Praxis des Sadismus ist, ist keine neue Erkenntnis. Bereits Voltaire erkannte im 18. Jahrhundert : “Sie nageln ihn [einen Hund] auf einen Tisch und öffnen bei lebendigem Leibe seine Bauchhöhle, um Euch einen Blick auf die Innereien zu bieten. Ihr entdeckt in ihm die gleichen, zum Fühlen befähigenden Organe, die auch Ihr besitzt. Antwortet mir, Ihr Maschinentheoretiker, hat die Natur dieses Tier mit allen Quellen des Fühlens ausgestattet, damit es nicht zu fühlen vermag? Besitzt es Nerven, um ohne jede Erregung zu sein?“

Jeder Tierversuch, der durchgeführt wird bringt unsere Gesellschaft Schritt für Schritt zurück in die Vergangenheit. Nicht etwa wissenschaftlichen Fortschritt bringt uns diese Tierquälerei, sondern viel mehr die Rückentwicklung zu einer barbarischen und gewalttätigen Gesellschaft – ganz entgegen den Annahmen, wir seien zivilisiert und fortschrittlich.



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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