Neugestaltung der Gefängnisse? – Reformbestrebungen der Zoos

Bewusstsein im Sinne des Tierschutzes wächst in der Öffentlichkeit. Immer mehr Menschen erkennen den barbarischen Kern unserer Gesellschaft: Kükenschreddern, mangelhafte Betäubung bei Schlachtungen und Tierversuche für die Kosmetikindustrie empfindet die breite Masse nicht mehr als unterstützenswert. Doch nur selten erkennt mensch, dass all diese Skandale vom eigenen Konsumverhalten bestimmt und ausgelöst werden – jede_r Einzelne kann etwas ändern. Genauso sieht es auch mit Tieren in der Unterhaltungsindustrie aus.

“Zoo360” als zukünftige Lösung aller Probleme?

In Zoos werden verhaltensgestörte Tiere zur Schau gestellt – die der Natur, ihrem ursprünglichen Lebensraum, entrissen wurden. Auch hier erkennen viele Menschen, dass beispielsweise das stereotype Hin- und Herlaufen eines Tigers keineswegs schön oder fördernswürdig ist. Doch “den Kindern zuliebe” werden Tickets gelöst, der Zoo besucht, das Leiden unterstützt. Auch die Zoos selbst erkennen schlechte Haltungsbedingungen an und entwickeln neue Konzepte, die das Leid der Tiere verringern sollen – langfristige und nachhaltige Ideen oder bedeuten sie lediglich eine Neugestaltung der Gefängnisse?

In Amerika gibt es – neben den unzähligen Straßenrand-Zoos, die keinerlei Auflagen erfüllen müssen – einige “vorbildliche” Tiergärten, die das Dasein der Tiere “artgerechter” gestalten sollen. So geben Baumwipfelpfade für Affen sowie ober- und unterirdische Gittergänge für Raubkatzen, die mehrere Gehege verbinden, mehr Bewegungsfreiraum und Abwechslung. Der Raum oberhalb der Zoobesucher_innen wird folglich effektiv für die beherbergten Tiere genutzt. Auch in Deutschland gibt es Bemühungen, weniger Tiere auf größerem Raum zu halten sowie die allgemeinen Lebensumstände zu bessern. Ist damit die Lösung gefunden?

Glasscheiben statt Gitter?

Auch der Panda Garden in Berlin gilt als “vorbildlich”. Hier begrenzen nicht Gitter die Freiheit der Tiere sondern Glasscheiben. Eine kosmetische Maßnahme, die den Besucher_innen ein gutes Gewissen gibt. Bis nennenswerte Reformen in Deutschland tatsächlich umgesetzt werden, wird es jedoch lange dauern. Der Fokus von Zoos liegt schlichtweg auf den Besucherzahlen, der Profitmaximierung – nicht auf dem Wohl der Tiere. Wenigstens sehen Zoodirektoren zumindest teilweise ihr Versagen ein. In Anbetracht der tristen, gekachelten, mit Betonboden ausgestatteten Gehege für Raubkatzen im Berliner Zoo, äußert sich Zoodirektor Andreas Knieriem folgendermaßen: “Wie im Gefängnis. Wir machen es unseren Kritikern leicht.”

Ziel: Es den Kritiker_innen schwerer machen?

Ist letztendlich das Ziel der Reformbestrebungen lediglich, es den Zoogegner_innen schwerer zu machen, indem Kritikpunkte übertüncht und verschönt werden? Schließlich sind “Verbesserungen” der Haltungsbedingungen in Zoos nur Behandlungsmaßnahmen der Symptome, nicht der Ursache. Nur ein Beispiel: Einem Tiger, der in freier Wildbahn täglich 20 – 100 km zurücklegt, kann in Gefangenschaft nie genügend Freiraum gegeben werden. Auch der schönste Gittergang, in dem die grazilen Tiere ein besonders faszinierendes Bild abgeben, ändert daran nichts.

Selbstverständlich können Zoos nicht von heute auf morgen abgeschafft werden. Doch langfristige Ideen, die nicht dem schaulustigen Menschen sondern den nichtmenschlichen Tieren dienen, müssen umgesetzt werden – keine kosmetischen Verschönerungsmaßnahmen. Nachhaltige Auswilderungsprojekte sowie das Stoppen von sinnlosen Zuchtprogrammen sind vonnöten. Der vermeintliche Artenschutz, der von zoologischen Einrichtungen propagiert wird, ist mehr als fraglich. Selbst wenn es tatsächlich Arten gibt, die nur noch im Zoo existieren, stellt sich die Frage: Ist das Sinn der Sache? Ist es “Artenschutz”, wenn Tiere in Gefangenschaft gehalten werden, nur damit mensch sich stolz auf die Schulter klopfen kann?

Wahrer Artenschutz dient nicht der Unterhaltung des Menschen, sondern dem Erhalt der Biodiversität und dem ökologischen Gleichgewicht in der Natur – sind die Tiere im Zoo, wird dieses Ziel verfehlt.



Laura

Laura

"Solange die Menschen Tiere quälen, foltern und erschlagen, werden wir Krieg haben. Wie können wir irgendwelche idealen Zustände auf Erden erwarten, wenn wir die lebenden Gräber getöteter Tiere sind?" (George Bernard Shaw)
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