Nashörner – Für ‘Medizin’ ermordet & vom Aussterben bedroht!

Nur noch 3.000 Tiere leben in Südafrika, das neben Asien die Heimat des Nashorn ist. Aus “medizinischem” Irrglauben werden Nashörner wegen ihrer Hörner gejagt und grausam getötet, sodass sie vom Aussterben bedroht sind. Was kann mensch tun, um sie zu schützen? Und warum ist das Horn der Tiere so beliebt? All das und zahlreiche weitere interessante Infos über Nashörner findet ihr in diesem Blogbeitrag.

Wie wird einem Nashorn korrekt das Horn abgesägt?

Was erst einmal befremdlich klingt, ist leider nötig, um die Tiere vor Wilderer_innen zu schützen. Ich befasse mich hier mit einem Beispiel aus Kwazulu-Natal, einer Provinz an der Ostküste Südafrikas, die an Mosambik grenzt. Eine Gruppe, die von einem Tierarzt geleitet wird und sonst großteils aus pensionierten Landtierärzt_innen, aber auch anderen freiwilligen Helfer_innen besteht, arbeiten eine knappe Woche lang den ganzen Tag, um Spitzmaulnashörnern ihre Hörner zu entfernen. Jedes Tier hat einen Peilsender am Bein, der auf einer eigenen Frequenz funkt. Da sich Spitzmaulnashörner im Gegensatz zu Breitmaulnashörnern lieber im dichten Busch aufhalten, müssen sie dort erst heraus getrieben werden. Von einem Hubschrauber aus werden sie betäubt. Nach vier bis fünf Minuten schläft ein Tier dann für eine knappe halbe Stunde.

In dieser Zeit wird von dem Tierarzt das Horn abgesägt. Die anderen Helfer_innen messen den Puls und den Sauerstoffgehalt im Blut, ersetzen den Gürtel mit dem Peilsender durch einen neuen. Eine Wunde des Tieres wird versorgt, wie auch die Einstichwunde des Betäubungspfeils. Die Atemzüge des Nashorns werden gezählt, vier pro Minute gelten als normal. Mit einer Zange werden drei kleine Hautdreiecke aus dem Ohr geknipst, um das Tier später auch per Fernglas zu erkennen. Leider wachsen die Hörner mehrere Zentimeter im Jahr und müssen deshalb spätestens alle zwei Jahre nachgeschnitten werden. Selbst den Ansatz würden Wilderer_innen herausbrechen. Nach der Aufwachinjektion dauert es keine zwanzig Sekunden bis das Tier aufwacht.

Das Horn brauchen sie eigentlich nicht, sie verwenden es nur bei Hierarchiegerangel mit Artgenoss_innen. In einem Revier werden immer alle Bullen enthornt.

Bloß keine Fotos auf Facebook posten!

Das ist die strikte Anweisung, die alle Teilnehmer_innen der Safari erteilt bekommen. Denn Wilderer_innen suchen gezielt nach Posts wie “Gerade eben gesehen: Zehn Nashörner im Soundso-Park, direkt an der ersten Kreuzung!”. Oder sie kombinieren Hashtags wie #Rhino, #Hluhluwe-Umfolozi und #OurMomentoftheDay – und während die Tourist_innen zu Abend essen, wird die eben fotografierte Nashorngruppe drei Kilometer entfernt massakriert. Es kam leider auch schon vor, dass Tierärzt_innen nach einem Tag wieder abreisen mussten, da nach einem Foto von einem bereits enthornten Nashorn Wilderer_innen über Nacht alle restlichen Tiere mit Horn abgeschlachtet hatten.

Warum ist das Horn so beliebt?

Das Horn besteht aus Keratin, wie auch unsere Fingernägel. In China und Vietnam zahlen reiche Kund_innen trotzdem bis zu 80.000 Dollar pro Kilo in Pulverform. Sie denken, es könnte Potenzstörungen und Krebs heilen. Das tut es jedoch definitiv nicht. Leider herrscht weiterhin vorsätzliches Unwissen, wodurch die Nashörner weiter für diesen Irrglauben sterben müssen.

Vom Aussterben bedroht

In ganz Südafrika gibt es vielleicht noch 3.000 Exemplare. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, es könnte sie bald nicht mehr geben. In den letzten Jahren haben der Tierarzt und 30-40 seiner Kolleg_innen nebenberuflich im ganzen Land mehrere Tausend Nashörner enthornt. Aber um alle Rhinozerosse Südafrikas unter die Säge zu nehmen, bräuchte es viel mehr Personal.

Wissenswertes über das Nashorn

Der Verfasser des Artikels beschreibt sie als “Panzer auf vier Beinen”. Drei Meter lang, fast zwei Meter hoch, knapp eineinhalb Tonnen schwer, mit einer Haut wie Hartgummi. Die Füße sind eher weich, das Maul sehr weich. Nashörner haben eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,5-3,8 m und einen 40-60 cm langen Schwanz. Ihre Schulterhöhe beträgt zwischen 1,2-1,8 m. Ihr Körpergewicht schwankt zwischen 1500 und 3600 kg. Und das als Pflanzenfresser_innen! Bei der Geburt wiegt ein Nashornkalb bereits ca. 80 kg, nach einer Tragzeit von eineinhalb Jahren.

Doch die Tiere sind nicht ungefährlich. Spitzmaulnashörner sind dafür bekannt, augenblicklich anzugreifen und erst hinterher zu überlegen, ob das wirklich notwendig war. Frei dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung.” Personen in einem Geländewagen werden aber als Einheit angesehen und somit selten angegriffen.

Heute leben Nashörner in Afrika und Asien. Sie halten sich in Savannenlandschaften aber auch in tropischen Regenwäldern auf. Es gibt noch fünf Nashornarten, das Breitmaulnashorn (häufigste Art, ca. 20.000), das Java-Nashorn (seltenste Art, nur noch ca. 50), das Panzernashorn, das Spitzmaulnashorn und das Sumatranashorn. Je nach Art haben sie ein oder zwei Hörner. Nashörner sind Einzelgänger_innen. In Savannen können sie aber auch in kleinen Gruppen zu sehen sein. Sie leben auch mit Vogelarten wie dem Madenhacker zusammen, der sie von Parasiten befreit.

Es ist wirklich schade, dass diese tollen Tiere vom Aussterben bedroht sind. Bleibt nur zu hoffen, dass die Politik endlich reagiert und diese Tiere besser schützt! Es wäre sehr schade, wenn sie nun von der Erde verschwinden würden, wo sie doch bereits seit ca. 50 Mio. Jahren hier leben, wie Fossilien von urzeitlichen Nashörnern belegen.



Sandra

Sandra

Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt. (Christian Morgenstern)
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