Pelze überall – warum tut ihr das?

Es ist früh am Morgen, die Luft ist kalt, fast schon beißend beim Einatmen. Ein leichter Wind weht, mit dessen Hilfe die Blätter am Boden nach oben wirbeln und elegant einen Tanz vollführen. Langsam sinken sie wieder zu Boden, um dort auf den nächsten Windstoß zu warten. Ich stehe an der Bushaltestelle, beobachte dieses Schauspiel und plötzlich geben meine müden Augen ein Signal an mein noch nicht vollständig waches Gehirn: “Blätter am Boden bedeutet Herbstblätter. Schlussfolgerung: Es ist Herbst.“ Wo ist nur die Zeit geblieben?

Flauschige Begleitung

Ich beobachte, gegen die Kälte vor mich hin wippend, die Menschen um mich herum. Müde Gesichter, die auf Handys schauen, Musik hören oder einfach nur gelangweilt, traurig oder grimmig ins Leere starren, während sie darauf warten, mit dem Bus zur Arbeit fahren zu dürfen. Eine Person fällt mir besonders auf: jung, lange Haare, Jeans. Sie trägt eine Kapuzenjacke, die mit einem toten Tier geschmückt ist.

Was ist es? Hund, Katze, Waschbär? Ich weiß es nicht, aber was ich mit Sicherheit weiß: es war einmal lebendig, wurde nur gezüchtet, um zu leiden und schlussendlich einen qualvollen Tod zu sterben. Ich schüttle mich, um diese schrecklichen Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben. Aus dem toten Tier an der Jacke des Mädchens wird ein Pelz. Genau diesen Moment wählt der Hund neben ihr, um ein paar Mal kräftig zu bellen, als wolle er auf den Widerspruch dieses Bildes aufmerksam machen. Ich bin kurz davor sie anzusprechen, doch neben mir öffnet der Bus zischend seine Türen. Durch Einsteigen und vergeblicher Sitzplatzsuche bin ich abgelenkt; als ich wieder aufblicke, ist das Mädchen in der dichtgedrängten Menschenmasse verschwunden.

„Sowieso schon tot“

Meine Gedanke kreisen trotzdem weiter um das Thema Pelz. Eine der üblichsten Begründungen, warum mensch Pelz trägt, ist die Überzeugung, er stamme ausschließlich von für die Fleischindustrie geschlachteten Tieren. Verwendet man ihn also nicht in der Bekleidungsindustrie, würde er im Müll landen. Überlegt doch mal! Essen wir Waschbären, Hunde, Katzen oder Nerze? Nein! Aber genau von solchen Tieren stammen eure Pelze. Und auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel China, gibt es eigenständige Industriezweige, wo Tiere allein für unsere Mode gezüchtet und getötet werden. Ein Bild taucht vor meinem inneren Auge auf: Drahtkäfige so weit das Auge reicht. Drinnen sitzen von Eintönigkeit und Langeweile zermürbte Tiere, eingesperrt auf viel zu engem Raum. Einige haben Verletzungen an Pfoten, Beinen oder Schnauze. Andere laufen pausenlos im Kreis, ein eindeutiges Zeichen für Verhaltensstörungen. Solche Pelzfarmen gibt es in Mengen, selbst in Deutschland.

Überall

Wieder im Hier und Jetzt angekommen, steige ich aus dem Bus und laufe runter zur U-Bahn. Während ich mich durch das Gedrängel schlängele, sehe ich, wie in einem Computerspiel, durch bestimmte Kennzeichnungen hervorgehoben, nur die pelztragenden Menschen. Eins, Zwei, Drei, Vier. Mein Blick ist fokussiert – Fünf, Sechs, Sieben – und fällt auf Mützen mit Pelzbommeln, Pelzschwänze an Taschen, Parkas mit Pelzbesatz, Pelzkragen, Pelzmäntel, Pelzfutter und die überall beliebten Jacken mit Pelz an der Kapuze. Dank eines Aufklärungsvideos von Animals United unterscheide ich gekonnt Echtpelz von Kunstpelz. Acht, Neun, Zehn…. Oft landet Pelz als Kunstpelz deklariert auf dem deutschen Markt. Da die Produktion von synthetischem Pelz zu aufwendig und kostenspielig ist, wird echter Pelz verwendet. Am liebsten würde ich allen einen Flyer in die Hand drücken und sie fragen: Euch ist bewusst, dass das, was ihr da mit euch spazieren tragt, einmal gelebt hat? Tiere haben Gefühle, so wie ihr und ich!

Nicht alle sterben sofort

Sie können Freude, Glück und Liebe verspüren, aber auch Schmerz, Trauer und Angst. So müssen sie z.B. verängstigt zusehen, wie ihre Artgenossen brutal verprügelt werden, wodurch Brüche und Verletzungen entstehen, woran die Tiere jedoch nicht alle sofort sterben. Bei vollem Bewusstsein werden sie dann aufgeschlitzt und ihnen wird das Fell abgezogen. Dabei schreien sie vor Schmerz! Anschließend werden die Pelze chemisch bearbeitet, um den Verwesungsprozess, der bei Leichen einsetzt, zu verhindern. Denn genau das ist Pelz, ein Leichenteil! Somit ist auch die Aussage, Pelz sei ein Naturprodukt nicht richtig, da die Chemie und das Entreißen von Leben alles Natürliche zerstört. „Einsteigen… bitte zurückbleiben!“, tönt es aus den Lautsprechern. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen und schaffe es gerade noch, aus der U-Bahn zu hasten, bevor die Türen schließen.

Warum tut ihr das?

Die Straße entlanglaufend, schaue ich jede_n weitere_n Pelzträger_in böse an und denke: Es sind Marderhunde, Füchse, Waschbären, Katzen, Hunde, Nerze und Kaninchen, die als Ware angesehen und gehandelt werden. Jedes Jahr leiden und sterben Millionen von ihnen, weil ihr Tiere als Materialien versteht und verwendet und nicht als fühlende Wesen. Weil ihr nur den Pelz und nicht das lebende Tier, das er mal war, an eurer Kleidung seht. Weil ihr unüberlegt und ahnungslos Klamotten für die kalten Tage kauft. Doch Unwissen schützt vor Konsequenzen nicht!



Anouk

Anouk

I’m here, because I don’t want the earth to simply survive or sustain, but to thrive with all of her earthlings.
Anouk

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